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Der online-mythos und die offline-persönlichkeit


1. Java
2. Viren



Nicht zufällig nennt sich der neue langatmige Multimedia-Dienst der Deutschen Telekom, der die Geburtswehen des verfehlten Bildschirmtextdienstes noch immer nicht abstreifen konnte, T-Online. In der Geschichte der Bundesrepublik gibt es nach meiner persönlichen Meinung kein sittenwidrigeres Rechstgeschäft als dieses unglaubliche, und den Ruf der Telekom auf Dauer schädigende Kopplungsgeschäft: Wo gibt es das schon, daß eine Firma, indem sie einen Dienst durch eine veraltete Schnittstellengestaltung weniger übersichtlich und weniger zugänglich gestaltet, durch unnötige und unnütze Wartezeiten im System also, zusätzliches Geld von den Kunden verlangen darf?
Gewinnt die neue Generation von Jugendlichen und Studenten den Eindruck, daß die Telekooperation für sie nicht finanzierbar ist, so wendet sie sich ab von der Entwicklung einer Technik, die nur die jungen Leute auf ein für uns alle akzeptables Niveau schrauben können. Sie sind es, die uns durch ihr Engagement, durch ihre Fehler und ihre Erfahrungen, die Technik auf Dauer angenehmer und bedienbarer gestalten können. Sie fressen sich für uns durch den Griesberg, der den Weg in eine offenere Kommunikationsgesellschaft vorest noch verdeckt.
Die offenere Kommunikationsgesellschaft ist ein sozialer Kultivierungsprozeß, der sich aus dem anthropologischen Bedürfnis nach Individuation und Personalisation speist. Dementsprechend weichen Formen der kontrollierteren Mediennutzung, "online" im Kollektiv, immer wieder "offline"-Systemen mit neuen sozialen Freiheitsgraden. Der in der Runde von Zuhörern öffentlich vorgetragene Mythos konnte vom Leser durch das geschriebene Buch in der Stille der Klosterzelle erstmals individuell rezipiert werden. Auf den Fernsehapparat im Wohnzimmer folgte das personalisierte Fernsehgerät und der Videorecorder. Der gewünschte oder gar ersehnte Telefonanruf erforderte die unmittelbare Erreichbarkeit online. Erst der Anrufbeantworter gab die Offline-Freiheit zurück, erreichbar zu sein trotz Abwesenheit. Die Chipkarte bietet durch Ihre Offline-Speicherung Anonymität im Online-Verkehr und Agenten im Netz werden Antorten auf unsere Fragen suchen, ohne uns während dieser Zeit online an das Terminal zu binden.
Die neue Generation von Studenten an der Hochschule sucht nur sehr selten neue Formen der Anbindung und Kontrolle im tutoriell gesteuerten Online-Verkehr. Sie will sich vielmehr autonom und schnell neue Kenntnisse verschaffen und sich zudem eine eigene Meinung bilden. Die neue Generation ginge off-line, wenn ihr nur die Möglichkeit dazu geboten würde. Anstatt daß die Nutzer der Onlinedienste während der gesamten Suche nach neuen Daten im Netz verweilen müssen, und die Netzbetreiber als Wegelagerer des neuen Lernens hieran verdienen, müßten die Anbieter den Nutzern mehr Spielraum für geeignete "Auszeiten" lassen, wenn sie diese auf Dauer als Kunden an sich binden wollen.

 
 




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