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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Ein kind unserer zeit


1. Drama
2. Liebe



Roman von Ödön von Horváth, erschienen 1938. - Das letzte Werk Horváths steht seiner The¬matik nach - der Idee der seelischen "Kälte als Schuld" (Franz Werfel) - in unmittelbarer Nach¬barschaft des Romans Jugend ohne Gott (1938). In der Ichform legt ein desillusionierter junger Mensch seine Gedanken und Erlebnisse nieder. Längere Zeit als Arbeitsloser ziellos vor sich hin¬lebend, hat er als Soldat "in Reih und Glied" endlich "seine Linie" gefunden. Er identifiziert sich mit dem Geist der "Führer", deren Brutalität und poli¬tische Doppelzüngigkeit er durchschaut und zu¬gleich rechtfertigt: "Ohne Lüge gibt's kein Leben." Als das Vaterland bedroht ist und den Freiwilligen befohlen wird, ein kleines wehrloses Land zu über¬fallen, distanziert sich der vom Protagonisten ver¬ehrte Hauptmann von den Gräueltaten seiner Leu¬te und sucht im Gefecht den Tod. Bei seinem Ver¬such, den Hauptmann zu retten, wird dem jungen Soldaten der Arm zerschossen, doch gelingt es ihm noch, dem Toten einen Brief aus der Hand zu nehmen. Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus überbringt er der Witwe des Gefallenen diesen Brief und bleibt auch die Nacht mit ihr zusammen. Dabei wird sein noch nicht ausgeheilter Arm, auf den die Frau zu liegen kommt, für immer unbrauchbar. Als Invalide kriegsuntauglich und arbeitslos, zieht er zu seinem Vater, einem herun¬tergekommenen Kellner, beginnt über seine Ver¬gangenheit nachzudenken und erkennt seine wach¬sende Entfremdung von der Umwelt und vom Va¬terland ("Unsere Führer sind eben große Betrüger"). Es treibt ihn zur Kasse des "verwunschenen Schlos¬ses" eines Rummelplatzes, wo er einst ein Mädchen beobachtet hatte, dem er sich aber damals aus Schüchternheit nicht zu nähern wagte. Statt des "verwunschenen Schlosses" findet er nun eine Autohalle vor, "wo die Menschen in kleinen Autos herum¬fahren, immer im Kreise, immer einer allein". Das Mädchen aber sitzt wegen Abtreibung im Gefäng¬nis. Der junge Invalide stellt den verstockten Buch¬halter, der die Entlassung des Mädchens nicht ver¬hindert hatte, zur Rede. In einem Anfall verzweifel¬ter Raserei schlägt er den gefühlskalten Mann nie¬der: "Denn jeder, der da sagt, auf den einzelnen kommt es nicht an, der gehört weg." Aber die späte Einsicht, dass Gefühlskälte Schuld bedeutet und ein wirkliches Verbrechen ist, kann er für sein eigenes Leben nicht mehr realisieren. Er resigniert in dem bitteren Trost: "die Kälte wird wärmer werden". In einer Winternacht setzt er sich tödlichem Frost aus und erstarrt: "Das Bewusstsein einer großen Kälte ist die letzte Erinnerung, das erste Gefühl das der Erfrie¬rende aus dem Jenseits empfängt" (T. Krischke).
Ohne ihre wirtschaftlichen und politischen Ursa¬chen zu erhellen, lässt Horváth seinen Erzähler in der glanzlosen, unpathetischen Sprache des Alltags Krankheitserscheinungen seiner Zeit beschreiben: Er schildert naiv die faschistoide Haltung der "Führer", die den Kampf "gegen organisiertes Un¬termenschentum" befehlen, und den Ungeist der Geführten, die sich mit den vorgesetzten Lügen zu¬rechtfinden und ohne sie nicht mehr leben wollen. Horváth präsentiert gelegentlich, ähnlich wie in seinen Stücken, trostlose, verzweifelte Situationen in der Form einer Komik, die das Versagen der Fi¬guren bewusst macht, ihre Unfähigkeit, sich selbst und ihre Umwelt erkennend zu durchdringen; die Sprache dient "als Mittel des Komischen (Komik des Unbewussten). Eine Komik, der Groteske benachbart und an tragische Bereiche grenzend" (T. Krischke). Knappe lyrische Passagen durchbrechen die vor¬wiegend realistische Erzählung, mitunter wird die Realität mit surrealistischen Elementen durchsetzt. Das Thema der Weltkälte wird in zahlreichen sym¬bolischen Bildern immer wieder aufgenommen und neu abgewandelt. Horváths resignierte Huma¬nität äußert sich indirekt darin, dass der Ich-Erzäh¬ler aus seinem klischeehaften, manipulierten Den¬ken zu einer politisch machtlosen und unrealisier¬baren höheren Einsicht findet, d. h. "zum Grauen vor der Gegenwart und zur religiösen Schulderkennt¬nis der absoluten Lieblosigkeit erwacht" (F. Werfel).

 
 





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