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musik artikel (Interpretation und charakterisierung)

Martin luther als komponist


1. Konzert
2. Jazz



»Ich möchte, daß wir möglichst viele Lieder hätten, die das Volk während der Messe singen könnte, zum Graduale, zum Sanctus, zum Agnus Dei. Aber es fehlen uns die Dichter oder sind noch nicht bekannt, die uns fromme und geistliche Lieder (wie Paulus sie nennt) sängen, die dann geeignet wären, in der Versammlung Gottes immer wieder gebraucht zu werden.« Martin Luther (1523)

- Zur Zeit dieses Aufrufs an die deutschen Dichter, Glaubenslieder zu verfassen, dachte Luther offensichtlich noch nicht daran, daß gerade er dazu berufen sein könnte, hier mit gutem Beispiele voranzugehen.
- Die Reformation war bereits zur Tatsache geworden - am 31. Oktober 1517 erschienen die 95 gegen das Ablaßunwesen gerichtete Thesen, und 1522 hatte er von der Wartburg aus seinen »lieben Deutschen« das Neue Testament übersetzt - als Luther zu komponieren begann.
- Schon früh hatte er sich mit Musik beschäftigt, der er zeitlebens »den nächsten locum« neben der Theologie gab.
- Während der Schulzeit erhielt er grundlegenden praktischen und theoretischen Musikunterricht, den er in seiner Erfurter Studienzeit fortsetzte.
- Dort kam er nicht nur mit der Musikauffassung von Johannes de Muris, Jean Charlier de Gerson und Johannes Tinctoris in Kontakt, sondern erlernte darüber hinaus die Regeln des Kontrapunktes und hörte Vorlesungen über Aristoteles\\\' Musiklehre.
- Nach seinem Eintritt in das Erfurter Kloster der Augustinereremiten setzte sich der unermüdlich Lernende während seines Theologiestudiums mit dem musikalischen Denken von Augustin, Thomas von Aquin, Guilelmus Durandus dem Älteren und Gabriel Biel auseinander.
- Daher stammt auch Luthers tief im christlich-antiken Gedankengut des Mittelalters verwurzelte Musikanschauung, die vom quadrivialen Zusammenhang der Musik mit der Geometrie, Astronomie und Arithmetik ausgeht und in engem Bezug zu seiner reformatorischen Theologie steht: »Ich urteile offen und schäme mich nicht, zu behaupten, daß es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichgestellt werden kann [.] Deshalb ist es geschehen, daß die Propheten keine Kunst so benutzt haben wie die Musik, denn sie haben ihre Theologie nicht in Geometrie, nicht in Arithmetik, nicht in Astronomie, sondern in Musik gefaßt, so daß sie Theologie und Musik überaus eng verbunden haben und so die Wahrheit in Psalmen und Gesängen ausdrückten.«
- Musik diente Luther zur intensiven Verkündigung des Evangeliums und zur freudigen Bekenntnis des Glaubens.
- Deswegen sollten aus seiner Sicht Musik und Sprache eine Einheit bilden, wobei »alle Noten auf den Text nach dem rechten Accent und Concent gerichtet würden«.
- Aus Gründen des besseren Textverständnisses gab er der Syllabik den Vorrang vor melismatischen Gesängen, was formal zur Bevorzugung des volkssprachigen gereimten Strophenliedes für den Gottesdienst führte.
- Den Anstoß zu seiner ersten eigenen Komposition erhielt Luther durch eine persönliche Erschütterung: am 1. Juli 1523 wurden auf dem Marktplatz von Brüssel zwei junge Ordensbrüder aus dem Antwerpener Augustiner-Kloster als Ketzer verbrannt, weil sie sich öffentlich zur reformatorischen Lehre bekannt hatten.
- In Form eines Flugblattes verteilte Luther als Reaktion »Ein Lied von den zwei Märtyrern Christi, zu Brüssel von den Sophisten von Löwen verbrannt, geschehen im Jahr 1523«.
- Diese mehrstrophige Ballade in Form des später so bezeichneten historischen Volksliedes beginnt mit den Worten:

»Ein neues Lied wir heben an
das walt Gott, unser Herre,

zu singen, was Gott hat getan
zu seinem Lob und Ehre.«
- Bis Ende 1524 entstanden 23 weitere Lieder, die in verschiedenen Gesangbüchern erschienen.
- Auch Luthers Forderung nach anderen Dichterkomponisten blieb nicht unerhört: viele schlossen sich ihm an, so daß allmählich eine den Wünschen des Reformators entsprechende Liedersammlung zusammenkam.
- Luther selbst schrieb in größeren Zeitabständen von 1526 bis 1543 eine Reihe weiterer Lieder, unter anderem das berühmte >Ein feste Burg ist unser Gott<, das deutsche Sanctus und >Vom Himmel hoch, da komm ich her<.
- Zur Zeit der Entstehung seiner letzten Choräle >Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort<, >Vom Himmel kam der Engel Schar< und >Der du bist drei in Einigkeit< hatte sich die Anzahl der Liederkomponisten so stark vermehrt, daß Luther seine eigene Produktivität einstellte: »Nu haben sich etliche beweiset und die lieder gemehrdt, also das sie mich weit ubertreffen und ynn dem wol meine meister sind.«
- Etwa drei Viertel der Lieder des Reformators gehen in ihrer Melodie auf alte Quellen wie Psalmen, lateinische Gesänge und deutsche Lieder des Mittelalters zurück.
- Nur sechs sind Eigenkreationen Luthers: >Ein neues Lied wir heben an<, >Nun freut euch, lieben Christen gemein<, >Vom Himmel hoch, da komm ich her<, >Vom Himmel kam der Engel Schar<, >Erhalt uns, Herr, bei deinem Wort<, >Christ, unser Herr, zum Jordan kam< und >Jesus Christus, unser Heiland, der den Tod überwand<.
- Darüber hinaus geht man auch davon aus, daß der vierstimmig-polyphone Liedsatz >Non moriar, sed vitam<, der einiges satztechnisches Können verrät, vom Reformator selbst ausgesetzt wurde.
- Die von Luther verfaßten, »geistlichen Lieder« oder »deutschen Lieder« erhielten erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts ihre spezifische Bezeichnung »Choral«.
- Seine Eigenschaft ist es, nicht nur eine religiöse Botschaft zu vermitteln, sondern er wurde zum Symbol des Protestantismus schlechthin.
- Dem Beispiel des Reformators folgten andere Komponisten, und so entstanden im 16. und 17. Jahrhundert etwa 10 000 Kirchenlieder.
- Luthers Werke dienten jedoch nicht nur als Ausgangspunkt für weitere Choralkompositionen, sondern auch als Impuls für Bearbeitungen zu Kantaten, Passionen, Vokal- und Instrumentalwerken aller Art.
- Allen voran ist sicher Johann Sebastian Bach zu nennen, der praktisch alle Lieder des Reformators in verschiedenen Formen und häufig mehrfach bearbeitete.
- Doch auch berühmten Komponisten späterer Jahrhunderte bedienten sich Luthers Schaffens als Vorlage: beispielsweise liegt sein wohl berühmtester Choral >Ein feste Burg ist unser Gott< als Hauptthema dem letzten Satz der >Reformationssinfonie< von Felix Mendelssohn Bartholdy zugrunde (komponiert 1829-30), bildet aber auch das Leitmotiv in Giaccomo Meyerbeers Oper >Die Hugenotten< (1836) und findet als Zitat Eingang in Claude Debussys Suite für zwei Klaviere >En blanc et noir<, hier im Zusammenhang mit dem Entstehungsdatum während des ersten Weltkrieges als Symbol für den Feind Deutschland.
- Luthers 36 Gemeindelieder stellen zwar nur einen kleinen Bruchteil seines Gesamtschaffens dar, sind aber heute der am weitesten verbreitete und bekannteste Teil, da sie noch immer im Gottesdienst gesungen werden.
- Dennoch geben sie bis zum heutigen Tage ein lebendiges Bild von dem kreativen Schaffen ihres Meisters, der die Musik so sehr liebte.

 
 




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