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musik artikel (Interpretation und charakterisierung)

Rhythm

Jazz

Musikartikel über jazz


1. Konzert
2. Jazz

Der Jazz ist eine gegen Ende des 19. Jh. von den Nachfahren der durch Sklavenhandel in die Süd-staaten der USA verschleppten Afrikaner entwikelte Musik. Die Etymologie des seit etwa 1917 gebräuch-lichen Wortes ist ungeklärt; im allgemeinen wird es auf das Slangwort >jazzy< (erregend, bunt) zurück-geführt. Gegenwärtig wird der Begriff von den afroamerikanischen Musikern als Symbol der Rassendis-kriminierung weitgehend abgelehnt und durch Black music ersetzt. Nach seiner Funktion im Musikleben sowie der ethn. Zugehörigkeit seiner wesentlichen Innovatoren wäre der Jazz als die afroamerikanische Kunstmusik des 20. Jh. zu definieren. Eine Abgrenzung erfolgt damit einerseits gegenüber den aus der abendländischen Kultur hervorgegangen Musikgattungen und andererseits gegenüber den Bereichen der marktorientierten afroamerikanischen Populärmusik (Soul, Rock usw.). Unabhängig von stilistischen Umbrüchen und der Verschiedenartigkeit von Personalstilen wird der Jazz durch Gestaltungsprinzipien charakterisiert, die - zumindest bis zum Entstehen des Free Jazz in den 60er Jahren - als Konstanten ange-sehen werden können.
Besetzung: Jazz wird entweder in kleinen Ensembles (Combos) oder Orchestern (Bands) gespielt. In-nerhalb eines Ensembles unterscheidet man die Rhythmusgruppe (Schlagzeug, Kontrabaß, Gitarre, Kla-vier) und die Melodiegruppe (in der Regel Blasinstrumente). Beide Bezeichnungen sind unscharf inso-fern, als die Rhythmusgruppe nicht nur den Rhythmus, sondern auch die harmonische Basis garantiert und die Melodiegruppe wesentlich an der rhythmischen Differenzierung des musikalischen Gesamtge-schehens teilhat.
Improvisation: Der Jazz ist prinzipiell eine improvisierte Musik; Kompositionen geben in der Regel nur den Rahmen für Improvisationen ab. Improvisiert wird auf der Grundlage harmonisch-metrischen Sche-mata, die durch das der Improvisation vorangestellte Thema definiert sind. Themen und Formgerüste fol-gen meist der 32taktigen Liedform A-A-B-A und deren Varianten oder dem 12taktigen Bluesschema. Der - aus abendländischer Sicht - formale Primitivismus ist die eigentliche Voraussetzung für die Improvisa-tion im Ensemble. Diese erstreckt sich bis zur Kollektivimprovistaion mehrerer Spieler, mit komplexen motivierenden Verknüpfungen und Wechselwirkungen zwischen den Stimmen. Psychologisch gesehen stellt sich die Improvistation im Jazz als eine Kombination von spontaner Erfindung und Reproduktion gelernter Formeln dar.
Rhythmus: Von allen musikalischen Elementen des Jazz weist sein Rhythmus am eindeutigsten auf des-sen afrikanische Wurzeln zurück. Bezeichnend sind vor allem die Spannung zwischen dem Fundamental-rhythmus (Beat) und den gegen ihn gerichteten melodisch-rhythmischen Akzenten (Off-Beat) sowie der Überlagerung verschiedener Rhythmen (Polyrhythmik). Die psychophysisch erlebte rhythmische Kon-fliktbildung des Jazz, gemeinhin durch den Begriff Swing bezeichnet, gilt als das wesentliche Kriterium für den Jazz-Charakter eines Interpreten oder einer Gruppe.
Intonation und Tonbildung: Im Gegensatz zur abendländischen Kunstmusik ist der Jazz nicht an ein durch die gleichschwebende Temperatur bestimmtes Tonsystem gebunden; sowohl die aus der afroameri-kanischen Volksmusik überkommenen Blue notes als auch zahlreiche Formen der Tonverschleifung ge-hören zu den bewußt eingesetzten Gestaltungsmitteln. Charakteristisch ist eine an die afrikanische Musik anknüpfende Vokalisierung des Instrumentalklanges (Hot, Growl). Insgesamt folgt die Tonbildung im Jazz keinem verbindlichen Klangideal, sondern trägt als individuelles Merkmal zum persönlichen Stil ei-nes jeden Musikers bei.
Geschichte: Der Jazz verdankt seine Entstehung einem Akkulturationsprozeß, in dessen Verlauf sich ei-ne Synthese von Elementen der afroamerikanischen Volksmusik (Blues, Worksong, Spiritual) mit sol-chen der euroamerikanischen Marsch-, Tanz- und Volksmusik vollzog. Der nach der Sklavenbefreiung (1865) einsetzende Zustrom von Afroamerikanern in die Städte des nordamerikanischen Südens brachte sie zunehmend in Kontakt mit der europäischen Musik und deren Instrumentarium. Anknüpfend an die Tradition der Marschkapellen (Brass bands) verschmolzen schwarze Musiker gegen Ende des 19. Jh. die verschiedenartigen Einflüsse zum ersten vollausgebildeten Stil des Jazz, nach dem Ort seines Entstehens New-Orleans-Jazz genannt. Charakteristisch sind Kollektivimprovisationen der melodietragenden Instru-mente (Trompete, Klarinette, Posaune) mit bestimmten Funktionszuweisungen für jedes Instrument. Als Imitation des >schwarzen< New-Orleans-Jazz durch weiße Musiker entstand um die Jahrhundertwende der Dixieland-Jazz. Er übernahm die äußeren Merkmale seines Vorbildes, stand diesem jedoch an Aus-drucksstärke und rhythmischer Energie nach. Mit dem Dixieland-Jazz begann ein Prozeß, der sich in der Geschichte des Jazz beständig wiederholte: Farbige Musiker kreierten einen Stil, wieße Musiker imitier-ten und glätteten ihn entsprechend dem Geschmack eines breiten Publikums. Zu Anfang der 1920er Jahre begann unter dem Einfluß einer wachsenden Industrialisierung und einer liberaleren Rassenpolitik in den nördlichen Staaten der USA ein anhaltender Zuzug von Afroamerikanern in die Städte des Nordens, vor allem nach Chicago. Dieser Umstand sowie die Schließung des Vergnügungsviertels Storyville in New Orleans veranlaßten zahlreiche Musiker, sich in Chicago niederzulassen, das binnen kurzer Zeit zum neu-en Zentrum des Jazz wurde. Erst hier entstanden die wichtigsten Schallplattenaufnahmen des New-Or-leans-Jazz unter Mitwirkung von Musikern wie KING OLIVER, LOUIS ARMSTRONG und JELLY ROLL MORTON. Als >weiße< Variante des >schwarzen< New-Orleans-Jazz entwickelte sich der Chica-go-Stil, das Bindeglied zwischen den >klass< Jazz-Stilen und dem Swing. Dieser entstand zu Anfang der 30er Jahre und war vor allem eine Angelegenheit der großen Orchester. Während der Swingepoche voll-zog sich die >zweite Akkulturation< des Jazz in der Weise, daß auch bei schwarzen Musikern und Grup-pen die afroamerikanischen Elemente des Jazz weiter in den Hintergrund gedrängt und abendländischen Klangvorstellungen dominierend wurden. An die Stelle von improvisatorischer Freiheit, die nur noch we-nigen Starsolisten vorbehalten blieb, trat dabei die straffe Disziplin des orchestralen Satzspiels.
Zu Anfang der 40er Jahre führte die wachsende Stereotypie des Swingstils zu einer Rückbesinnung auf die älteren Bereiche des Jazz, die in die New-Orleans-Renaissance bzw. das Dixieland Revival mündete. Ursprünglich von einigen Jazz-Publizisten und -Forschern initiiert, fand der Revival-Jazz vor allem beim weißen Publikum Anklang, während sich das schwarze zunehmend der afroamerikanischen Populärmusik zuwandte (Rhythm and Blues, Jump usw.). Ebenfalls als Reaktion auf den weitgehend kommerzialisier-
ten Swingstil ist die Enstehung des Bebop zu werten, der von farbigen Musikern zu Beginn der 40er Jahre in New York entwickelt wurde und durch eine hektisch-nervöse Rhythmik und Melodik gekennzeichnet ist. Mit dem Bebop vollzog sich im Selbstverständnis des Jazz-Musikers erstmals eine eindeutige Abkehr von der Rolle des Unterhalters und eine Hinwendung zu der des autonomen Künstlers.
Im Lauf der 50er Jahre kam bildeten sich in der Nachfolge des Bebop zwei divergierende Stilbereiche heraus: Cool Jazz und Hardbop (übergreifende Bezeichnung für diese drei Stilbereiche ist Modern Jazz). Der Cool Jazz, vorwiegend von weißen Musikern praktiziert, knüpfte an die harmonischen Errungen-schaften des Bebop an, glättete aber dessen Rhythmik und Tonbildung zu einer verhaltenen Kühle des Ausdrucks und paßte sich in seinen Konstruktionsprinzipien teilweise der europäischen Kunstmusik an. Der Hardbop hingegen betonte als Gegenpol des Cool Jazz die afroamerikanischen Wurzeln des Jazz, in-dem er auf ältere Formen des Blues und der Gospelmusik zurückgriff und diese in den Stil des Bebop ein-zuschmelzen versuchte.
Ende der 50er Jahre kam es zum entscheidenden Bruch in der Geschichte des Jazz, zum Free Jazz, auch New thing gennant: Es wurden fast alle herkömmliche Gestaltungsprinzipien des Jazz in Frage gestellt. Schon früh begannen sich im Free Jazz drei auseinanderstrebende Entwicklungen abzuzeichnen: 1) der >mainstream< des Free Jazz, der stark bluesbetont ist und den traditionellen Formen des Jazz am nächs-ten steht, 2) ein an die europäische Avantgarde anknüpfender Stil und 3) ein an außereuropäische Musik-formen ausgerichteter Stil.
Während europäische Musiker sich bis in die 60er Jahre im allgemeinen auf eine Nachahmung der amerikanischen Entwicklungen konzentrierten, setzte mit dem Free Jazz erstmals eine Emanzipation des europäischen Jazz von seinen amerikanischen Vorbildern ein. Einer - von den Musikern so gennanten - >KaputtspielphaseSchulen< (die >Wupperta-lerHolländer< usw.), die häufig Gestaltungsmittel der sie umgebenden Musiklandschaft assimi-lierten.
Die 70er Jahre waren geprägt durch den Rock-Jazz (auch Electric Jazz oder Fusion music gennant), eine Synthese von Elementen des Jazz mit solchen des Rock, die von der Schallplattenindustrie mit er-heblichem Werbeaufwand propagiert wurde und zu großer Popularität gelangte. - Ende der 70er Jahre setzte, ausgehend von den USA, eine Wiederbelebung des Jazz der 50er Jahre ein, das Bebop-Revival. Die 80er Jahre sind gekennzeichnet durch einen weitgehenden stilistischen Pluralismus.

 
 

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