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philosophie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Rationalismus

Protagoras (ca. 481 - 411 v. chr.)



Protagoras war vermutlich der berühmteste und bedeutendste Vertreter der Sophistik. Er wurde in Abdera in Thrakien geboren, und sein Leben lang zog es ihn von Stadt zu Stadt. Wie für alle Sophisten üblich lehrte er in Politik, Rhetorik und Philosophie nur gegen entsprechendes Entgelt. Darüber hinaus verband ihn eine ganz besondere Freundschaft zu dem Staatsmann Perikles, der Protagoras Wissen verehrte und ihm viel Verantwortung übertrug, als er ihm um 444 v. Chr. die Verfassung für die griechische Kolonie Thurior ausarbeiten ließ. Auf diese Weise konnte Protagoras also direkt ins politische und öffentliche Leben eingreifen.
Der Philosoph Protagoras verfaßt zu Lebzeiten viele Schriften, die aber zum größten Teil verloren gegangen sind. Erhalten sind lediglich einige Fragmente und die Kenntnis anderer Philosophen und Zeitgenossen über den großen Sophisten. Als Leitmotiv für die Sophistik ging dabei Protagoras Homo-Mensura-Satz in die Geschichte ein: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge." Dieser Satz steht maßgeblich für den anmutenden Relativismus dieser Zeit, der zum ersten Mal in der Philosophie Zweifel an der objektiven Wahrheitsfindung des menschlichen Bewußtseins ausspricht. Denn nach Protagoras ist die Wahrheitsfindung nicht unmittelbar eine Frage der Sinneswahrnehmung sondern vielmehr eine Frage der menschlichen Vernunft, und die wird immer noch durch die Erlebnisse und Erfahrungen eines jeden Individuums individuell geprägt. Gleichermaßen gibt es keine objektive Wahrheit genauso wenig wie es ein einziges menschliches Bewußtsein gibt, und deshalb ist Wahrheit immer relativ, weil gleichermaßen die Basis für unsere Lebensfähigkeit unserem Bewußtsein obliegt. Unwahrheit existiert somit nicht.
Was zunächst als Toleranz in die menschliche Vernunft erscheint, war tatsächlich der perfekte Nährboden für die damalige Politik. Du läßt mir meine Wahrheit, und ich laß dir deine. Dieses Motto wurde auch auf moralische und philosophische Fragen angewendet, hinterließ aber keinen Ansatzpunkt für Kritik und ein gewisses "Anzweifeln", was unter diesen Voraussetzungen das Erkenntnisstreben der Philosophie zunehmend hemmte. Wie soll man auch nach universellem Wissen streben, wenn es plötzlich keine allgemeine Wahrheit mehr gibt?
Gorgias treibt diese Anschauung mit seinen drei Sätzen auf die Spitze: "1. Nichts ist. 2. Wenn aber etwas wäre, dann wäre es für den Menschen nicht erkennbar. 3. Und wäre es erkennbar, dann wäre es jedenfalls nicht mitteilbar."
Platon erwiderte darauf nur zynisch: "Sind diese Sätze überhaupt wahr? Wenn nein, warum spricht Gorgias überhaupt?"

 
 

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