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geschichte artikel (Interpretation und charakterisierung)

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Aufklärung im absolutismus



Das 17. und 18. Jahrhundert brachte auch einen Aufstieg des Bürgerstandes in England und Frankreich mit sich. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer wohlhabenden Schicht. Man hatte nicht nur große Fortschritte in der Wirtschaft, auch in der Naturwissenschaft und am geistigen Sektor wurde viel geleistet. Dazu kamen neue Erfindungen wie das Mikroskop und das Fernrohr.
Man begann auch die Natur, die Tiere und Pflanzen genau zu erforschen. Unter anderem machte schließlich die Wissenschaft vom Menschen große Fortschritte.
Vielen Tausenden Menschen retteten die Fortschritte in der Medizin das Leben. Ende der 18. Jahrhunderts entwickelte der englische Arzt Edward Jenner zum Beispiel die Blatternschutzimp¬fung. Aber den neuen Wissenschaften standen viele Menschen ablehnend gegenüber, besonders bekämpfte auch die katholische Kirche die neue Weltanschauung. Man löste sich von der Bibel und wollte die Erfahrungen der Natur und des Lebens durch Erfahrungen der Sinne (Empirismus) und durch kritisches Denken (Rationalismus) erfassen. So stellte man Experimente an, um die Welt nach und nach aufzuklären.

Im Jahre 1784, dem Höhepunkt der Aufklärung, schrieb der deutsche Philosoph Imanuel Kant einen Artikel in dem er die Bedeutung des Wortes "Aufklärung" definierte: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen." Kants Worte faßten die Grundüberzeugung der Gelehrten und Intellektuellen des 18. Jahrhunderts zusammen. Sie fordern den Menschen auf seine Umwelt mit den Methoden der Wissenschaft zu erkennen und selbständig zu denken.
Von Schottland bis Neapel reichte die Kette Intellektueller, die zu Anhängern der Philosophie von John Lockes und der Wissenschaft von Isaac Newton geworden sind. Sie waren gegen das organisierte Christentum, wandten sich öffentlich gegen grausame, gerichtliche Verfahren und glaubten an die persönliche Freiheit. Obwohl die Philosophen eine Art Gemeinschaft bildeten, ging von ihnen dennoch keine zusammenhängende Bewegung aus. Zwar kannten sie sich und korrespondierten miteinander, doch stimmten ihre Ansichten nicht immer überein. Was Sie verband war ihre kritische Haltung gegenüber jeder Orthodoxie. Wenn sie an Gott glaubten, dann stellten sie sich ihn als den Mechaniker des Universums vor. Die Philosophen hatten das Glück, daß Tausende Männer und Frauen, die gute Christen waren, einigen ihrer Ansichten zustimmten.
Wie sah nun Europa Ende des 17. Jahrhunderts aus? Frankreich befand sich in der langen Regierungszeit Ludwigs XIV, des Sonnenkönigs, mit seinen eindrucksvollen Palästen. Auf dem gesamten Kontinent ahmten ihn sowohl mächtige als auch unbedeutende Herrscher nach und gaben sich als gebildete Menschen und Wohltäter der Kultur aus.
Doch Ludwig XIV war nicht nur Vorbild, sondern auch eine Gefahr. Er stärkte die zentrale Regierung und unterdrückte Kritik. Er hob das hundertjährige Edikt von Nantes auf, das den Hugenotten Glaubensfreiheit gewährt hatte und vertrieb sie zu Tausenden aus Frankreich. England, das bald zu Frankreichs mächtigstem Feind werden sollte war aber noch sein unterwürfiger Vasall. Der katholische, englische König Jakob II unternahm den Versuch, England in den römischen Pferch zurückzubringen, indem er antikatholische Lehrer von den Universitäten vertrieb und Katholiken in die Regierung und ins Heer einsetzte. Die Engländer setzten ihn und seinen Sohn aber ab und setzten das protestantische Herrscherpaar Wilhelm III und Maria auf den Thron. In der neuen Atmosphäre blühten Wissenschaft und Philosophie in England auf und machten es zum Vorbild für die Intellektuellen des Kontinents.
Inzwischen lag ein großer Teil des Kontinents, das Heilige Römische Reich in tiefer Erstarrung. Es bestand aus mehr als 300 meist winzigen Staaten, die mehr oder minder selbständig von Landesfürsten, Geistlichen oder Bürgern regiert wurden. Zum Reich gehörten jedoch Teile von zwei großen Hausmächten: vom Reich der Habsburger unter Leopold I und vom brandenburgisch-preußischen Staat unter Friedrich Wilhelm, dem großen Kurfrürsten. Leopold regierte nicht nur Österreich und Böhmen, sondern hatte auch unlängst Ungarn von den Türken zurückerobert. Er und seine Nachfolger waren jedoch zu stark mit ihren Regierungsangelegenheiten beschäftigt, um sich mit den neuen Ideen aus dem Westen zu befassen.
Und Berlin war immer noch eine unbedeutende Stadt, obwohl Brandenburg-Preußen, das dem Ende der langen Regierungszeit Friedrich Wilhelms entgegenging, ganz offen den Weg der Bedrohung seiner Nachbarn einschlug. Erst als ein späterer Hohenzoller, Friedrich der Große im Jahre 1740 den Thron bestieg, sollte Preußen die Aufklärung gastfreundlich aufnehmen.

In England betrat Isaac Newton jedoch keine leere Bühne. Wie andere Revolutionen im Weltbild des Menschen wurzelte auch die wissenschaftliche Revolution tief in der Vergangenheit. Die ersten waren die griechischen Philosophen, die ihr Werk an die Römer weitergaben. Nicht einmal im Mittelalter, als man die Theologie der Philosophie vorzog, konnte der Wissenstrieb vollständig unterdrückt werden. Zum Wohl der Landwirtschaft, des Handels und der Schiffahrt untersuchten die Menschen die Eigenschaften der Grundstoffe der Natur. Schon im 13. Jahrhundert entwickelte Roger Bacon, ein Franziskanermönch einen umfangreichen Plan zur Durchführung der Forschung, der der wissenschaftlichen Methode "untersuche und experimentiere" entsprach. Doch die Masse der Entdeckungen mußte auf bessere Zeiten warten, die gegen Ende der Renaissance in Italien kamen. Wiederentdeckte Werke wie die des römischen Arztes Galen aus dem 2. Jahrhundert weckten das Interesse der Humanisten, die die Natur unvoreingenommener betrachteten. Jahrhunderte lang hatte man Dinge für wahr gehalten weil Aristoteles sie für wahr hielt. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wagten die Menschen immer häufiger zu denken. Die wohl revolutionärsten Werke dieser Zeit sind "De revolutionibus orbitum coelestium" von Nikolaus Kopernikus und "De humani corporis fabrica" von Vesal, die beide 1543 veröffentlicht wurden. Kopernikus ersetzte die stillstehende Erde durch die stillstehende Sonne und wurde so zum Vater der modernen Astronomie. Er hielt aber weiterhin an den kreisförmigen Bahnen der Planeten fest, da der Kreis die vollkommenste geometrische Figur war. Auf ähnliche Weise übertrafen Vesals vorzügliche Beschreibungen des menschlichen Körpers diejenigen aller früherer Anatomen an Genauigkeit. Dennoch war Vesal ein Bewunderer Galens, und als seine Beobachtungen mit denen seines Vorgängers nicht übereinstimmten, glaubte er anfangs daß er einen Fehler gemacht habe. Erst im 17. Jahrhundert befreite sich die Naturwissenschaft endlich von den Fesseln der Tradition. Der deutsche Astronom Johannes Kepler errechnete erstmals die Planetenbahnen als Ellipsen. Keplers mutigem Schritt nach vorne entsprachen die Resultate anderer Gelehrter: Galileis bemerkenswerter Theorie über das Verhalten sich bewegender Körper und William Harveys Entdeckung des Blutkreislaufs. Die Werke Galileis, Robert Boyls und Newtons waren keine Serie zufälliger Entdeckungen, sondern einzelne Schritte in einem sich steigernden Entwicklungsprozeß.
Die größten unter den wissenschaftliche Philosophen des 17. Jahrhunderts waren René Descartes, Galileo Galilei und Francis Bacon. Descartes war Franzose, ein hervorragender Mathematiker über die Natur des Menschen und des Universums. Er leistete bemerkenswerte Beiträge zur Optik, Physiologie und Psychologie und wird als Vater der modernen analytischen Geometrie betrachtet. Am bedeutendsten ist jedoch seine geistige Methode die als Cartesianismus bekannt ist. Descartes' Suche nach einer neuen Methode entsprach seinem Verlangen, die endlosen Dispute der Philosophen über jeden nur denkbaren strittigen Punkt zu einem Ende zu führen. Er behauptete, wer sich mit der Natur beschäftigt müsse sich von allen Vorurteilen freimachen. Nur so kommt man schrittweise von einer Idee zur anderen. Descartes verschmähte die empirische Untersuchung keineswegs, sein Schwerpunkt lag jedoch auf dem abstrakten Teil der Wissenschaft.
Galilei, sein italienischer Zeitgenosse hob die Beobachtung hervor. Er zog das Sehen der abstrakten Spekulation vor. Die Professoren der Naturwissenschaften lehrten zu dieser Zeit noch immer die aristotelischen Theorien über Materie und Bewegung, die damals schon 2000 Jahre alt waren. Galilei forderte sie auf durch sein Fernrohr zu blicken und mit eigenen Augen zu sehen, daß das Universum nicht durch Theorien zu verstehen sei, sondern durch Beobachtung der Materie selbst. Er fügte aber hinzu, das die Gesetze des Universums auch mathematisch ausgedrückt werden müssen. Er entdeckte unter anderem vier Jupitermonde und das Trägheitsgesetz. Galilei war Mathematiker, Experimentator, Instrumentenmacher und Polemiker.
Verglichen mit ihm erscheint Francis Bacon merkwürdig einseitig. Bacon war Moralist und Prophet. Er hoffte, die Menschen würden ihr neues Wissen dazu benutzen, um Macht über die Natur zu gewinnen und so ein glücklicheres, gesünderes und längeres Lebe zu führen. Während des 17. und 18. Jahrhunderts stellten sich die radikalen Intellektuellen stolz auf seine Seite. Denis Diderots berühmte Enzyklopädie, deren einzelne Bände zwischen 1751 und 1772 erschienen, machte Bacon praktisch zu ihrem Schutzpatron. In "The New Atlantis", seinem Entwurf einer utopischen Gesellschaft, beschreibt Bacon eine Akademie von Wissenschaftlern, die großzügig mit fähigen Köpfen und Betriebskapital ausgestattet ist. Einige solche gab es bereits, doch nach Atlantis schossen sie nur so aus dem Boden. Die wichtigste befand sich in England, die "Royal Society of London for the Improvement of Natural Knowledge". Jeder bekannte englische Naturphilosoph gehörte ihr an, dazu viele ausgezeichnete Wissenschafter und begabte Amateure wie der Tagebuchautor Samuel Pepys und der amerikanische Staatsmann Benjamin Franklin. Der bedeutendste auf dieser Liste ist aber Isaac Newton. Er wurde 1642 geboren und studierte in Cambridge. Danach kehrte Newton nach Lincolnshire heim. In der darauffolgenden Zeit befaßte er sich intensiv mit Naturwissenschaften. Besonders bedeutend waren seine Arbeiten am Gebiet der Schwerkraft.

Die Religion während der Aufklärung:
Trotz der wütenden Angriffe der Philosophen, z.B. von Voltaire, blieb das 18. Jahrhundert im Grunde ein religiöses Zeitalter. Aber man reiste auch weiter, entdeckte den Fortschritt anderer Kulturen und zog den Anspruch des Christentums, die einzig wahre Religion zu sein, in Zweifel. Doch von allen Gegebenheiten, die die Religion im 18. Jahrhundert an die Peripherie des Lebens drängten, war keine so gewaltig wie die zunehmende Verweltlichung der Religion selbst. Beeinflußt vom neuen Geist, begannen die Geistlichen die Geschichte ihrer Kirche und die ihrer Rivalen mit kritischer Unparteilichkeit zu untersuchen. Dazu gehörte auch John Tillotson, der den Latitudinarier angehörte und von 1691 bis 1694 Erzbischof von Canterbury war. Er verteidigte den Gebrauch der Vernunft beim Lesen der Heiligen Schrift und verurteilte den religiösen Fanatismus.
Sechs Jahre nachdem Jakob II vertrieben und die protestantische Erbfolge wiedereingeführt worden war, entwickelte der intellektuelle Wortführer John Locke die Gedanken der Latitudinarier weiter. Lockes "Reasonablenes of Christianity" war für eine weitgehende Toleranz gegenüber religiöser Minderheiten (ausgenommen Atheisten und Katholiken). Er lehrte die Bescheidenheit und stellte die Behauptung auf, daß die christliche Doktrin auf eine einzige Behauptung reduziert werden könne: daß Jesus Christus der Messias sei.
Es zeigte sich in fast allen Ländern Europas ein Verfall der Religiösität. Der strenge Katholizismus gab unter dem Druck des weltlichen Wohlstandes nach. Nur in einigen Gebieten, wie z.B. in Spanien, blieb die traditionelle Religiösität erhalten. In Frankreich, wo eine glänzende Gesellschaft sich in die Philosophie, das Drama und die Poesie verliebt hatte, war die Kirche reich, weltlich und politisch geworden. Natürlich hat weltlicher Pomp nichts mit Religionslosigkeit zu tun. Racine, der Anführer des weltlichen französischen Dramas im 17. Jahrhundert war tief religiös. Und Ludwig der XIV handelte trotz seiner Ruhmsucht und Kriegsliebe oft aus religiöser Überzeugung. Sein Kampf gegen die Hugenotten beruht einzig auf seiner christlichen Überzeugung gegen Ketzer.
Die kircheninternen Streitereien verunsicherten viele strenggläubige Christen. Viele hohe Geistliche lebten ein Leben in Luxus und widmeten sich sehr wenig ihrem geistlichen Amt. Auf diese Punkte stützten sich die Ungläubigen. Sie nährten sich ebenso von einer alten griechischen ethischen Philosophie, dem Epikureismus. Im 18. Jahrhundert wurde sie zur Religion einer kleinen, gebildeten Elite. Sie verehrten auch den römischen Dichter Lukrez. Es gab diejenigen, die die Lehre richtig verstanden: das höchste Gut sei die unerschütterliche Ruhe der Seele. Andere, die bekannter waren, betrachteten die Lehre als Freibrief für hemmungslose Genußsucht. Ein Zentrum des ausschweifenden Epikureismus war der englische Hof Karls II.
Im Laufe der Jahrhunderte hatten Kirchenmänner um die genaue Bedeutung gewisser Bibelstellen gerungen und sich über die Echtheit der zahlreichen Versionen der Heiligenleben gestritten. Im 17. Jahrhundert begannen fromme Gelehrte, darunter Jesuiten und Benediktiner, religiöse Dokumente und schließlich auch die Bibel selbst ernsthaften Prüfungen zu unterziehen. Dies war gedacht um den Glauben zu reinigen und ihn von falschen Zusätzen zu befreien. Eine stärkere Art der Kritik ging von Philosophen wie Hobbes und Baruch de Spionza aus, die als Atheisten betrachtet wurden. Sie waren sich z.B. darüber einig, daß Moses nicht der alleinige Verfasser der ersten fünf Bücher des Alten Testaments sein konnte, wie behauptet wurde, weil das letzte seinen Tod beschreibt.
Eine wichtige Bewegung dieser Zeit war der Deismus. Zwei so verschiedene französische Philosophen wie Voltaire und Jean Jacques Rousseau waren Deisten, dazu berühmte amerikanische Staatsmänner wie Thomas Jefferson und Benjamin Franklin. John Toland, ein kritischer Deist, behauptete in seinem 1696 erschienen Werk "Christianity Not Mysterious", Gott haben dem Menschen die Religion gegeben, die er verdient habe, eine vernünftige Religion, den der Mensch sei zur Vernunft fähig. Voltaire machte sich die Argumente anderer englischer Deisten zu eigen, verlieh ihnen jedoch eine Leichtigkeit des Tons und einen meisterhaften Witz. Er veröffentlichte nur relativ wenig deistische Propaganda, bis er alt, reich , berühmt und relativ sicher vor Verfolgung war. Dann, in seinen Siebzigern, als er in Ferney im Luxus lebte, schrieb er einen unerschöpflichen Strom deistischer Traktate. Darunter ist der "Dictionaire philosophique" am berühmtesten. Alle deistischen Argumente sind in diesem Werk zu finden: die einzigen wertvollen Elemente des Christentums seien diejenigen, die mit den Lehren der großen Philosophen übereinstimmen, alles andere sei Unsinn. Die Juden, das auserwählte Volk seien primitive Bauern ohne Kultur und Moral gewesen. Die Kirchenväter seien nur wenig besser, sie seien unwissende, abergläubische, machthungrige und streitsüchtige Männer.

Die deutsche Aufklärung:
Während England und Frankreich vorwärts drängten, blieb die deutsche Kultur bis weit über die Mitte des 18. Jahrhunderts der Frömmigkeit der Reformation verhaftet. Im 18. Jahrhundert mußte Deutschland zwei Jahrhunderte zurückblicken, um einen literarischen Neuerer zu entdecken: auf Martin Luther. Seine Übertragung der Bibel ins Deutsche hatte der deutschen Sprache neue Ausdruckskraft gegeben. Während die Dichter in Frankreich und England ihre Sprache weiterentwickelten, behalfen sich die Deutschen mit geborgtem Französisch und Latein und folgten den literarischen Gesetzen, die in Paris verfaßt wurden.
Diese kulturelle Unterwürfigkeit dauerte bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Ganz natürlich deutete sich die deutsche Aufklärung anfangs als Revolution gegen ausländische Vorbilder. Nach einer Abhängigkeit von mehr als einem Jahrhundert wollten die Aufklärer endlich frei sein. Sie konnten nur frei sein, wenn sie das, was ausländische Vorbilder lehrten, gründlich verarbeiteten. So war Gottfried Wilhelm Leibniz, den man als den Vater der deutschen Aufklärung betrachtet, ein glänzender Schüler der französischen Philosophen und britischen Wissenschaftern - obwohl er schließlich weitaus größere Bedeutung errang. Das Universalgenie Leibniz, ein scheinbar verspäteter Mann der Renaissance, war auf den Gebieten der Naturwissenschaft , Theologie, Metaphysik, Mathematik und Mechanik, in der Rechtswissenschaft, Geschichte, Diplomatie und Politik beschlagen. Leibniz legte seine Gedanken auf diesen Gebieten in vielen Formen nieder - in Essays, Manuskripten und zahllosen Briefen.
Da die deutsche Aufklärung trachtete, sich auf die christliche Vergangenheit zu berufen, gewann sie allmählich an Festigkeit. Aber sie verlor die Schärfe, die anderswo in Europa die Aufklärung so revolutionär machte. Die frühen deutschen Aufklärer waren keine Rebellen, sondern in jedem Sinne Akademiker: Christian Thomasius und Christian Wolff waren Universitätsprofessoren, die aufklärerische Gedanken lehrten. Thomasius versuchte, das deutsche Gedankengut auf eigene Füße zu stellen, indem er seine Vorlesungen in deutscher Sprache hielt. Gegen Mitte des 18. Jahrhunderts begannen Literaten deutsche Gedichte und Schauspiele zu veröffentlichen. Die meisten von ihnen sind heute in Vergessenheit geraten, aber Gotthold Ephraim Lessing ist in die Weltliteratur eingegangen. Er wurde 1729 als Sohn eines gebildeten sächsischen Pfarrers geboren. Vom orthodoxen Luthertum kam er zum rationalistischen Luthertum, dann zum Deismus und schließlich zu einer eigenen Philosophie. Lessing stand dem orthodoxen Christentum feindlich und dem religiösen Rationalismus kritisch gegenüber. Die Verachtung der Aufklärer für die geschichtliche Bedeutung der christlichen Historie ärgerte ihn. Er glaubte, daß man über die Religion weder lachen, noch ihr blindlings folgen dürfe. Obwohl Lessing auch in einigen Punkten anderer Meinung war als seine Mitaufklärer, gehörte er dennoch zu ihnen, denn er war vor allem Kritiker. Mit seinen beiden Meisterwerken "Minna von Barnhelm" und "Nathan der Weise" schuf Lessing das moderne deutsche Theater.
Einer der wichtigsten deutschen Aufklärer war Imanuel Kant. Er versuchte die verschiedenen Elemente französischen, englischen und deutschen Gedankengutes zu verschmelzen. Kant begann seine philosophischen Studien nach den von dem Aufklärer Christian Wolff zugrunde gelegten Richtlinien, die besagen, daß der Mensch die Gesetze der Natur durch rationales Fragen entdecken könne, und zwar durch Beobachtung von Ursache und Wirkung. Doch er verwarf Wolfs doktrinäre Bestimmtheit, als er die skeptischen Schriften von David Humes kennenlernte. Ähnlich wurde er von Rousseau beeinflußt. Aus der gewonnenen Erkenntnis schuf Kant seine drei großen Werke, die "Kritik der reinen Vernunft", die "Kritik der praktischen Vernunft" und die "Kritik der Urteilskraft".

Das Gedankengut der Aufklärung hatte auch Auswirkungen auf die nachfolgenden Epochen. Im 18. Jahrhundert gingen die Diskussionen der Philosophen in Revolten und Kriege über. Überall forderte das Volk das Recht an der Politik teilzunehmen, zu wählen und zur Meinungsfreiheit. Die Aufklärer bereiteten den Boden für die Bürgerliche Revolution in England, für den Unabhängigkeitskampf der Vereinigten Staaten von Amerika und für die französische Revolution.

 
 

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