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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Venezianische scharade


1. Drama
2. Liebe



Ich möchte euch heute ein Referat über das Buch "Venezianische Scharade - Commissario Brunettis dritter Fall" von der bekannten Krimiautorin Donna Leon vortragen. Bisher hat noch keiner ein Buch von ihr vorgestellt, also werde ich euch ein wenig über Donna Leon erzählen.

Geboren wurde Donna Leon am 28. September 1942 in New Jersey. Dort absolvierte sie auch ihr Universitätsstudium. Seit 1965 lebt sie ständig im Ausland und seit 1981 in Venedig. Sie arbeitete als Reisebegleiterin in Rom, als Werbetexterin in London, unterrichtete an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und in Saudi Arabien. Zur Zeit lehrt Donna Leon Englische Literatur in Vicenza, an einer Aussenstelle der Universität Maryland, wo sie auch lebt. Für ihren ersten Roman \"Venezianisches Finale\" erhielt sie 1991 Japans renommierten Suntory-Preis. Die Wahlitalienerin Donna Leon führt mit ihren Krimis rund um den sympathischen Commissario Brunetti stets die deutschsprachigen Bestsellerlisten an.

Inzwischen sind mehrere andere Bücher von ihr gefolgt, darunter auch dieses hier, die alle den Commissario Brunetti zur Hauptfigur haben: Er ist ein liebenswerter Polizist mit Sinn für Humor und Menschlichkeit sowie einer Vorliebe für gutes Essen und edlen Wein; er wirkt wie ein Mensch \"wie du und ich\".

Nun mehr über das Buch selbst:
Die Handlung dieses Buches beginnt folgendermaßen: Bettino Cola, ein Arbeiter eines Schlachthofes in Marghera findet während einer Rauchpause in einer anliegenden Wiese zuerst einen, dann einen zweiten roten Schuh. Er geht der Sache nach, hebt das Paar Schuhe auf, und merkt, dass einer am Fuße einer toten Frau steckt. Schockiert alarmiert er sofort die Polizei. Eine halbe Stunde später trifft diese ein und befragt den Finder der Leiche.
Dieser zeigt den Polizisten den Fundort, daraufhin untersuchen die beiden Beamten die Leiche etwas genauer und sichern eventuelle Spuren. Dabei stellt sich heraus, dass die Frauenkleider und -schuhe nicht wie vermutet zu einer Frau gehören, sondern zu einem Mann! Der Tote wurde, wie wenig später ein Kriminalpathologe in seiner Autopsie feststellt, durch Dutzende Schläge mit einem zylindrischen Gegenstand auf den Kopf ermordet, ja sogar verunstaltet; und von einem Täter keine Spur, nicht im entferntesten. Von einer Nase war nichts mehr zu sehen; ein schreckliches Detail: Sie wurde durch einen Schlag mit der Mordwaffe in das Gehirn gerammt.

Da der Mann in Frauenkleidern in einem Gebiet aufgefunden wurde, das von Prostituierten gern als "Arbeitsstätte" genutzt wird, vermutet man, dass diese Person als Transvestit ihrem "Beruf" nachging. An dieser Stelle der Handlung kommt Commissario Guido Brunetti ins Spiel. Im zuständigen Polizeirevier Mestre findet sich niemand, der den Fall übernehmen könnte. Drei Beamte sind auf Urlaub, einer im Krankenstand, eine Polizisten auf Karenzurlaub, und der letzte ist bereits voll mit Arbeit eingedeckt.

Also wird Brunetti, der bei der Kriminalpolizei in Venedig arbeitet, der Fall aufgetragen. Widerwillig übernimmt dieser den Mordfall, wollte er doch am Wochenende mit seiner Frau Paola und seinen Kindern Raffael (kurz Raffi) und Chiara (übrigens beide im Teenageralter) für zwei Wochen auf Urlaub in die Berge Norditaliens fahren.

Anfänglich deutet alles daraufhin, dass es sich bei der Leiche um einen Prostituierten handelt, also verhören Brunetti und zwei seiner Kollegen, Scarpa und Gallo, alle homosexuellen Prostituierten, die ihnen bekannt sind. Mit Hilfe einer Skizze, wie der Ermordete vor seiner Verunstaltung wohl ausgesehen haben könnte, und einem Photo von seiner Leiche befragen die Polizisten die Betreffenden nach der Identität des Toten. Niemand kann bzw. will Auskunft geben, doch einer gerät in Panik, als er das Photo der Leiche sieht; "Mir nicht! Mir passiert so etwas nicht! Nein!" ruft er laut um sich. Sein Name lautet Francesco Crespo, er lebt in einer stattlichen, beinahe luxuriösen Wohnung, möglicherweise gemeinsam mit Avvocato Giancarlo Santomauro, einem bekannten Star-Anwalt des Landes, der schon viele prominente Personen juristisch vertreten hat. Brunetti wundert sich zwar über diese pikante Umstände, sieht aber vorerst noch keine Verbindung zwischen den beiden.
Am nächsten Tag meldet sich eine gewisse Signora Mascari im Polizeirevier, ihr Mann, Leonardo Mascari, ist Bankdirektor der Banca di Verona. Er wollte geschäftlich nach Messina, ist dort nie angekommen und wird seit etwa zwei Tagen vermisst. Die Leiche wird von Signora Mascari als ihr Mann identifiziert.
In den nächsten Stunden und Tagen ergeben sich viele neue Verbindungen und Indizien: Santomauro ist ehrenamtlich Präsident der Lega della Moralita, einer gemeinnützigen, sozialen Einrichtung, die - und nun das interessante Detail - von jeglichen Steuerabgaben befreit ist!

Dabei stellt sich jedoch heraus, dass die - gar nicht so miserablen Wohnungen, die diese Lega vermieten darf - nicht wie vorgeschrieben um die Mindestmiete, sondern um ein vielfaches dessen vermietet werden, und zwar zu so horrenden Preisen, dass man ein Vermögen damit verdienen kann! Auch zwischen Santomauro und Mascari tun sich Verbindungen auf, der Bankdirektor dürfte Nachforschungen bei Betroffenen über die Wohn- ungsmachenschaften des Anwalts geführt haben, darunter auch bei einem Transvestiten, der den Ermordeten nach der Identifizierung wiedererkennt. Weiters wird festgestellt, dass Mascari nicht auf der besagten Wiese ermordet wurde, sondern erst nach seinem Tod dort hingebracht wurde, seine Füße, Knie, und auch sein Oberkörper wurde rasiert, aber nicht von ihm selbst. Auch die Frauenkleider und -schuhe gehören nicht ihm selbst. Es sieht so aus, als ob jemand Mascari als einen Transvestiten bei der Arbeit als Prostituierter aussehen lassen möchte, um vom tatsächlichen Tatmotiv abzulenken.
Brunetti redet auch mit Marco Ravanello, dem Vize-Direktor der Banca di Verona und somit Nachfolger von Mascari als Direktor der Bank. Ravanello hat davon gewusst, dass Mascari Jungen liebt, und auch oft als Transvestit verkleidet "anschaffen" geht; sich somit für diverse Freuden bezahlen lässt. Später ruft ein unbekannter Mann bei Brunetti zu Hause an, er gibt keinen Namen an, an seiner Stimme kann der Commissario ihn jedoch unschwer erkennen, dass es Francesco Crespo ist (Derjenige, der in Panik geriet . . .). Er wolle mit Brunetti reden, über was sagte er nicht, also verabreden sich die beiden an einem Parkplatz bei Venedig, um ein Uhr Nacht. Brunetti nimmt zur Sicherheit ein paar Kollegen mit, doch Crespo kommt nicht. Stunden nach der ausgemachten Zeit verlassen sie den Treffpunkt. Als sie mit dem Auto Richtung Polizeirevier fahren, rammt sie absichtlich ein anderes Fahrzeug, und eine Beamtin - sie war nicht angeschnallt und erst 23 Jahre alt - stirbt an Ort und Stelle. Die anderen kommen mit blauen Flecken davon.

Am Morgen darauf erfahren sie, warum Crespo nicht kam: Er wurde in seiner Wohnung mit dem Telefonkabel stranguliert und erstickte. Vom Täter keine Spur, Brunetti vermutet aber, dass zwischen allen drei Mordfällen, Mascari, Crespo und der jungen Polizistin zumindest eine Verbindung besteht, wenn nicht sogar der Täter derselbe ist!
Durch Zufall wird der Mann, der die überhöhten Mieten für die Wohnungen eintreibt (es wird in bar bezahlt), identifiziert. Er heißt Pietro Malfatti, und soll noch am selben Tag festgenommen werfen. Da dieser schon einige Male Bekanntschaft mit der Polizei gemacht hatte, fackelt er nicht lange und flüchtet bei seiner geplanten Verhaftung; Brunetti und seine Kollegen verlieren seine Spur.
Während dieser Stunden verwickelt sich auch Ravanello in Widersprüche. Finanzfahnder stellen fest, dass für die Konten der Lega della Moralita kein geringerer als Mascari zuständig war, zumindest laut den Abrechnungen und Überweisungen. Dabei fällt den Beamten der Guarda di Finanza jedoch auf, dass auch die eigentlich ausgemachte Miete, etwa 100.000-200.000 Lire pro Monat und Wohnung, auf Konten der Lega della Moralita überwiesen wurden. Ravanello hatte angegeben, am Wochenende allein in der Bank gewesen zu sein und Mascaris Arbeiten und Aufzeichnungen überprüft zu haben, er meinte, es hätte keine Unregelmäßigkeiten gegeben. Genau das rückte ihn in ein schiefes Licht: Die Fahnder behaupteten, alle Dokumente und Transaktionen der Konten der Lega della Moralita seien von Mascari selbst geführt bzw. erstellt worden, seine Initialen und seine Kennziffern waren auf den besagten Schriftstücken. Jeder weiß, wie leicht man Initialen fälschen kann, und die Kennziffern der Mitarbeiter waren untereinander durchaus bekannt. Laut den Finanzprüfern dauerte es etwa ein bis zwei Tage, um alle Dokumente zu fälschen, und dadurch machte sich Ravanello verdächtig. Doch noch bevor Commissario Brunetti ihn daraufhin verhören kann, wird Ravanello ermordet, in seiner Wohnung wird er erstochen aufgefunden. Höchstwahrscheinlich war Malfatti der Täter, eine Frau hat ihn beim Eindringen in die Wohnung seines Opfers gesehen.

Schnellstens eilen Brunetti und Kollegen zu Avvocato Santomauro (dem berühmten Anwalt), denn er ist die letzte noch lebende Person, die über die Lega della Moralita und ihre Machenschaften noch Bescheid weiß, wenn er auch so tut, als ob er ein Engel mit Nimbus wäre. Brunetti befürchtet, dass auch Santomauro ermordet werden könnte, und dann wäre dieser Fall, der ja schon beinahe ein Komplott ist, schier unlösbar. Der Staranwalt versteht die Aufregung um seinesgleichen nicht, und droht, beim Innenminister und bei Brunettis direktem Vorgesetzten Beschwerde einzulegen. Kaum ist der Commissario wieder im Polizeirevier, erfährt er, dass Malfatti gefasst wurde, als er wieder ihn seine Wohnung zurückwollte. Malfatti wird verhört, und der Fall scheint gelöst; auch Santomauro, der ehrenwerte Anwalt, kämpft gegen die handfesten Beweise, die gegen ihn vorliegen.
Und an dieser Stelle der Handlung möchte ich aufhören, denn es macht keinen Sinn, einen Kriminalroman vorzustellen, nur um dann das Ende und somit die Lösung des Falles zu verraten. Mir hat das Buch sehr gefallen, obwohl ich wirklich kein großer Leser von Romanen und Geschichten bin, eher noch wissenschaftliche Bücher. Vielleicht kaufe ich mir sogar ein oder zwei weitere Bücher der "Commissario Brunetti" - Reihe.

Zur Sprache bzw. zum Aufbau ist zu sagen, dass man Anfang des Buches ziemlich langsam lesen muss, um noch mitzukommen. In der Einleitung steht hinter jedem Satz geballte Information; auch wenn einem die schier endlos verschachtelten Sätze etwas wirr vorkommen. Doch das geht nur die ersten paar Seiten so. Danach wird der Erzählstil um einiges lockerer, abwechslungsreicher, und trotzdem spannend sowie neugierig machend über den weiteren Verlauf der Handlung. Donna Leon beschreibt alle Szenen und Schauplätze bis aufs kleinste Detail, und die Abläufe sind eigentlich sehr einfach zu verstehen und auch durchaus realistisch gestaltet. Genau genommen beschreibt sie unglaublich interessant das italienische Alltagsleben, noch dazu mit interessanten Persönlichkeiten wie Brunetti oder Santomauro. Man bekommt einen Eindruck von Venedig, ohne je dort gewesen zu sein, was für einen Kriminalroman nicht schlecht ist.

Das Buch ist zwar in Kapitel unterteilt, in Wahrheit sind es nunmehr vier Teile, die die Handlung begleiten, nämlich: 1.) Die Tat; 2.) Die verzweifelte Suche nach Anhaltspunkten; 3.) Das Entdecken vieler Indizien und Beweise; 4.) Die Aufklärung des Falles. Der erste sowie der letzte Teil der Handlung fallen im Vergleich zu den mittleren sehr kurz aus; keinen Krimi-Leser oder TV-Krimi-Seher dürfte das wundern.
Der Aufbau des Buches ist sehr kurzweilig gestaltet, oft beschreibt Donna Leon, wie Brunetti oder seine Frau Paola kochen, oder bestimmte Räume, Menschen, Plätze. Sie erzählt vom endlos langen Warten auf ein Ereignis, vermittelt einzigartig die Fadesse und Langeweile; und plötzlich, wie aus heiterem Himmel, taucht eine neue Person auf, und es ergibt sich z.B. eine spannende Verfolgungsjagd quer durch Venedig, die sogar den Canal Grande zum Schauplatz hat. Dazu möchte ich euch nun einen kurzen Auszug aus dem Buch vorlesen . . . . . . . . Ihr seht, die spannende Handlung verschwindet so unauffällig und schnell, wie sie gekommen ist, ein fließender Übergang sozusagen.

Mein Referat ist hiermit eigentlich abgeschlossen, ich hoffe, es hat euch gefallen und auch Anreiz gemacht, das Buch zu lesen (Hoffentlich habe ich nicht zu viel verraten!). Falls ihr noch irgendwelche Fragen bezüglich der Handlung, der Personen, oder eventuell eines Fremdwortes (Soll ja angeblich vorkommen . . .) habt, stehe ich hier gerne Rede und Antwort.

Nun, dann danke ich euch für eure - zeitweilig - etwas schläfrige Aufmerksamkeit und betrachte das Referat als erledigt . . .

 
 




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