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geschichte artikel (Interpretation und charakterisierung)

Elisabeth-





Elisabeth (\"Sisi\") kam am Weihnachtsabend des Jahres 1837 als Tochter von Herzog Max in Bayern und der bayrischen Königstochter Ludovika (Schwester von Erzherzogin Sophie) zur Welt.
Mit ihren sieben Geschwistern wuchs sie frei und fern von allen Konventionen und Zwängen im Schloss Possenhofen in Bayern auf.

Zum ersten Kontakt der jungen Wittelsbacherprinzessin mit der kaiserlichen Familie kam es bei einem Besuch in der Sommerresidenz des Kaiserhauses in Bad Ischl.
Erzherzogin Sophie hatte bestimmt, dass ihr Sohn Franz Joseph seine Cousine Helene, eine Schwester von Sisi, heiraten sollte.
Aber das erste Mal folgte der junge Kaiser nicht den Anordnungen seiner Mutter. Er verliebte sich in Elisabeth und bestand auf einer Vermählung, die am 24.4.1854 auch stattfand. Vom Tag ihrer Ankunft in Wien an fühlte sich das natürliche Mädchen durch den Wiener Hof und seine strenge Etikette, aber vor allem durch seine Schwiegermutter und Tante Sophie in ihrer Unbeschwertheit und persönlichen Freiheit eingeengt. Sophie setzte alles daran, um aus dem \"Bauernmädel\" eine würdige Kaiserin und Landesmutter zu machen und nahm dabei keinerlei Rücksicht auf Sisis Gefühle.
Der Kaiser war hin- und hergerissen zwischen der Ergebenheit seiner Mutter gegenüber und der Liebe zu seiner Frau und konnte oder wollte nicht Stellung beziehen. Zum Bruch zwischen Sisi und Wien kam es erst 1860, als Liebesaffären Franz Josephs bekanntwurden. Sisi fühlte sich nun nach Sophie auch von ihrem Mann verraten. Zudem litt sie an einer seltsamen Krankheit, die von den Hofärzten vorsichtig als \"Lungenschwindsucht\" bezeichnet wurde, während die Symptome in ihrer Gesamtheit eine Geschlechtskrankheit vermuten lassen. Von Franz Joseph zutiefst verletzt, flüchtete Sisi aus Wien und begann, rastlos zu reisen. Madeira, Venedig und Korfu wurden in den nächsten zwei Jahren ihre bevorzugten Aufenthaltsorte. Doch auch später kehrte sie nur noch selten nach Wien zurück. Aus der verunsicherten jungen Kaiserin wurde eine selbstbewußte, reife Frau. Das Reisen wurde ihr Lebensinhalt: \"Wenn ich irgendwo angekommen wäre und wüßte, daß ich mich nie mehr davon entfernen könnte, würde mir der Aufenthalt selbst in einem Paradies zur Hölle,\" vertraute sie Jahre nach der ersten Flucht ihrem Griechischlehrer an.
Die Ungarn waren immer ein Dorn im Fleisch des österreichischen Vielvölkerstaates. Vergebens hatten sie 1848 um ihre Freiheit gekämpft. Sisi liebte Ungarn, teilweise aus Protest gegen Sophie, die alles Ungarische verabscheute, aber auch, weil sie sich zu Sprache und Menschen dieses Landes hingezogen fühlte. Das Jahr 1866 stürzte Österreich in eine schwere Krise, die das Habsburgerreich von vielen Seiten zu zerbrechen drohte. Doch Sisis Einsatz für einen österreichisch- ungarischen Ausgleich auf der Grundlage besonderer Rechte und Freiheiten für Ungarn unterstützte die Entspannung zwischen Wien und Budapest. Das Habsburgerreich wurde in zwei gleichberechtigte Teile geteilt.

Es entstand eine Doppelmonarchie mit Wien und Budapest als gleichberechtigten Hauptstädten. 1867 wurde Franz Joseph zum König von Ungarn gekrönt - Sisis größter politischer Triumph. 10 Monate später kam Sisis jüngstes Tochter, Marie Valerie, zur Welt. Liebevoll das \"ungarische Kind\" genannt, wurde sie in der von Sisi so geliebten ungarischen Sprache erzogen und stand ihrer Mutter immer näher als die von Sophie aufgezogenen Kinder. Trotz ihres Einsatzes für Ungarn war Sisi im tiefsten Innern kein politischer Mensch. Stattdessen setzte Sisi auf die Macht ihrer Schönheit, für die sie weltweit bewundert und angebetet wurde. Bei einer Größe von 172 cm wog sie nur 50 kg, und ihre ohnehin schmale Hüfte schnürte sie auf 65 cm. Ihr ganzer Stolz war ihr fersenlanges Haar, dessen Pflege jeden Tag Stunden dauerte. Sie selber nannte sich \"Sklavin meiner Haare\". Um diese Schönheit zu erhalten, hielt Sisi strenge Diät und trieb exzessiv Sport - sie ritt, turnte und wanderte. Ihre Schönheit verschaffte ihr Ruhm, aber in späteren Jahren folgten daraus auch körperliche Schwäche und Hungerödeme.

Reiten war für Sisi nicht nur eine Sportart zur körperlichen Ertüchtigung und zur Erhaltung ihrer Figur, es war auch eine Möglichkeit der Selbstdarstellung. Sisi trainierte ehrgeizig viele Stunden am Tag, um nicht nur die schönste Monarchin der Welt, sondern auch die beste Reiterin zu sein und ihre einzige aristokratische Rivalin auf dem Pferderücken, Kaiserin Eugénie von Frankreich, zu übertreffen. Die von vielen beneidete Kaiserin von Österreich konnte den Schicksalsschlägen nicht entgehen, die ihr Leben begleiteten. 1857 starb ihre erste Tochter Sophie im Alter von nur zwei Jahren. Zehn Jahre später wurde ihr Schwager, Kaiser Maximilian I. von Mexiko, von antimonarchischen Aufständischen im eigenen Land erschossen. Seine Frau Charlotte verfiel in Wahnsinn, verbrachte die letzten fünfzig Jahre ihres Lebens in geistiger Umnachtung auf Schloß Miramare, in unbewohnten fürstlichen Häusern und in Nervenkliniken. Einer von Sisis nächsten Freunden, König Ludwig II. von Bayern, wurde 1886 ebenfalls für geisteskrank erklärt und gefangengesetzt. Wenig später ertrank er unter bis heute ungeklärten Umständen im Starnberger See. Als Sisis Sohn Rudolf 1889 in Mayerling mit seiner Geliebten Mary Vetsera Selbstmord beging, konnte sich Sisi nie mehr von diesem Schlag erholen. Zunehmend vereinsamt erlebte sie den Tod ihrer Schwester Sophie, die 1897 beim Brand auf einem Wohltätigkeitsbasar in Paris starb. Im Laufe der Jahre kamen zu den zahlreichen Todesfällen in Sisis Familie eigene Selbstmordgedanken hinzu, durchgespielt in Gedichten, ohne in die Tat umgesetzt zu werden. Als der Anarchist Luigi Lucheni der Kaiserin von Österreich am 10. September 1898 in Genf eine geschliffene Feile ins Herz stieß, traf er eine vom Leben enttäuschte Frau. Das Schicksal hatte Sisi zuletzt doch noch gefunden.
Die 60jährige Monarchin wurde an der Uferpromenade des Genfersees das zufällige Opfer des Anarchisten, der kurz nach der Tat, auf die er sehr stolz war, verhaftet wurde. Lucheni wurde am 10.November zu lebenslanger Haft verurteilt und erhängte sich 1910 in seiner Zelle.

Obwohl die Kaiserin inkognito unter dem Pseudonym \"Gräfin von Hohenembs\" an den Genfer See gereist war, meldete eine Zeitung, dass sie im Hotel \"Beau Rivage\" abgestiegen sei. Diese Meldung entschied über ihr Leben, da Lucheni eine \"große Tat\" vorhatte. Sein ursprüngliches Opfer war der Prinz von Orléans, der aber nicht wie geplant nach Genf gekommen war. So trat Elisabeth an seine Stelle, einzig aus dem Grund, weil sie Aristokratin und so prominent war, dass seine Tat ungeheures Aufsehen erregen würde.
Lucheni wollte gefasst werden, er wollte auch sein Todesurteil, nicht aus Reue, sondern als Zeichen für den Anarchismus.
Er wusste nicht, dass er Elisabeth mit seinem Attentat einen Wunsch erfüllt hatte: Weit weg von ihren Lieben, schnell und schmerzlos den Tod zu finden. Gräfin Irma Sztâray, die Hofdame der Kaiserin, schilderte dem Untersuchungsrichter kurz nach dem Attentat das Ereignis:
\"...Beim Hotel de la Paix, wo drüben auf der anderen Straßenseite Kutscher mit ihren Wagen stehen, kam ein Mann auf uns zu. Unmittelbar vor uns schien er plötzlich zu straucheln. Er machte eine Bewegung mit der Hand. Ich glaubte, um sich beim Stolpern aufrecht zu halten. Mehr habe ich in der Sekunde nicht wahrgenommen. Ich wäre bereit gewesen zu schwören, daß er nichts in der Hand hatte. Gar nichts. Die Kaiserin sank zur Erde. Völlig lautlos. Da erst kam mir der Gedanke, daß dieses Scheusal Ihre Majestät geschlagen haben mußte. Das war gewiß schlimm. Aber Schlimmeres konnte ich auch noch nicht ahnen....
´Es ist mir nichts geschehen´, antwortete die Kaiserin ruhig....
Wir erreichten die Anlegestelle. Auf der Gangway, die zum Dampfer hinüberführte, ging die Kaiserin noch leichten Schrittes vor mir her. Kaum hatte sie jedoch das Schiff betreten, sagte sie mit erstickender Stimme ´Jetzt ihren Arm! Schnell, bitte!´ Ich konnte sie nicht halten, ihren Kopf an meine Brust pressend, sank ich mit ihr in die Knie. ´Einen Arzt, einen Arzt!´ schrie ich. Die Kaiserin lag totenbleich in meinen Armen...
Sie öffnete die Augen und lag einige Minuten mit umherirrendem Blick da. Dann setzte sie sich langsam mit meiner Hilfe auf. ´Was ist denn mit mir geschehen?´ fragte sie. Das waren ihre letzten Worte! Unmittelbar danach sank sie wieder in Bewußtlosigkeit.
Ich öffnete ihr Bluse und das Seidenmieder, um ihr Erleichterung zu verschaffen. Als ich die Bänder auseinanderriß, sah ich auf dem Batisthemd darunter einen dunklen Fleck in der Größe eines Silberguldens. Ich schob das Hemd beiseite und entdeckte in der Herzgegend eine kleine Wunde. Ein Tropfen gestocktes Blut klebte an ihr. In diesem Augenblick stand die lähmende Wahrheit vor mir. Die Kaiserin war erdolcht worden.\"

 
 



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