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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Das leben von ingeborg drewitz


1. Drama
2. Liebe

Ingeborg Drewitz, geborene Neubert, wird am 10. Januar 1923 in Berlin geboren. Sie lebt dort in einer Großfamilie, die über vier Generationen reicht. Ihr Vater gehört zu den Gegnern des Nationalsozialismus. Er ist über mehrere Jahre hinweg arbeitslos, hat jedoch eine Tätigkeit als Armenpfleger. Im März 1933 tritt er in die NSDAP ein weil er hofft, dadurch wieder Arbeit zu erhalten. 1936 gehört Ingeborg zu den Berliner Schülerinnen, die anläßlich der Olympischen Spiele an Bodenturnübungen teilnehmen. Im Oktober 1936 meldet sie sich heimlich beim Bund Deutscher Mädel an, zieht sich jedoch 1938 nach antijüdischen Pogromen wieder zurück. Schon als fünfzehnjähriges Mädchen ist sie entschlossen, ihr Leben mit dem Schreiben zu verbringen. Während der Schulzeit verfaßt sie kleinere Stücke, die sie auch beim Theater einreicht.
1941 macht Ingeborg Neubert das Abitur. Kurz darauf wird sie für ein halbes Jahr zum Arbeitsdienst in der Landwirtschaft einberufen. Im Frühjahr 1942 beginnt sie Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie zu studieren; während der Semesterferien wird sie zur Arbeit in einem Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet.
Im April 1945 schließt sie ihr Studium mit der Promotion ab.
1946 heiratet Ingeborg Neubert ihren Jugendfreund Bernhard Drewitz, der aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist.

Ingeborg Drewitz gehörte zu jener Generation, die den Krieg miterlebte. Ende der vierziger Jahre arbeitete sie mit in einer Theatergruppe, für die sie Dramen schrieb, die sich mit der Nazizeit auseinandersetzten. "Alle Tore waren bewacht", 1951 geschrieben und 1955 uraufgeführt, war das erste von deutscher Seite produzierte Stück, das sich mit dem Leiden der Konzentrationslager und der deutschen Schuld auseinandersetzt, und für das der Zweiundzwanzigjährigen die Jochen-Klepper-Gedächtnisplakette verliehen wurde. Da die kleinen Theater in den 50er Jahren nicht fortbestehen konnten, und Dramen fast nichts einbrachten, wendete sich Drewitz den (damals gut bezahlten) Hörspielen zu. Somit brachte sie 1955 den ersten Erzählungsband und 1958 den ersten Roman ("Der Anstoß") heraus.
Die frühen Werke sind geprägt von der Betroffenheit ihrer Jugendjahre im NS-Staat und thematisieren die politische Misere, das Versagen und die Mitschuld.
Diese Erfahrungen, zusammen mit der Aufbruchsstimmung und den Hoffnungen der ersten Nachkriegsjahre, motivierten die durchgängige politische und soziale Aktivität der Autorin, die sie, stärker als ihre literarischen Arbeiten, in der Öffentlichkeit bekannt gemacht hat. Hinzu kommt, dass sie in Berlin die aktuellen Probleme und Spannungen hautnah und besonders zugespitzt erfahren konnte.

In den fünfziger und sechziger Jahren ist Ingeborg Drewitz durch ihr Privatleben gebunden: sie hat drei Töchter; ihr Mann ist engagierter Gewerkschaftler, der als Betriebsratsvorsitzender in der Bank, in der er angestellt ist, arbeitet und viel unterwegs ist. Dennoch schreibt sie weiter und zieht sich in diesen Jahren nicht in ihr Familienleben zurück. Sie beginnt in Schriftstellerverbänden zu arbeiten. 1965 ist sie Vorsitzende des Schriftstellerverbandes Berlin. 1967 gibt ein provozierender Beitrag von ihr für die Zeitschrift DIE ZEIT - "Alte Männer schreiben Heimatdichtung" - den Anstoß für eine Generalkritik an den bestehenden Schriftstellerverbänden. Sie will, dass die Schriftsteller sich der Verantwortung für die Gesellschaft stellen und veranlaßt die Gründung des "Verbandes deutscher Schriftsteller" (VS) 1969, dessen Bundesvorstand sie bis zum Jahre 1980 angehört.

Abgesehen von ihren Initiativen und Funktionen im Verband deutscher Schriftsteller, im PEN-Club und anderen Organisationen, protestierte sie in Offenen Briefen und Resolutionen gegen Ungerechtigkeiten aller Art, engagierte sich für demokratische Grundrechte, für Randgruppen, für Häftlinge, nahm teil an einem Hungerstreik, führte Briefwechsel mit Gefangenen und trat im Interesse der Chancengleichheit für eine Rechtschreibreform ein.
Die Zielsetzung ihrer Arbeit ist bei aller unterschiedlichen konkreten Ausrichtung immer solidarisch - gewerkschaftlich orientiert: sie setzt sich für unterdrückte Literatur wie für gefährdete Autoren ein. Ingeborg Drewitz bemüht sich intensiv um die Arbeitsverhältnisse von Autoren. Sie stellt die erste Sozialstatistik deutscher Autoren zusammen. Sie trägt dazu bei, dass zum ersten Mal eine Alten- und Krankenversorgung für freischaffende Künstler gesichert und eine Sozialkasse eingerichtet wird.
1967/68 beginnt Ingeborg Drewitz, sich intensiv in politische Auseinandersetzungen einzumischen. Sie ist von der Studentenbewegung in Berlin fasziniert und reagiert empört auf die Reaktionen der Massenpresse wie der Staatsgewalt. Nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg zeigt sie den Verleger Axel Springer wegen "Anstiftung zur Körperverletzung" an. Politisch tätig ist sie auch als Mitglied im deutschen Beirat des Dritten Russell-Tribunals "zur Situation der Menschenrechte in der Bundesrepublik".
Zu Beginn der achtziger Jahre ist sie in der Friedensbewegung aktiv. Ingeborg Drewitz ist immer politisch wie sozial engagiert, immer auf der Seite der underdogs und ohne sich um ein ausgewogenes, an Realpolitik orientiertes Urteil zu kümmern. Für sie gibt es keine Trennung zwischen gesellschaftlichem, politischem oder literarischen Engagement.

 
 

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