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biologie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Albinismus





3.1. MOTIVATION DES BEGRIFFS "ALBINISMUS"

(Albinismus: lat. albus = weiß)
Albinismus ist der Überbegriff für eine Gruppe angeborener Stoffwechselerkrankungen, die mit einer Verminderung von Farbstoff (Pigment, Melanin) entweder in Haut, Haaren und Augen oder nur in den Augen einher geht. Prinzipiell unterscheidet man Formen mit generalisierter Beteiligung (OCA: okulokutaner Albinismus, hier sind Haut, Haare und Augen betroffen) und nur okulärer Beteiligung (OA: okulärer Albinismus, nur Augen betroffen). Bei den generalisierten, okulokutanen Formen sind die Betroffenen oft hellhäutig und weiß- oder hellhaarig.
Der Begriff "Albino\" (aus dem Spanischen, \"der Weißliche\") wurde von portugiesischen Afrikafahrern im 18. Jahrhundert geprägt. Sie sahen bei ihrer Ankunft in Afrika dunkel- und hellhäutige Eingeborene und nannten die einen \"negros\" (negro - schwarz) und die anderen negros albinos (weißliche Schwarze). Der Begriff \"Albino\" sollte jedoch bei betroffenen Menschen nicht verwendet werden, da ein Mensch durch seine Person und nicht durch seine zufällig vorhandene Erkrankung charakterisiert wird. Wir bevorzugen daher \"Personen mit Albinismus\".
Albinismus ist keine auf die Menschen beschränkte Stoffwechselstörung, prinzipiell können unterschiedliche Formen von Albinismus im Tierreich bei allen Spezies vorkommen. Albinismus übt seit Jahrhunderten eine Faszination aus, so findet sich bereits im 19. Jahrhundert eine Darstellung einer australischen Familie mit Albinismus.
Alle Formen des Albinismus sind aufgrund des Farbstoffmangels vergesellschaftet mit Veränderungen des Auges und der Sehbahn. In der Regel findet sich (siehe Teil Augenveränderungen) eine deutliche angeborene Sehbehinderung (Seheinschränkung, die durch Brillengläser nicht normalisiert werden kann), ein unwillkürliches Augenzittern und eine starke Blendungsempfindlichkeit. Nur sehr selten ist Albinismus mit anderen Erkrankungen verbunden, in der Regel sind die Betroffenen bis auf die Sehbehinderung und die Lichtempfindlichkeit der Augen und der Haut gesund.
Der Albinismus ist eine genetisch bedingte Störung. Er wird autosomat und rezessiv vererbt, d.h. die Krankheit kann nur dann auftreten, wenn das entsprechende Gen reinerbig vorliegt. Albinos haben also keine Farbpigmente aufgrund von Veränderungen in den Chromosomen. Schon geringste Abweichungen im Bau dieser Erbträger führen zu dauerhaften Veränderungen im Erscheinungsbild. Wissenschaftler haben herausgefunden, daß zum Beispiel radioaktive Strahlung, Röntgenstrahlung und viele Chemikalien Auslöser für solche Mutationen sein können. Man spricht hierbei von sog. mutagenen Substanzen. Die direkte Ursache für Albinismus sind Fehler im Erbgut des Menschen. Im weiteren Sinne sind die Ursachen vielseitig, da Erbfehler auch durch Umwelteinflüsse entstehen.
NOAH, die Nationale Selbsthilfeorganisation für Patienten mit Albinismus, ist ein Zusammenschluß von Patienten und Familien mit Albinismus (siehe Teil NOAH). Hier besteht die Möglichkeit, zu anderen Betroffenen Kontakt aufzubauen und sich auszutauschen. Zudem stellt NOAH Informationsmaterialien über Albinismus zur Verfügung.


3.2 AUGENBEFUNDE BEI ALBINISMUS
Das fehlende oder zu wenig angelegte Pigment hat eine Vielzahl von Veränderungen am Auge zur Folge, die sich auf die Sehfunktion auswirken.

Sehbehinderung bei Albinismus
Prinzipiell sind alle Strukturen im Auge regelrecht angelegt, es fehlt aber das Pigment (Farbstoff) in den einzelnen Zellen. Dies wirkt sich an 3 Stellen besonders aus:
1. Iris (Regenbogenhaut) mit erhöhter Blendungsempfindlichkeit aufgrund der fehlenden Pigmente und
2. Netzhautmitte (Macula, Stelle des schärfsten Sehens). Die Stelle des schärfsten Sehens kann sich durch das fehlende Pigment nicht entwickeln. Durch die fehlende Stelle des schärfsten Sehens kommt es zu einem Nystagmus (Augenzittern), das Auge \"sucht\" sich die möglichst optimalen Netzhautstellen um den Bereich der fehlenden Macula herum.
3. Sehnerv Die Sehnerven beider Augen haben bei Albinismus einen veränderten Verlauf durch das Gehirn. Dies ist der Grund dafür, daß sich häufig ein Schielen und ein fehlendes räumliches Sehvermögen findet.
Bei Albinismus handelt es sich um eine Sehbehinderung, die mit einer Verminderung der zentralen Sehschärfe einhergeht. Anders als bei anderen Sehbehinderungen ist das Gesichtsfeld (das Sehen nach den Seiten hin) und das Farbensehen normal. Auch das Formen- und Bewegungssehen ist regelrecht.
Im Folgenden findet sich nach einer Tabelle mit Überblick über die Augenveränderungen eine Auflistung der Veränderungen der unterschiedlichen Augenanteile bei Albinismus mit entsprechenden Abbildungen.


MORPHOLOGISCHE VERÄNDERUNGEN BEFUNDE FUNKTIONELLE
FOLGEN

VORDERER
AUGEN-ABSCHNITT Fehlendes / reduziertes Pigment in den Melanosomen des iridalen Pigmentblatts Durchleuchtbarkeit der Iris (Abb. 1-3)
vorzeitige Kataraktbildung Blendungsempfindlichkeit, Visusreduktion , reduzierte Kontrastempfindlichkeit
AUGEN-
HINTERGRUND Fehlendes / reduziertes Pigment in den Melanosomen des retinalen Pigmentepithels Heller Augenhintergrund, Maculadysplasie (siehe Abb. 4-6) Kongenitale Sehbehinderung mit sensorisches Augenzittern, Blendungsempfindlichkeit
Formanomalien der Papillen Helle, kleine, evtl. hypoplastische und dysplastische Papillen Assoziation mit hohem Astigmatismus
SEHNERV Sehnervenverlauf: atypische chiasmale Kreuzung Pathologisches Halbfeld-VEP Störungen der Binokularität, häufig Strabismus (Schielen)
GEHIIRN Verzögerte Myelinisierung Erhöhte Inzidenz einer verzögerten visuellen Reifung (Delayed Visual Maturation, DVM Typ III) Bei DVM fehlende Fixationsaufnahme in den ersten Lebensmonaten, später keine Visusunterschiede
BAU DES AUGES Refraktionsanomalien Hohe Hyperopie > hohe Myopie, Astigmatismus Höhe des Astigmatismus korreliert mit Nystagmusintensität, Hyperopie und Myopie dagegen nicht


Iris (Regenbogenhaut)
Die Hypopigmentation führt zu einer Durchleuchtbarkeit der Iris durch das fehlende Pigment. Die Irisfarbe kann abhängig vom Typ des Albinismus variieren von blau, blaugrau bis zu braun. Durch die Durchleuchtbarkeit der Iris kommt es (neben dem fehlenden Blendungsschutz durch das retinale Pigmentepithel) zu einer deutlichen Blendungsempfindlichkeit (Photophobie). Abbildung 1 zeigt die Iris bei OCA1 im Auflicht,

Abb.1 Abb.2 Abb.3

die gesamte Iris ist durchscheinend, dies wird bei durchfallendem Licht (Abb. 2) besonders deutlich. Es gibt aber auch viele mildere Ausprägungen, bei denen die Iris nur wenig durchleuchtbar ist (Abb. 3), die Blendungsempfindlichkeit ist dann auch geringer.

Netzhaut und Stelle des schärfsten Sehens (Netzhautmitte)
Die zu geringe Pigmentierung der Netzhaut führt zu einem deutlich hellen Aspekt des Augenhintergrundes. Durch das fehlende Pigment kann sich in den ersten Lebensjahren die Stelle des schärfsten Sehens (Fovea, Macula, siehe auch Tel \"Gelber Fleck\") nicht adäquat entwickeln. Dies führt zu der bekannten Sehbehinderung, wobei das Ausmaß der Sehminderung nicht immer mit dem Typ des Albinismus korreliert.

Abb.4 Abb.5 Abb.6

Abbildung 4 zeigt eine normale Netzhautmitte, der dunkle Punkt in der Bildmitte ist die Macula. Der helle Fleck ist der Sehnerv mit den Gefäßen. Abb. 5 und 6 zeigen den Augenhintergrund bei Albinismus, viel heller, eine stelle des schärfsten Sehens ist nicht abzugrenzen.

Sehnerv, Sehnervenkopf und Verlauf des Sehnerven
Der Sehnervenkopf zeigt bei Albinismus nicht selten deutliche Auffälligkeiten. Zudem findet sich bei Albinismus immer ein veränderter Verlauf der Sehnerven im Gehirn. Üblicherweise kreuzen 30% der Fasern jedes Optikus zur Gegenseite, bei Albinismus kreuzen etwa 70% der Fasern. Es wird vermutet, daß diese atypische Kreuzung neben der Sehbehinderung zur hohen Häufigkeit von Schielen bei Albinismus beiträgt.

Schielen (Strabismus)
Etwa 75% der Patienten mit Albinismus zeigen einen Strabismus, Strabismus ist somit noch häufiger als sonst üblicherweise bei angeborener Sehbehinderung.


Nystagmus (Augenzittern)
Wie bei allen angeborenen Sehbehinderungen kommt es auch bei Albinismus in der Regel zu einem horizontalen Pendel- bis Rucknystagmus. Der Nystagmus erscheint üblicherweise zwischen dem 2. und 3. Lebensmonat, wird häufig in den ersten 4 Lebensjahren etwas beruhigt und erreicht dann seine endgültigen Werte. Manchmal nehmen Patienten eine Kopfzwangshaltung ein, um so in einer Neutralregion den Nystagmus zu beruhigen.

Brechungsfehler (Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit)
Bei Albinismus sind in der Regel hohe Brechungsfehler assoziiert, etwa zwei Drittel der Patienten zeigen einen eine Weitsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung, ein Drittel ist kurzsichtig.

Verzögerte visuelle Reifung (Verzögerte Sehreifung in den ersten Lebensmonaten)
Ein häufiger Befund bei Albinismus ist eine verzögerte visuelle Reifung, die durch eine fehlende Fixationsaufnahme in den ersten Lebensmonaten charakterisiert ist. Die Babys reagieren und agieren als ob sie blind wären. Die Fixationsaufnahme beginnt in der Regel zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat, die später erreichte Sehschärfe wird nicht dadurch beeinflußt, ob eine verzögerte visuelle Reifung vorlag oder nicht. Es wird vermutet, daß die verzögerte visuelle Reifung hervorgerufen wird durch das fehlende Pigment und die damit verbundene verzögerte Ausbildung neuraler Bahnen im Gehirn.

 
 




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