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geschichte artikel (Interpretation und charakterisierung)

Der film troja



Den von Wolfgang Petersen gedrehten Film "Troja" mit Brad Pitt in der Rolle des Achilleus kann man als nackte Katastrophe bezeichnen. Zunächst handelt es sich bei dem Film um einen normalen Actionfilm, einfach mit Darstellern in historischer Kleidung. So weit wäre auch alles in Ordnung. Wenn aber Petersen behauptet, er habe sich mit der Geschichte auseinandergesetzt und versucht, sie in den historischen Zusammenhang einzufügen, ist das eine Unwahrheit, oder er hatte unter seinen Beratern zumindest niemanden, der etwas von Geschichte versteht. Grundsätzlich soll sich der Film an der von Homer und anderen überlieferten Troja-Sage orientieren. Deren Inhalt ist schnell erzählt: Die Griechen lagern vor Troja, weil, wie man anderswo erzählt bekommt, der trojanische Prinz Paris die Frau des spartanischen, also griechischen, Königs Menelaos entführt hat.

     Da alle griechischen Könige geschworen hatten, den Mann dieser schönsten Frau Griechenlands zu unterstützen, sollte sie entführt werden, müssen sie mitkommen. Achilleus betrifft das zwar nicht, aber aus Lust am Krieg kommt er trotzdem mit auf die Reise. Nach zehn Jahren hat sich an der Situation nichts geändert, aber es kommt zum Streit zwischen Achilleus und dem Oberkommandierenden Agamemnon, einem Bruder von Menelaos. Nachdem ihm eine Sklavin und Geliebte weggenommen wird, zieht sich Achilleus beleidigt aus dem Kampf zurück, greift erst wieder ein, als sein Geliebter getötet wird. Er tötet den trojanischen Oberbefehlshaber, bevor er selbst umkommt. Dann folgt die in der Ilias nicht geschilderte Episode mit dem hölzernen Pferd, durch das die Einnahme der Stadt gelingt.

     Man sieht also, die Abläufe sind etwas anders als im Film, wo sich im hölzernen Pferd auch Achilleus aufhält. In der Stadt wird er getötet (durch viele Pfeile, darunter den in die Ferse), kann aber auch noch Paris, den Entführer Helenas, töten. Auch Menelaos kommt in der Stadt ums Leben, anstatt sich wie in der Originalstory in Ägypten in Kämpfe einzulassen und dann glücklich heim zu finden. Menelaos spielt im Film die Rolle des unglücklichen, liebeskranken Versagers, der völlig unter der Kontrolle seines älteren Bruders Agamemnon steht. Dieser hat gleich erkannt, welche Chance sich ihm bietet, hier eine gesamtgriechische Armee aufzustellen und Troja einzunehmen. So könnten die Griechen die Meerenge der Dardanellen beherrschen und ihre Versorgung mit Metallen sichern.

     In den überlieferten Texten spielen die Götter der Griechen eine gewichtige Rolle, sie sind der eigentliche Auslöser für den Kampf, mit ihrer Eifersucht. Im neuen Film wurde des Realismus wegen darauf verzichtet, allerdings fehlt eine überzeugende andere Begründung. Denn Agamemnons Wunsch nach Kontrolle der Meerenge und Plünderung der Stadt wird nur sehr kurz angetönt. Somit bleibt die Motivation für das Ganze irgendwie schwebend. Denn daran, dass 100´000 Leute unter beträchtlichen Kosten wegen der Frau verschifft werden, glaubt niemand so richtig. Nun gut, die Griechen kommen also vor Troja an.

     Und hier kann man sehen, dass Petersen zwar ein Regisseur ist, der große Bilder inszenieren kann, der aber von Geschichte, zumindest antiker, keine Ahnung oder zumindest keine guten Berater (wie in "Das Boot") hatte. Denn um landen zu können, müssen die Griechen erst Strandhindernisse überwinden, für die offensichtlich das D-Day-Epos "Der längste Tag" Pate stand. Die Trojaner werden ja auch sicherlich den Strand mit Holzpfählen befestigt haben, um die leicht gebauten Holzschiffe des Gegners aufzuschlitzen. Aber an denen befestigten sie sicherlich keine Metallkästen, die beim Auftreffen ein Schiff zwar nicht zur Explosion brachten, es aber doch gleich komplett brennen ließen. Die eingesetzten Wurfmaschinen sind ebenfalls vollkommen unrealistisch und wurden erst etwa 800 Jahre später eingesetzt. Noch etwas zu den Kostümen: Generell sind sie Hollywood-typisch, das heißt zu bunt, zu grell, zu falsche Materialien.

     Und dass Steigbügel in einem Antikfilm nichts verloren haben, ja in dieser Zeit nicht einmal Pferde als Reittiere (außer, wenn die Amazonen mitspielen) sollte sich eigentlich herum gesprochen haben. Aber die Bilder einer herangaloppierenden Reitertruppe sind für Regisseure verführerisch. Und die Sicherheit der unglaublich teuren Stars verbietet es, sie ohne Steigbügel in den Sattel zu setzen, damit ihnen ja nichts passiert. Zusammengefasst ist "Troja" als Historienfilm völlig unbrauchbar, biegt die Story, die er eigentlich verfilmen wollte, völlig zurecht.

 
 

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