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musik artikel (Interpretation und charakterisierung)

Nadjeschda von meck


1. Konzert
2. Jazz

»Mein Gott! Was für wunderbare gütige Seelen doch auf Erden leben! Begegnet man auf dem dornigen Pfade des Lebens solchen Menschen wie Ihnen so erkennt man daß die Menschheit nicht so herzlos und selbstsüchtig ist wie die Schwarzseher es darzustellen pflegen. Es gibt auch wundervolle Ausnahmen. Diese erscheinen dann im wahrsten Sinne als voll der Wunder. Wenn auf eine Million Men¬schen ein Einziger kommt, der so ist wie Sie, so ge¬nügt auch das schon, um an der Menschheit nicht zu verzweifeln... «
(Brief Tschaikowskys an Nadjeschda, Sommer 1877).

Als Tschaikowsky sie zum ersten mal schrieb, war sie 45. Damals fühlte eine Frau dieses Alters sich rettungslos alt. Es begann der »Lebensabend«. Ein Bild Nadjeschdas, das wir besitzen, zeigt eine immer noch interessante Frau. Langes schwarzes Haar, dunkle Au¬gen. Ein Ausdruck zwischen Strenge und Schüchternheit. Der Blick ein wenig träumerisch, aber so, als wolle er das Träumen nicht eingestehen. Überraschend wirkt die Natür¬lichkeit des Bildes aus einer Zeit, in der man sich nur in feierlichen Posen zu porträtieren oder fotografieren pflegte. Nadjeschdas Brief, den wir wiedergaben, enthüllt seltsame Seiten ihres Wesens. Wüßten wir nicht, um wen es sich han¬delt, so müßten wir an ein junges Mädchen denken, unsicher und voll von Komplexen, die man zu Tschaikowskys Zeiten noch nicht erfunden hatte. Welche Angst davor, lächerlich zu erscheinen! Welche Bescheidenheit gegenüber einem noch recht unbekannten Komponisten! Welche Furcht, eine eigene Meinung auszusprechen!
Die einzige Erklärung dafür liegt darin, daß Nadjeschda die¬sen Brief in einer heftigen Gemütsbewegung schrieb. Ohne Gefahr zu laufen, uns zu irren müssen wir diese Gemütsbewegung als beginnende Liehe bezeichnen. Es war, wie aus der späteren Geschichte klar werden wird, ihre erste richtige Liehe. Und deren Symptome sind die gleichen, oh sie hei einer Achtzehn- oder einer Fünf und vierzig] ährigen auf¬treten...
Wir haben uns vorgenommen, in diesem Buch getreulich Geschichte zu schreiben, nicht Roman, so sehr das Thema auch dazu verlockt. Für jede unserer Behauptungen wollen wir stets die eigenen Worte der Beteiligten heranziehen. Hat ein Frau geliebt, die folgende Worte schreiben kann: »Die Ehe ist eine zwar notwendige aber scheußliche Einrichtung. Schade, daß man Menschen nicht künstlich züchten kann wie Fische etwa! Dann brauchten sie sich nicht zu verheiraten und das wäre ein großer Trost... «? Der Mann, dem sie das anvertraut, ist völlig einverstanden. Aber Tschaikowskys Porträt wollen wir erst später zeichnen. Vervollständigen wir das Nadjeschdas. Sie war aristokratischer Herkunft, sowohl väterlicher - wie mütterlicherseits. Mit 17 Jahren heiratete sie den baltischen Edel mann deutscher Abstammung Karl Georg Otto von Meck. Es begann ein Zeit harten Kampfes. Denn Meck war zwar ein brillanter Ingenieur, aber ein lebensuntüchtiger Mensch. Mit geradezu prophetischem Blick sah er die Aera der Eisen¬bahn voraus; seine Phantasie zeigte ihm Rußland durchzogen von endlosen Schienensträngen. Aber erst seine Frau mußte ihm klarmachen, daß er selbst zur Verwirklichung dieses Ge¬dankens berufen war. Nadjeschda ließ ihn auf seinen kleinen Posten verzichten, um sich größeren Aufgaben widmen zu können. Das bedeutete Ungewißheit, oftmals sogar Not. Frau Nadjeschda übernahm das Kommando. Mit einem täglichen Budget von 20 Kopeken führte sie das mehr als bescheidene Haus; sie regte die Arbeiten ihres Mannes an und ließ ihn seine Pläne zum Bau von Eisenbahnlinien wichtigen Leuten vor¬legen. Sie selbst verhandelte, brachte Finanzkonsortien zustande, überwand Schwierigkeiten, überwachte die ersten Ar¬beiten, als es endlich so weit war. In wenigen Jahren befan¬den sich die Hälfte der Eisenbahnen des weiten Rußland in Händen Mecks. Als der Gatte starb, war Nadjeschda die ein¬zige Besitzerin eines ungeheuren Vermögens. Sie konnte sich mit Recht als Siegerin fühlen. Sie hatte das Leben gemeistert. Aus einer gänzlich unbedeutenden Position war sie, quer durch die Armut, zu einer der reichsten und mächtigsten Frauen Europas aufgestiegen. Auch als Gattin hatte sie ihre Pflicht erfüllt: jedes Jahr gebar sie ein Kind. Die ersten in der elenden Behausung der frühen Jahre, deren einziger Überfluß in Projekten bestand, die letzten in einem der luxuriösesten Paläste im besten Viertel von Moskau. Nadjeschda liebte ihre Kinder. In den Jahren nach dem Tode Mecks war sie ihnen allerdings eine Spur ferner gerückt. Kindermädchen und Erzieherinnen bevölkerten den Palast, und die Mutter ergab sich immer mehr ihrer bis dahin ein¬zigen wahren Leidenschaft, der Musik. Das gesellschaftliche Leben stieß sie ab. Nun war es nicht mehr aus Schüchternheit, wie damals als sie ein kleines Mädchen war. Nun hatte sie die Menschen verachten ge¬lernt, da sie sie von nahe kannte. Sie zog sich immer mehr in sich selbst zurück. Die ganze nicht geliebte Liebe, die nicht gelebte Zärtlichkeit, die unterdrückte Leidenschaft, die un¬erfüllten Träume, den ersehnten Rausch, alles das verlegte sie in die Musik.
Die Musikstunden im Halbdunkel des großen Saales wurden ihr wahres Leben. Sie war eine gute Pianistin, sie hatte aus¬gezeichnete Musiker in ihren Diensten. Nachmittage, Abende verflogen unter den Klängen von Musik. Musik wurde ihr Alles, das Reich eines Glücks, in das selbst ihre Millionen sie nicht führen konnten, die ihr sonst alles öffneten. »Ich liebe Musik leidenschaftlich. Beim Musikhören kann ich an nichts denken; es ist ein körperliches Wohlbefinden.
Sie hüllt mich nicht in Träume ein, sondern verschafft mir ein rein sinnliches Glück, so wundervoll, daß ich das Er¬wachen stets schmerzlich empfinde... Musik berauscht mich wie ein Glas Sherry und dies empfinde ich als den erhaben¬sten, beglückendsten Zustand. Dieses Entströmen ins Unbe¬kannte ist so rätselhaft, unerklärlich und zugleich so herrlich, so beseligend, daß man in diesem Zustand sterben möchte... « Nadjeschdas Leben heißt Musik. Ihr Tag ist eine einzige Er¬wartung der Musikstunden, ihre Reisen Wege zu neuen Kon¬zertsälen oder Opernhäusern. Ein großer Teil ihrer Korre¬spondenz bezieht sich auf Musik, verbindet sie mit Musikern, Verlegern im In- und Ausland. Ihre einzigen Gäste sind Musiker und Musikliebhaber. Sie interessieren sie nur als Träger, als Mitgenießer, als Priester der Musik. Und nun ersteht, zu Ende des Jahres 1876, aus dem bläulichen Rauch des täglichen musikalischen Opfers im Hause der Witwe von Meck, am Roshdestwenskidamm in Moskau, das Bild eines Mannes. Nadjeschda, die nach ihren eigenen Wor¬ten mit 17 Jahren, bei ihrer Eheschließung, aufgehört hat, zu träumen, verfällt in den tiefsten Traum ihres Lebens. Sie erhebt die Arme zum neuen Gott, der wie ein Wunder durch die Pforte ihres Hauses eingetreten ist. Und der neue Gott, - mit seinem irdischen Namen Peter Iljitsch Tschaikowsky genannt - bleibt, wie jeder echte Gott, fern, unsichtbar und nur in seinen Werken erkennbar...

 
 

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