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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Die grundlagen nietzsches philosophie


1. Drama
2. Liebe

Einleitung: Nietzsches Philosophie steht unter dem Eindruck des Fortschrittsglaubens und des optimistischen Atheismus von Feuerbach. Zwar wendet sich Nietzsche auch gegen die Theologen - und das mit aller Schärfe und Härte -, doch gleichzeitig greift er auch die allzu selbstsicheren Atheisten an, die keine Leidenschaft empfinden. Für Nietzsche lebten im Atheismus weiterhin christliche Ideen fort, vorallem das absurde Vertrauen zum Gang der Dinge und zum Leben. Die Menschheit ist keine Entwicklung zum Besseren, Stärkeren, Höheren.
Der Fortschritt ist eine moderne, also falsche Idee. Nietzsches Glaube an die Kultur ist zerbrochen.
Er nimmt Schopenhauer zum Ausgangspunkt, der in dieser Zeit zu einer Art Ersatzreligion für Atheisten wurde, für diejenigen, denen der Fortschrittsglaube zu optimistisch und das Christentum zu unglaubwürdig war. Schopenhauers Pessimismus und Rückzug auf Naturprinzipien (die mit Darwin noch mehr an Aktualität gewannen!) traf Jahrzehnte nach dem Erscheinen den Zeitgeist, vorallem jedoch schaffte er Nietzsches Ausgangspunkt.


Grundzüge der Philosophie Friedrich Nietzsches:
ü Der Nihilismus (Leben und Welt sind ohne Sinn) ist ein geschichtliches Ereignis und fällt mit dem Untergang des Christentum zusammen. Er erfaßt alle Lebensbereiche, denn er bewirkt die Entwertung der obersten, metaphysisch sanktionierten moralischen Werte. In seiner Folge wird ein Übermensch notwendig, der seine Wertmaßstäbe nicht mehr aus Schwachem, Krankem, Mitleiderregendem, Lebensveneinendem bezieht (körperlich gesund und geistig stark). Für Nietzsche, dem großen Skeptiker gegenüber der Fortschrittsidee, ist der Nihilismus die zu Ende gedachte Logik unserer Ideen und Werte.


ü Gott ist tot. Die Verkündigung des Todes ist ein Akt der Befreiung und des Ethos. Gott ist vom Menschen erschaffen worden, um der Welt Sinn und Ethos zu geben. Die Folgen des Todes Gottes sind noch unabsehbar, sie bedeuten den großen Zusammenbruch. Nur der Übermensch ist ihnen gewachsen.

ü Nach dem Verlust der übermenschlichen Autoritäten ( = Gott), sucht der Atheist nach Ersatzautoritäten: Gewissen, Vernunft, sozialer Instinkt, Geschichte, Utilitarismus. Die Wissenschaft mit ihrer Wertfreiheit arbeitet dem Nihilismus entgegen, der aber nicht aufzuhalten ist. Die Folge des Nihilismus ist die Umwertung aller Werte und die Vernatürlichung der Moral (Rückzug auf Naturprinzip). Das Leben ist Wille zur Macht. Das Dionysische ist das metaphysische Grundprinzip.


ü Die Seele ist eine Erfindung. Sie entstand aus verdrängten Trieben, verinnerlichten Instinkten, äußerlichen Hemmungen und Selbstzähmung.

ü Die Welt ist ein sinnloses Chaos. Alle Interpretationen (auch die der Wissenschaft) sind Wertschätzungen unserer Triebe und Interessen. Das Verstehen ist immer ein Verstehen aus der Perspektive der Triebe. Moralische Wertvorstellungen wie Wahrheit sind Machtinstrumente. Sinngebung ist Schwäche und Unehrlichkeit. Ideale sind ganz Produkt menschlicher Erfindung. Es gibt keine Wahrheit, kein wahr, kein falsch, kein gut, kein böse.

ü Demokratie ist Sklaverei. Sie bewirkt eine Vermittelmäßigung der Massen, die Monotonie der Arbeit, die Menschheit als Maschinerie.

ü Der Übermensch ist ein Gleichnis für den vereinzelt auftretenden "Besieger Gottes und des Nichts\", hat eine unvorstellbare Persönlichkeit. Er setzt sich an die Stelle Gottes, jenseits von gut und böse, ist rücksichtslos gegenüber Schwachen und Kranken (=> Ellbogengesellschaft, Macht des Stärkeren). Der Übermensch ist der Sinn der Erde, nur er kann den Tod Gottes verkraften. Er ist aristokratisch, lebensbejahend, kriegerisch, gesund und leidenschaftlich.


Einen besonders großen Platz in der Philosophie Nietzsches nahm die Kritik an der Religion ein , die in den folgenden Zeilen behandelt wird.
Die Menschen haben Gott erschaffen. Die Religion ist ein Furcht- und Schreckgefühl und gleichzeitig ein Höhen- und Glücksgefühl. Gott ist die Projektion allen Neins, das der Mensch zu sich selbst, zur Natur, Natürlichkeit, Tatsächlichkeit seines Wesens sagt. Die Entstehung des Gottesglaubens widerlegt ihn.
Das Christentum ist eine reine Fiktionswelt, doch sie spiegelt die Wirklichkeit nicht wider, sondern verfälscht, entwertet, verneint. Der christliche Gott ist ein Verbrechen am Leben, ein Despot, der schwache, häßliche und rückgratlose Kreaturen will, die sich freiwillig der Nächstenliebe unterwerfen, geboren aus dem Ressentiment der Zu-kurz - Gekommenen.
Jesus war ursprünglich ein Fanatiker, Todfeind der Priester und Theologen, mit einem Instinkthaß gegen jede Realität, gegen jede Formel, jeden Raum-Zeit-Begriff. "Der größte Symbolist aller Zeiten\" hebt alle Gegensätze auf und nur bedingungslose Seligkeit wird verheißen. Wahre Christen zeigen keinen Widerstand gegen das Böse, keine Verteidigung ihrer Rechte, passives Hinnehmen. Diese Lebenspraxis - nicht Lehre, nicht Glauben - macht einen Christen aus.

Nietzsche begründet seinen Atheismus eigentlich nicht, sondern setzt ihn als gegeben voraus. Sein Leben lang jedoch verbleibt in Nietzsche ein Zweifeln, ein Sehnen. Entgegen den anderen Religionskritikern sieht er im Atheismus keine Alternative. Vielmehr kommt mit ihm der Nihilismus herauf, der komplette Wertverlust, die vollständige Desorientierung. "Gott ist tot\" ist zugleich der Befreiungsschrei einer Tatsache, über die sich seine Zeitgenossen hinweggemogelt haben, und eine erschütternde Gewißheit, die Grundlage allen Lebens verloren zu haben.
Er nimmt die christliche Kirche seiner Zeit zum Ausgangspunkt und kritisiert sie als lebensfeindlich, unterdrückend, duckmäuserisch, das Abbild dessen, was ihm in seiner Kindheit vermittelt wurde. Seine Alternative, der "Übermensch\", wird zu einer Art Ersatzreligion, der das genaue Gegenteil dieses "Christen\" verkörpert, auch eine Gegenfigur zu ihm selbst, der von Krankheit geplagt war.


Bezüge zwischen Leben und Werk:
ü philologische Ausbildung; historisch-kritische Methode als Loslösung vom \"Kinderglauben\"; etabliert den prinzipiellen und methodischen Zweifel.

ü Erziehung durch frömmelnde Frauen. Die Religion erschien ihm dadurch von vorneherein als schwächlich und dekadent. Er assoziierte deshalb Glauben mit dem stereotyp Weiblichen und der Übermensch verkörperte das stereotyp Männliche.

ü keine Auseinandersetzung über religiöse Fragen zu Hause; führte zu einer isolierten Welt des Zweifels und zur Entfremdung; Isolation wurde zum Grundprinzip à Übermensch ist Einzelgänger.

ü Schopenhauer: Welt als Wille à Drang zum Leben als Prinzip; Nietzsche wurde zu oft verletzt, als daß er Schopenhauers Mitleid annehmen hätte können.

ü wiederkehrende Enttäuschung und Abgelehntwerden à Rückzug; Wunschbild des Übermenschen. Vernichtungskrieg nach dem Zarathustra als psychologische Reaktion auf die Ablehnung des Heiratsantrages an Lou A-Salomé.

ü Übermensch als Notlösung gegen den Selbstmord, der als Notwendigkeit aus dem Nihilismus erwachsen müßte.

 
 

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