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philosophie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Die besonderheiten christlicher meditation





Im Gegensatz zu vielen (nicht allen) östlichen Meditationstechniken gibt es im christlichen Glauben die inhaltliche Meditation. Einer der Vorreiter der christlichen Meditation war der Jesuitenpater Ignatius von Loyola. Er verfaßte das sogenannte \"Exercicienbüchlein\".
Die Grundgedanken der geistlichen Übungen stammen aus der Zeit von Ignatius' Einsiedlerleben in Manresa. Vorbild waren die Übungen für das geistliche Leben (1500) des spanischen Abtes Garcia de Cisneros. Das Werk ist im Wesentlichen ein Leitfaden zur Meditation und religiösen Unterweisung. Vier Abschnitte regeln den Ablauf der täglichen Übungen, die zum Leben in Frömmigkeit führen sollen. Am Ende steht der miles christianus (lateinisch für: Christenritter), der durch blindgläubigen Gehorsam der Kirche gegenüber den Verlockungen der Reformation widersteht.
Im Christentum wird die Meditation in der Regel als eine Form des stillen Gebets und des Nachdenkens verstanden.
Auch die heilige Theresia von Ávila befaßte sich mit meditativen Praktiken im christlichen Glauben.
Theresia von Ávila wurde am 28. März 1515 in Ávila geboren. 1535 trat sie dem örtlichen Kloster der Karmelitinnen bei. Nach Christusvisionen (1555) und besorgt durch die nachlassende Disziplin unter den Karmelitinnen, beschloß sie eine Reformierung des Ordens. Die heilige Theresia gewann die Überzeugung, daß Frömmigkeit mit Weltlichkeit einher geht. Außerdem gab sie der Meditation insofern einen Inhalt, indem sie Gott personifizierte. Vergöttlichung bedarf Vermenschlichung und umgekehrt, das war die Ansicht der Theresia von Ávila.
Die Eigenart der christlichen Meditation besteht nun darin, daß die Meditation selbst eigentlich zweitrangig ist. Dafür gibt es sogar Beweise in der Bibel. Meditation kann sozusagen als der Vorraum des Betens bezeichnet werden. Je hilfreicher die Meditation für den Gläubigen ist, desto günstiger.
Ein kleines Problem ist auch, daß die Heilige Messe in unserer schnellebigen Zeit oft nur noch eine halbe Stunde dauert. Da der Mensch aber allein diese halbe Stunde braucht, um zur inneren Ruhe zu gelangen, ist es oft schwer, den meditativen Charakter der Messe zu verstehen.
Während die nichtchristliche Meditation darauf hinausläuft, eine innere Ausgeglichenheit zu erreichen, ist es das Ziel der christlichen Meditation durch Gott zu sich selbst zu finden. Diese Begegnung mit Gott ist nicht gleichzusetzen mit der gerade angesprochenen Ausgeglichenheit. Denn Ruhe kann nicht erzwungen werden, sie wird durch Gott geschenkt. Dies ist auch der Grund dafür, daß bei der christlichen Meditation die Methode zweitrangig ist.
Ein bekannter christlicher Meditationsmeister war auch der Jesuitenpater Lassalle. Der Religionswissenschaftler wurde am 11. November 1898 in Externbrock bei Nieheim (Westfalen) geboren. Nach seinem Theologiestudium sowie einer kurzen Militärzeit im 1. Weltkrieg trat er 1919 in den Jesuitenorden ein und wurde 1927 zum Priester geweiht. 1929 wurde er von seinem Orden als Missionar nach Japan geschickt. Seit 1939 hatte er Kontakt zu Zen-Buddhisten und nahm 1943 an ersten \"Zen-Meditationen\" teil. Besondere Bedeutung gewann er durch seinen Versuch, die Zen-Meditationen in das Christentum zu integrieren. Nach anfänglicher Beanstandung seines Buches Zen, Weg zur Erleuchtung (1960), wurde es von der katholischen Kirche schließlich doch akzeptiert. Weitere Werke sind Zen Buddhismus (1966, auch unter dem Titel Zen und christliche Mystik, 1986); sowie Zen-Meditation für Christen (1969).
Wie bereits erwähnt gibt es in der christlichen Meditation einen persönlichen Gott, nicht nur ein \"es\". Erfährt man nun beim Meditieren die Begegnung mit Gott, so ist dies einerseits auf die Gnade Gottes, andererseits auf persönliche Leistung zurückzuführen.
Abschließend muß noch angeführt werden, daß keine Meditationsmethode - auch im Christlichen - überbetont werden sollte. Es sollte keine künstliche Atmosphäre geschaffen werden. Außerdem muß jeder Meditierende sich der Tatsache bewußt sein, daß der Alltag der beste Lehrmeister ist und auch bleibt.

 
 




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