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philosophie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Bildung im netz und die erotik des zweifels





Ist die Bildung erst einmal im Netz, so ist sie gefangen. In einer Zeit, in der sich alle Bildungseinrichtungen in einer tiefen Krise befinden, wundert es nicht, wenn wieder einmal, nach Mengenlehre und Gesamtunterricht, ein Universalrezept zur Lösung aller schulischen Probleme gesucht wird. Hochschulen haben sich bisher von dem Getöse um die Reform der Bildung wohltuend dadurch abgehoben, daß sie nie ernsthaft über Didaktik und auch nur wenig über Bildung diskutiert haben. Nach den kurzen Einsprengseln des Nachdenkens über den Muff unter den Talaren entwickelte sich eine explizite Hochschuldidaktik vor allem als ödes Refugium für gescheiterte Psychologen, die mit kaum zu überbietender Penetranz und Langeweile Hunderten von Hochschuldozenten (es waren sicher kaum mehr) immer wieder einzureden versuchten, daß auch ein Bildungsbuchhalter mit akribisch ausgearbeiteten Seminarplänen eine persönliche Aura und eine substanzielle Botschaft haben könne. Während Studenten längst von der Vorstellung Abstand genommen hatten, daß ein erfahrener und an den Zwistigkeiten des Lebens ergrauter aber gereifter Mensch seinen Weg in die Hochschule suchen könne, um den Dingen noch einmal auf den Grund zu gehen und seine Qualifikationen und mühsam gewonnenen Weisheiten im Rahmen der "neuen Freiheit" zur Diskussion zu stellen, konnten die neuen Öffentlichkeitsabteilungen der Hochschulen erfolgreich verbergen, daß das Gähnen in den überfüllten Lehrsälen auch ansteckend sein kann. Weit entfernt haben sich unsere Universitäten von den Postulaten der Wissenschaftlichkeit die Karl Jaspers dem Nachkriegsdeutschland in seinen berühmten Vorlesungen zur Erneuerung der Universität mit auf den Weg gab:
"Wissenschaftlichkeit, das heißt: Zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß; unwissenschaftlich ist das dogmatische Wissen. Wissenschaftlich sein, das heißt mit den Gründen zu wissen; unwissenschaftlich ist das Hinnehmen fertiger Meinungen. Wissenschaftlich ist das Wissen mit dem Bewußtsein von den jeweils bestimmten Grenzen des Wissens; unwissenschaftlich ist alles Totalwissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüßte. Wissenschaftlich ist grenzenlose Kritik und Selbstkritik, das vorantreibende Infragestellen; unwissenschaftlich ist die Besorgnis, der Zweifel könne lähmen. Wissenschaftlich ist der methodische Gang, der Schritt für Schritt auf dem Boden der Erfahrung zur Entscheidung bringt; unwissenschaftlich ist das Spiel vielfacher Meinungen und Möglichkeiten und das Raunen."
Wissenschaft hat sich längst von der Erotik des Zweifels verabschiedet, die Universität ist zur öffentlich kaum kontrollierbaren Versorgungseinrichtung serviler Bildungsbeamter verkommen. Besonders köstlich wird die aktuelle Debatte um die Erneuerung der Universität zumal dann, wenn die um parteipolitische Pfründe buhlenden Bildungspolitiker, als die extern Hauptverantwortlichen für die Verödung der Hochschule, nun mit eindimensionalen Vorschlägen zur Einführung von Studiengebühren, die "Rettung" der Universität propagieren.

 
 




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