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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

GefÄngnisalltag "strafvollzug und resozialisierung"


1. Drama
2. Liebe



"Wie es um die Menschenwürde in einer Gesellschaft bestellt ist, lässt sich nirgendwo so deutlich ablesen wie an ihrer Strafpraxis: Sie ist Feuerprobe für eine anständige Gesellschaft."4

Die Zellen in österreichischen Gefängnissen haben eine Größe zwischen 3 und 8 qm pro Person. So ist das größte sichtbare Manko der Bewegungsmangel. Viele Gefangene reagieren apathisch mit ständigem Hin- und Hergehen, ähnlich wie es bei eingesperrten Tieren im Zoo zu beobachten ist.

Die meisten Türen können nur von außen aufgemacht werden, sind sehr massiv und trotzdem schließen sie in den meisten Gefängnissen nicht dicht. Daher ist es in den meisten Zellen sehr kalt und laut.

Als Schlafstätte dient ein Bett mit Matratze und Überzug, ein flaches Kopfkissen und als Bettdecke sehr raue und nicht immer warme Filzdecken mit Stoffüberzug. Tisch- und Sitzbretter sind nicht justierbar und führen auch durch die fehlende Lehne zu Rückenproblemen.

Der Tag beginnt um etwa 6:00 Uhr früh mit Wecken. Um etwa 12.00 kommt das Mittagessen, um 17:00 Uhr wird Abendessen und Frühstück gleichzeitig ausgeteilt, alles in der eigenen Zelle. Disziplin bestimmt den Gefängnisalltag. Alles ist exakt geplant und macht es den Wächtern einfacher die Häftlinge zu kontrollieren und in Schach zu halten. So auch in "Berlin Alexanderplatz", Franz Biberkopf erlebt die gesamte Härte des Strafvollzugs. Dies soll das folgende Zitat zeigen: "Der Schweiß auf seiner Stirn! Die Angst, wieder! Und plötzlich rutscht ihm der Kopf weg. Bumm, Glockenzeichen, Aufstehn, 5 Uhr 30, 6 Uhr Aufschluß, bumm bumm, rasch noch die Jacke bürsten, wenn der Alte revidiert, heute kommt er nicht."5

Das Essen besteht im Normalfall aus einem Stück Weißbrot, ein bisschen Margarine und abwechselnd ein Stück Wurst oder etwas Marmelade dazu. Zu Trinken gibt es meist wässrigen Tee. Das Mittagessen ist Dampfkost, das bedeutet viel Eintopf, Kartoffeln und ab und zu Fleisch dazu. Der Speiseplan wirkt nach einigen Wochen sehr eintönig und wiederholt sich ständig. Gegessen wird aus Blechtellern. Milch, Säfte oder andere Nahrungsmittel, die heute jeder Ernährungswissenschaftler für eine gesunde Ernährung empfiehlt, tauchen im Standardspeiseplan nicht auf.

Ansonsten verbringen die Häftlinge den Tag in der Arbeitsstätte. Arbeit ist Pflicht. Dies gilt jedoch nicht für Schwangere und Gefangene über 65. Eine Verweigerung der Arbeit kann Disziplinarmaßnahmen nach sich ziehen. Jedem Häftling soll eine wirtschaftlich ergiebige Arbeit zugewiesen werden, die seinen Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Gibt es keine wirtschaftlich ergiebigen Arbeiten, können den Gefangenen auch anderen angemessenen Beschäftigungen zugewiesen werden . Ein Rechtsanspruch auf eine wirtschaftlich ergiebige Tätigkeit besteht somit also nicht. Gefangene, die zu einer wirtschaftlich ergiebigen Arbeit nicht fähig sind, sollen an arbeitstherapeutischen Maßnahmen teilnehmen. Geeignete Gefangene können auch an beruflichen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen. Daneben kann man auch zu anstaltsinternen Hilfstätigkeiten herangezogen werden.

Auch Biberkopf arbeitete im Gefängnis und erinnert sich an seine Mithäftlinge im folgenden Zitat: " Drin saßen die andern, tischlerten, lackierten, sortierten, klebten, hatten noch zwei Jahre, fünf Jahre."6

Zu überhöhten Preisen können bei einem Monopolhändler aus eigenen finanziellen Mitteln alle 14 Tage für einen gewissen Betrag Lebensmittel, Körperpflegemittel und anderes bestellt werden, etwa Haarshampoo, Deo, Schreibpapier oder H-Milch sowie Zigaretten. Die Anstalt selber stellt nur ein Stück Seife, Zahncreme und eine Zahnbürste für die Körperpflege zur Verfügung.

Weiters ist das endlose, monatelange Warten unerträglich, die psychologische Anspannung kaum zu beschreiben.

Um der Langeweile zu entfliehen, können sich Bücher ausgeliehen werden. Diese stammen meist aus aufgelösten Beständen von Firmenwerksbibliotheken der vergangenen Jahrzehnte und stellen das einzigste intellektuelle Angebot da.

2mal die Woche gibt es frische Wäsche, das bedeutet je eine Unterhose, Unterhemd, Hemd und Hose. Der Zustand der Wäsche ist durchwegs schlecht, oft fehlen Knöpfe, Nähte sind aufgeplatzt etc.

Kommunikation nach außen ist nur per Post möglich. Diese wird über einen Richter zensiert und dauert auf diese Art etwa 3-6 Wochen, bis sie ankommt. Es vergehen also mind. 1-2 Monate, bis eine Antwort kommt. Für viele Gefangene ein unerträglicher Zeitraum. Das Porto muss aus eigenen Mitteln bezahlt werden. Besuche sind nur alle 14 Tage für je 30 Minuten möglich, in einem winzigen Raum mit anderen Gefangenen und überwacht von Beamten. Dabei ist es so laut, dass man sich kaum versteht.

Ohne Rechtsanwalt ist man praktisch aufgeschmissen, wobei die Einschaltung eines solchen mit einigen tausend Euro zu Buche schlägt. Dies führt oft zu erheblichen finanziellen Problemen. Gefangene ohne finanzielle Mittel müssen drei Monate warten, bevor sie einen oft fragwürdigen Pflichtverteidiger bekommen.

Durch das fast ständige Verschließen der Zellentüren besteht vor allem für Gefangene in Einzelzellen kaum die Möglichkeit notwendiger sozialer Kontakte. Auch beim täglichen Hofgang haben die Häftlinge nur selten die Möglichkeit eine Gesprächsbasis aufzubauen. Nur am Wochenende besteht für wenige Stunden die Möglichkeit, sich zu anderen Gefangenen \"umschließen\" zu lassen.







4.1 TYPISCHER TAGESABLAUF IM GEFÄNGNIS



6:00 Wecken, anschließend Frühstück auf der Zelle
7:00-12:00 Arbeit in den Arbeitsbetrieben

12:00-13:00 Mittagessen auf der Zelle
13:00-16:00 Arbeit in den Arbeitsbetrieben

16:00-17:00 Hofgang
17:00 Abendessen auf der Zelle
bis 21:00 Aufschluss, eventuell Freizeit-/Gesprächsgruppen ab 22:00 Nachtruhe

 
 




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