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philosophie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Denken

Marxismus

Psychologische voraussetzungen in der ne





Leib und Seele. Person und Charakter. Der Aufbau und die Funktion der Seele. Tüchtigkeit. Trefflichkeit. Feste Grundhaltungen. Lust und Unlust. Streben. Die Mitte.


Wir können nun in der in Kap.I vorgestellten Art und Weise fortfahren, eine Struktur aufzubauen für die aristotelischen Psychologie der NE (die allgemeine Psychologie des Aristoteles ist ja an anderer Stelle seines Gesamtwerkes ausgeführt).

Es gilt innerhalb der NE als ausgemacht, daß der Mensch aus Leib und Seele besteht (I,12,S.29 u. 30) bzw. aus ihnen seine ihm eigentümlichen Leistungen hervorbringt, d.h. neben der sittlichen Einsicht auch die Vorzüge des Charakters (VI,13,S.172). \"In jedem Falle wird...auch die Person des Handelnden in Betracht gezogen und gefragt, wer er ist und welche Voraussetzungen bei ihm gegeben sind.\" (IV,4,S.97). Diese \"Vorzüge des Charakters\", d.h. die Charakterlage bestimmen unmittelbar Leben, Handeln und Reden des Menschen und nur die Absichten (IV,13,S.113) sind stark genug, das Handeln in eine andere Richtung zu lenken. Die Wirkungen der Seele nach außen sind einmal irrationale Regungen und zum anderen Handlungen, jenachdem ob eine Entscheidungsinstanz mit vorhergehender Überlegungsphase aktiviert worden ist (Handlungen) oder nicht (Regungen, z.B. aus Angst oder Schmerz). Die Wirkungen der Seele nach innen beim Ausführen einer Handlung sind das Empfinden von Lust und Unlust (II,2,S.38).

Ohne Beschränkung der Allgemeinheit (für den vorliegenden Untersuchungszweck) dürfen wir den Allgemeinbegriff \"der Mensch\" interpretieren als Klasse (Trägermenge der aufzubauenden Struktur) aller Menschen und diese bestehen dann aus der Klasse ihrer Leiber und Seelen (als Entitäten). Die Rolle des Leibes ist bei Aristoteles gegenüber der der Seele völlig in den Hintergrund gerückt: es ist die Seele, der Aristoteles ein eigenes Tätigsein und Handeln zuordnet (I,8,S.19); sie bedient sich bestenfalls des Körpers bei der Verwirklichung der Handlungen (vgl. III,1,S.55). So wird denn auch das oberste, dem Menschen erreichbare Gut (das Glück) eben durch dieses seelische Handeln erstrebt (I,13,S.30). Das ausgezeichnete Element der zu konzipierenden Struktur sei also die Seele (oder ein Teil der Seele), insofern sie für das in der aristotelischen NE abzuhandelnde sittliche Handeln relevant ist. Zu den Eigenschaften der Seele gehört einmal ihr Aufbau und zum anderen ihr Verhalten (Tätigsein). Zum Aufbau: neben dem rationalen Seelenteil (logos, Verstand, Fähigkeit zur Planung von Handlungen) gibt es als Antipoden den irrationalen Teil (\"Ort\" für Regungen wie Angst, Schmerz, Zorn etc.) sowie darüber hinaus den Übergangsbereich (Sitz des Strebevermögens, welches ermöglicht, daß der Mensch Ziele verfolgt und Güter anstrebt bzw. Werte verwirklicht) (I,13,S.30 ff.). \"Während beim sittlichen und unsittlichen Menschen die Seele als Einheit erscheint ...ist wegen der offenbaren Spannung zwischen rationalem und irrationalem Element beim Beherrschten und Unbeherrschten die Zweiteilung der Seele an ihnen gut abzulesen\" (Anm. I,82 von E.A.Schmidt). Der rationale Seelenteil ist wiederum in zwei Sphären geteilt: mit einem Teil betrachten wir (mittels spekulativer Denkbewegungen) Formen des Seienden, deren Seinsgrund Veränderungen zulässt, mit dem anderen Seelenteil betrachten wir (mittels abwägender Reflexion) Formen des Seienden, deren Seinsgrund Veränderungen nicht zulässt (VI,2,S.154). Ausgehend von diesem Aufbau zeigt die Seele zum anderen ein bestimmtes Tätigsein (das hier im Rahmen des strukturalistischen Ansatzes als Relation rekonstruiert wird) im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit (I,6,S.17): \"Es gibt bekanntnlich dreierlei seelische Phänomene; irrationale Regungen, Anlagen und feste Grundhaltungen\" (II,4,S.41). Andererseits verfügt die Seele über drei Vermögen, die das Handeln (und die Erkenntnis) steuern: die Sinneswahrnehmung, der Verstand und das Streben (VI,2,S.154). Darüber hinaus \"... gelte die Annahme, daß die Grundformen, durch welche die Seele, bejahend oder verneinend, die Erkenntnis des Richtigen vollzieht, fünf an der Zahl sind, nämlich: praktisches Können, wissenschaftliche Erkenntnis, sittliche Einsicht, philosophische Weisheit und intuitiver Verstand.\" (VI,3,S.156, Hervorh.v.Verf.).

Wir fassen wie folgt zusammen: Der Mensch ist charakterisiert durch die ihm eigentümliche Leistung: dem Tätigsein seiner Seele gemäß einem rationalen Element im Sinne der ihr wesenhaften \"Tüchtigkeit\" (I,6,S.17).

Die der NE zu Grunde liegende Psychologie sei also die Struktur (das geordnete m+3 tupel):


(2) (L,S,s,R1,R2,...,Rm)

mit: L: Klasse der menschlichen Leiber, S: Klasse der menschlichen Seelen, sowie den ausgezeichneten Elementen hieraus: s:= Seelenteil, der für das sittliche Handeln relevant ist und den Relationen (Eigenschaften sind hierbei - wie oben - einstellige Relationen): R1:= s enthält einen rationalen/irrationalen/und Übergangsteil, R2:= s hat feste Grundhaltungen...etc.

 
 



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