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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Die zwischenkriegszeit - unbeständige liebe - erich kästner - sachliche romanze


1. Drama
2. Liebe



Als sie einander acht Jahre kannten Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
(und man darf sagen: sie kannten sich gut), Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
kam ihre Liebe plötzlich abhanden. und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter, Sie gingen ins kleinste Café am Ort
versuchten Küsse, als ob nichts sei, und rührten in ihren Tassen.
und sahen sich an und wußten nicht weiter. Am Abend saßen sie immer noch dort.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei. Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.


Zum Autor
Der Schriftsteller Erich Kästner wurde mit seinen Kinderbüchern aus der Zeit der Weimarer Republik bekannt. Darüber hinaus wurde er mit einigen Werken seiner satirischen Gebrauchslyrik, die von alltäglichen Problemen erzählen und die pazifistische Haltung des Dichters offenbaren, populär. In seinem Romanwerk nimmt er sich unter anderem dem Verfall der zeitgenössischen Gesellschaft an. In seinen Beiträgen nach dem Krieg mahnt er gegen das Vergessen . 1957 erhielt Erich Kästner den Georg-Büchner-Preis, Deutschlands renommierteste Literaturauszeichnung. Erich Kästner wurde als Sohn des Sattlermeisters Emil Richard Kästner und seiner Frau Ida am 23. Februar 1899 in Dresden geboren.
Er publizierte bereits als Gymnasiast in der Schülerzeitung des König-Georg-Gymnasiums erste lyrische Werke.
1919 absolvierte er das Abitur, im gleichen Jahr begann er an den Universitäten Leipzig, Rostock und Berlin die Fächer Germanistik, Philosophie, Geschichte und Theatergeschichte zu studieren. Bereits während seiner Studienzeit arbeitete er als Journalist bei der "Neuen Leipziger Zeitung". 1925 promovierte er zum Dr. phil.
1927 wurde ihm ein erotisches Gedicht zum Stolperstein, er musste die journalistische Tätigkeit bei der "Neuen Leipziger Zeitung" aufgeben. Er übersiedelte nach Berlin und war für verschiedene Zeitungen tätig. Im Jahr 1929 kam sein bekanntestes Werk "Emil und die Detektive" heraus, 1931 "Pünktchen und Anton" und 1933 "Das fliegende Klassenzimer". Diese Werke wurden in insgesamt 24 Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt.
Erste Gedichtbände wie "Herz auf Taille" oder "Lärm im Spiegel" veröffentlichte Erich Kästner in den Jahren 1928 und 1929.

Für das Kabarett schrieb er politische Gedichte in satirischem Ton und andere zeitkritische Texte. Große Popularität erlangte der Schriftsteller mit seinen Kinderbüchern. Im Jahr der Machtübernahme der Nationalsozialisten, 1933, wurden einige Werke von Kästner verboten und öffentlich verbrannt, denn darin nahm der Schriftsteller die bürgerlichen Moralvorstellungen, Faschismus und Militarismus mit dem ihm eigenen Witz kritisch unter die Lupe. Kästner wurde von der Gestapo verhaftet, es folgten in den Jahren zwischen 1937 und 1940 weitere Festnahmen und Freilassungen. Im Jahr 1942 lieferte er das Drehbuch zum Ufa-Film "Die Abenteuer des Barons von Münchhausen" ab.
Im gleichen Jahr wurde ihm ein Schreib- und Publikationsverbot auferlegt. Doch auch dies konnte den Schriftsteller nicht zur Emigration bewegen. Die Romane "Drei Männer im Schnee" (1934) und "Georg und die Zwischenfälle" (1938) wurden außerhalb Deutschlands publiziert.
Sein Stück "Zu treuen Händen" wurde 1949 uraufgeführt. Die bekannten Kinderbücher "Das doppelte Lottchen" und "Die Konferenz der Tiere" wurden veröffentlicht. 1956 ehrte ihn die Stadt München mit dem städtischen Literaturpreis. Im Jahr darauf wurde er mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. In dieser Zeit wurde sein Sohn Thomas geboren; Kästners Vater starb.
Kästners Aufzeichnungen in seinem Tagebuch in der Zeit von März bis August 1945 erschienen im Jahr 1961 als Buchform aufbereitet unter dem Titel "Notabene 45". Zwei Jahre später erschien der Kinderroman "Der kleine Mann".
1970 verlieh die Stadt München dem Schriftsteller den Ehrenpreis für Kultur.
Erich Kästner starb am 29. Juli 1974 in München.


Zum Werk

Im Gedicht \"Sachliche Romanze\" von Erich Kästner wird die Situation zweier Menschen behandelt, die plötzlich bemerken, dass sie sich nicht mehr lieben.
Kästner verfasste diesen Text in Form eines Kreuzreimes (abab) bzw. eines vierhebigen jambischen Verses, und zwar gänzlich im Präteritum. Dies unterstützt und verdeutlicht eventuell den Umstand abhanden gekommener (= vergangener) Liebe.
Durch das ganze Gedicht zieht sich ein Gefühl der bedrückenden Starre und Ruhe, besonders auffällig ist allein schon der Gegensatz im Titel: Sachliche Romanze.
Wie kann eine Romanze sachlich sein? Sachlich ist das größte Gegenteil von Liebe. Liebe ist sehr persönlich und intim, niemals aber sachlich.
Damit wird eine gewisse Kühle und Routine angedeutet, die in der Beziehung mit den Jahren entstanden ist.
In der ersten Strophe beschreiben die ersten beiden Verse die bisherige Beziehung der Liebenden. Es ist eine längere Beziehung, wahrscheinlich eine Ehe. Der zweite Vers verdeutlicht die Vertrautheit des Paares, indem er zeigt, was der Beobachter denkt. Im vierten Vers \"Wie anderen Leuten ein Stock oder Hut\" wird der dritte belegt. Die beiden haben ihre Liebe sehr plötzlich verloren, wie andere Menschen einen sachlichen Gegenstand.
In der zweiten Strophe spüren beide, dass ihre Liebe nicht mehr so stark, sie verschwunden ist, wollen es jedoch nicht wahrhaben, da sie aus Gewohnheit nicht ohne den anderen leben können und den Tatsachen nicht ins Auge blicken wollen oder können. Es wird gezeigt, wie das Paar sich selbst belügt, indem es versucht, sich zu benehmen, als ob nichts passiert wäre; die Fassungslosigkeit und aussichtslose Situation unterstrichen. Schließlich kann Frau ihre Gefühle nicht länger unterdrücken und lässt ihnen freien Lauf. Dadurch, dass der Mann nur daneben steht, wird deutlich, dass sie kein wirkliches Paar mehr sind, denn wären sie noch so unzertrennlich wie in den acht Jahren zuvor, würde er zumindest den Versuch machen, sie zu trösten.
Die Handlungen beider Personen stehen in separaten Sätzen. Auch das kennzeichnet eine Trennung, sie werden sozusagen durch den Punkt getrennt.






In der dritten Strophe wird zum ersten Mal \"gesprochen", jedoch nur mittels indirekter Rede. Der Mann sagt etwas, anscheinend nur um die Leere und unangenehme Stille zu füllen; die Spannung zu lösen. Möglicherweise versucht er, dadurch die Situation zu retten. Was er sagt ist jedoch nur oberflächlich und hat keine Bedeutung mehr für die Beziehung.
Die erste und letzte Zeile dieser Strophe sind bildlich zu verstehen. Den Satz \"Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.\" könnte man so interpretieren, dass die Schiffe für das Vorankommen stehen. Das Meer, in dem sie schwimmen, ist das Leben des Paares, die Schiffe, in welche die beiden einsteigen könnten bzw. müssten, damit ihr Leben vorankommt und sich ändert, lassen die beiden aber dennoch vorbeifahren.
Den Satz \"Nebenan übte ein Mensch Klavier.\" kann man auf das Leben selbst beziehen. In einem Lied sind es die Töne die auf- und abgehen, genauso gibt es im realen Leben Höhen und Tiefen. Auch übt
dieser Mensch nur Klavier, er spielt nicht darauf. Dies bedeutet, dass der Mensch zunächst einmal nur Teile eines Liedes spielt und mit Sicherheit Fehler macht. Jedoch sind die beiden Handelnden in diesen beiden Sätzen passiv. Sie unternehmen nichts für das Vorankommen ihres Lebens; die Höhen und besonders die Tiefen nehmen sie schweigend hin.
Nicht nur der Titel beschreibt eine gewisse Langeweile, auch durch die Konjunktion \"und\", welche sich ständig im gesamten Gedicht wiederholt und oft an Satzanfängen steht wird die Monotonie zusätzlich verdeutlicht. Dadurch wirkt der Text gewollt monoton.
In der letzten Strophe ändert sich die Umgebung, in der sich das Paar befindet. Mit \"und rührten in ihren Tassen\" wird gezeigt, dass das Problem auch hier im Café weder angesprochen noch gelöst wird. Das Paar findet auch kein anderes Gesprächsthema, als hätten sie sich nichts mehr zu sagen. Aber es scheint, als würden sie sich im Café wohler fühlen, da sie am Abend immer noch dort sitzen. Möglicherweise gibt es zu Hause zu viele, teilweise traurige und schmerzhafte, Erinnerungen. Das Café ist eine neutrale Ebene - dort müssen sie sich ihren Problemen nicht stellen.
Mit \"sie saßen allein\" wird darauf hingedeutet, dass die beiden nicht mehr zusammengehören.
Das Ende des Gedichts zeigt, welche Fassungslosigkeit sich breit gemacht hat, über ein so schnelles Ende einer langen, eigentlich guten Beziehung.
Auch die Veränderung des Textes am Ende (5 statt 4 Verse) macht die Veränderung im Leben des Paares noch deutlicher. Ob der 5., hinzugefügte, Vers bedeutet, dass auch der Gefühlswelt wieder etwas hinzugefügt wird, geht aus dem Text nicht hervor - Kästner hätte auch 3 statt 5 Verse schreiben können, so hätte er dem Paar vielleicht zusätzlich durch die Form des Textes etwas abhanden kommen lassen können, wenn er es so gewollt hätte.
Grundsätzlich wird aber in diesem Gedicht das Ende einer Beziehung dargestellt. Beide Partner können es selbst nicht begreifen, dass ihre Zuneigung füreinander anscheinend grundlos verschwunden ist. Dennoch schweigen sie lieber, als darüber zu sprechen. Durch ihre Unfähigkeit, zu kommunizieren bleiben beide in Ungewissheit zurück - als Fremde. All die Passivität und Handlungsunfähigkeit führte dazu, dass dies keine Liebe mehr ist, sondern eine Art sachliches, also gefühlloses und neutrales Zusammenleben zweier Menschen.




Zur Epoche

Typisch für die Lyrik der Zwischenkriegszeit ist eine realistisch orientierte Lyrik ohne viele Metaphern und mit einer einfachen, klaren Sprache. Der Begriff der Liebe wurde wirklichkeitsgetreuer dargestellt, auch die negativen Seiten wie Unbeständigkeit und Vergänglichkeit angesprochen. Dennoch wurden eine mögliche sinnliche Leidenschaft und die Intensität der Gefühle bejaht.
"Sachliche Romanze" illustriert diese Aspekte allein schon durch den Titel, auch die Sprache, die Kästner angewandt hat ist typisch für seine Zeit: Das Gedicht ist metaphernlos, nur Vers 9 und Vers 12 sind sprachliche Bilder, die sich mit Vorgängen beschäftigen, die außerhalb des Raumes, wo sich das Paar befindet, geschehen - die Tatsache, dass nur außerhalb des Raumes, in dem sich das Paar befindet, Dinge wirklich geschehen, ist ebenfalls ein Zeichen für die Unfähigkeit beider, an ihrem Leben etwas zu ändern und so vielleicht wieder zueinander zu finden.



Auch das Thema des Werkes ist typisch für die Dichtung der damaligen Zeit: Liebe wurde wirklichkeitsgetreu dargestellt, mit Höhen, Tiefen, ihrer Vergänglichkeit - und genau dieses Thema, Vergänglichkeit, spricht Kästner in "Sachliche Romanze" an.

 
 




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