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musik artikel (Interpretation und charakterisierung)

Reggae

Böhse onkelz


1. Konzert
2. Jazz



Das wichtigste von den Onkelz Die Geschichte der Band Ob es ein kalter oder ein nicht so kalter Wintertag war, ist soweit nicht mehr bekannt. Scheißegal, denn dieser Tag wurde von etwas anderem gekrönt: Es war die offizielle Geburtsstunde der \"Böhsen Onkelz\". Man kann heute dieses Datum so leicht nachvollziehen, weil Freibeuter Kevin Russel (übrigens ein Meister der Degenkunst, oh nein - es ist die Hochseeangel) nein, weil Kevin vor vielen Jahren behauptete, er könne sich das Datum nur deshalb so gut merken, da seine Schwester an diesem Tag Geburtstag hat. Nun, so soll es denn sein. Das damalige Equipment der drei Punkrocker bestand aus einer \"Winner\" Gitarre - einem schwarzen Gibson-Les Paul Nachbau, die jedoch auf hinterhältigste Weise gleich nach dem ersten Auftritt gestohlen wurde. Stephan ließ dies auf unaufmerksame Weise geschehen.

     Ich bin heute noch schlecht darauf zu sprechen, denn es war meine! Ich hatte sie in einem kleinen Musikladen in Aschaffenburg für hartes Lehrgeld erstanden und sehr geliebt. Zwar nur für 270,00 kaiserliche Slotti, doch für meine damaligen Verhältnisse fast ein ganzer Monatslohn. Kevin kaufte sich eine gebrauchte Bass-Gitarre: Ein weißer SG Nachbau für 150,00 Mark, auch für ihn damals harte Währung. Irgendwie bekam es Stephan auf die Reihe, das Schlagzeug zu besorgen. Er arbeitete damals als Reifenmonteur, wenn auch nur kurz, doch sollte es reichen, um den Kreis der Instrumentierung zu schließen. \"Rimmel\", so hieß die Marke der Rührtöpfe, die wir drei hastig auspackten und versuchten zu einer Einheit zusammenzustellen.

     1200,00 Mark hat\'s gekostet. Es war Silber-Standard Ausführung: Bass-Drum 22\"+12\"-14\"-16\", Toms, 1Hihat, 1Crash Becken vom Meinl. und 1 14\" Rimmel Snare. Der Durchmesser der Kessel war nicht mal genormt. Es haben nur die eigenen Rimmel Felle gepaßt, die natürlich überhaupt nicht zu besorgen waren, oder man mußte die neuen Felle regelrecht draufquetschen. Aber das war eigentlich gar nicht so schlimm, denn man wechselte nur, wenn die Felle Löcher aufwiesen und man sie überhaupt nicht mehr bespielen konnte.

     Ich besaß noch einen alten Echolette Röhrenverstärker, den ich vom großen Bruder eines alten Klassenkameraden erworben hatte. Das Blökkabinett für die Winner eben. Über diesen alten Hasenkasten briet man dann alles gleichzeitig: Giratte-Bass und Gesang. Hifi aus dem Hause Onkelz. Der Gesang hörte sich an, als würde man in ein Telefon singen. Beim Anschlagen des Basses hörte sich dann die Gitarre an, als würde der Nachbar mit der Motorsäge Zwiebeln schneiden.

     Zu dem spielte man sowieso nur, wenn sich die Gitarre durch Feuchtigkeit und Zimmerheizung selbst einigermaßen gestimmt hatte. Man wußte damals noch nicht so recht, daß man die Knöpfe am Kopf der Gitarre nicht nur zum Aufziehen der Saiten benutzt, als auch viel mehr zum Stimmen. So kam es, daß man dann oft nicht übte, weil die Gitarren verstimmt waren und es sich deshalb scheiße anhörte. Man spielte damals die berühmte \"Einfinger-Technik\", d.h. den linken Zeigefinger über alle Saiten und dann: 1-2-3-4.

     \"Guck mal, die Böhsen Onkelz\" sagte ein Knirps, der einen Schlitten nach sich zog, zu einem anderen Knirps. Das soll jetzt nicht der Anfang eines dieser blöden Billigwitze werden. Nein, es ist vielmehr die Geschichte, wie es zum Bandnamen dieser ungeliebten Zeitgenossen kam. Stephan und Kevin waren gerade auf dem Nachhauseweg als die besagten Bälger ihren Weg kreuzten. Die Verwunderung sei den Knirpsen nicht übel zu nehmen, denn im Jahre 1980 nach Christi Geburt hatte man in diesen Breitengraden des Landes noch keine Edelleute mit grünen, bzw. schwarzen, abstehenden Haaren gesehen.

     Zudem war Kevin meist geschmückt wie ein Weihnachtsbaum. Behangen von Kopf bis Fuß mit Ketten, Sicherheitsnadeln und Buttons sah man ihn in diesen Tagen des Weges daher robben. Geübt wurde in Stephan\'s Zimmer. War der Vater aus dem Haus, kam die Gitarre raus...

     und das bis zum Anschlag. Man übte, betrank sich und übte. Zuerst spielte Stephan Schlagzeug, ich Gitarre und Kevin Bass. Es wurde schnell offensichtlich, daß das nicht die optimale Instrumentierung war und man wechselte: Stephan Gitarre, ich Schlagzeug, KevinBass. Außerdem sang jetzt Stephan - was aber nicht lange so bleiben sollte. Da man sich an den Wochenenden in Frankfurt rumtrieb, um sich unter Artgenossen zu mischen, sollte es auch als bald zum ersten Konzert der \"Böhsen Onkelz\" kommen.

     Auftrittsstätte war das hiesige Juz-Bockenheim. In der beliebten Suhlkuhle für Punks roch es am Eingang nach Pisse, und wenn man das Treppenhaus betrat, floß einem die Suffkotze auf der Treppe entgegen. Zur Begrüßung rotzte man sich ins Gesicht und riss sich bei ausgelassenem Tanzen auf der Garderobe. Als der erste Auftritt bestritten war, lernte man ein oder zwei Wochen später \"Gonzo\" kennen. Er spielte damals Gitarre bei einer Band Namens \"Antikörper\", welche ihren Übungsraum direkt auf dem Dachboden des besagen Wasserschloßes zu Bockemheim hatte. Leicht verwundert über die Kunst wie man eine Gitarre bedienen kann, befanden sich eingeladen zu einer Probestunde, Kevin, Stephan und ich im Ü.

    -Raum von \"Antikörper\" ein. Gonzo, der damals aussah wie Sid Vicous, spielte die berühmten Serenaden der Sex Pistols hoch und runter daß einem das Herz aufging. Zwei Tage später gab er bekannt, den Onkelz beitreten zu wollen. Es ward vollbracht. Riesenstimmung im Lager der Onkelz: Der erste Musiker in der Band! Schon Jahre vorher hatte Gonzo in mehreren Rock\'n Roll Bands Gitarrenhälse massiert. Am Anfang spielte \"Meister Röhr\" jedoch zunächst Bass und Stephan weiterhin E-Gitarre.

     Dies sollte jedoch nur noch für wenige Wochen der Fall sein. Was jetzt folgte, hörte sich nach Musik an, auch wenn es Punk war, was nicht heißen woll, daß Punk keine Musik wäre. Nein ganz im Gegenteil. Wir 4 fühlten uns wohl. Man konnte sich gehen lassen, konnte frei und frech sein, tun und lassen was man wollte. Eine Rebellion gegen die Moral.

     Man machte Lieder übder das was man liebte und über das was man nicht leiden konnte. Manchmal schoß man dann auch unüberlegt über das Ziel hinaus, was einem dann auch übel heimgezahlt wurde und zum Teil noch wird. \"Eine Potenz an Energie\",\"ein Lebensfreude spendender Quell\". Das sind Worte, die einem einfallen wenn man an \"Böhse Onkelz\" denkt. 1981 im Jahr als Gonzo beitrat,hatte man noch ziemlich viel Auftritte. So spielte man dann ca.

     noch ein halbes Dutzend mal im Kuz Bockenheim Ffm. Man trat in einer Schule in der Nähe des Hauptbahnhofs auf, im Juz Rüsselsheim mit Rudi Pilz und den Gürteltieren und auf einem Festival zu Mühlheim OF. Wir spielten auf dem damals berühmten, besetzten Postgelände in Frankfurt-Nied und reisten mit der damaligen Freundschaftsband \"Middle Class Fantasies\" nach Hannover in die berüchtigte Rote Kuh, um dort ein paar Melodien zum Besten zu geben. Natürlich nicht zu vergessen auch der sagenumwogene Auftritt in der allseits bekannten \"Batschkapp\", in der wir Gitarren zerschlugen (beliebtes Musikerspiel), das Publikum vollrotzten, Bier in die Menge warfen und vom Publikum selbst vollgerotzt wurden. Gonzo zerschlug eine Bierflasche und schnitt sich nach alter \"Sid\" Manier die Brust auf. Ich versuchte mir einen Trommelstock in den Arsch zu stecken, und Kevin wälzte sich am Boden wie ein epileptisches Schwein.

     Ende 1981 wurden die Onkelz nach Berlin eingeladen, um auf dem Punk-Rock Sampler \"Soundtracks zum Untergang II\" zwei Stücke zum Besten zu geben. Im Dezember war es in Berlin so kalt, daß der damals (beim Herausgeben der Platte) dort residierende Kevin Russel versuchte, besoffen wie er war, einen glühenden Kohleofen ins benachbarte Zimmer zuschieben, um seinen Bandkollegen etwas \"einzuheizen\". Er vergaß jedoch, daß Kohleöfen meistens mit dem Ofenrohrfest an der Wand installiert sind. Da, wie gesagt, der Ofen an der Wand fest war, bockte er natürlich am Anfang beim Versuch ihn weg zu schieben. Doch das sollte für den Gesangsmeister kein Problem darstellen. Mit einem \"Hauruck\" riss er das komplette Ofenrohr aus der Wand und war den riesigen glühenden Ofen auf den Teppich des Hauses.

     Dabei ging vorschriftsmäßig die Ofentür auf, und die Kohle konnte sich so gleichmäßig auf dem Fußboden verteilen. In sekundenschnelle war die Luft rußgeschwängert. Tobsuchtsartig kam der Hausherr aus seinem Quartier geschossen und hüpfte vor Erregung wie Rumpelstilzchen auf einem Bein. Als dann noch Stephan durch die Schwingungen seines Basspiels die riesige (warscheinlich wertvolle) Glasvase zum Springen brachte, war das der berühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte. Übrigens kennt man diesen Herrn heute als Besitzer des nicht unbekannten \"Noise\" Labels. 800 lausige Mäuse erhielten wir insgesamt für die beiden Stücke.

     Ein späterer Drohbesuch, um das von den Onkelz sauer verdiente Geld einzutreiben, brachte auch nichts. Der Eiderdieb schloß sich in seine Wohnung ein und fauchte wie eine Katze. Da sich Anfang 1982 die Punk-Szene langsam \"links\" politisierte, suchte man wieder ungebremsten Untergrund und stieß auf das \"Skinheadtum\". Man konnte wieder frei atmen und schlug kräftig auf die Kacke. Man nahm zu dieser Zeit die erste LP auf. Vor der ersten LP versuche sich Kevin jedoch zunächst ein- mal als Seefahrer und heuerte in seiner Geburtsstadt Hamburg an.

     Dies dauer- te ca. 1 Jahr lang. Gonzo drückte, zu etwa der selben Zeit, seinen Marinedienst ab. Da sich langsam auch die Skinheadszene politisierte, packte man die Koffer. Die Haare wuchsen, und die Skintexte verschwanden endgültig. Es kam zur zweiten LP und zu Mini LP \"Mexico\".

     Man spielte wiederum einige Konzerte, u.a. auch in Rüsselsheim (in einer Kirche!!!!) und sogar ein Auftritt im guten alten London stand an. Man fuhr nah Berlin um einen Fernsehgig für den Film \"Zargabata\" (oder \"Zarbagata\", der Film war so unwichtig, daß ich den Namen nicht mehr richtig zusammenkriege), zu machen. Es war kein öffentlicher Gig und fand im \"Loft\" statt. Man wechselte die Plattenfirma und nahm die LP \"Onkelz wie wir\" auf.

     Darauf folgte \"Kneipenterroristen\". Ein Jahr später erschienen eine Picture Disc und danach die LP \"Es ist soweit\". Es folgten Auftritte im ehemaligen \"Zick Zack\" in Wiesbaden, in Offenbach im \"Bootshaus Wicking2, im F63 und auch im \"Connys Hard\'n Heavy Palace\" in Erlensee. In Berlin gab es ein Konzert in der \"Neuen Welt\". Autonome, die nicht gerafft hatten, daß die Onkelz mit den mittlerweile rechtsverschrienen Skinheads seit Jahren nichts mehr am Hut hatten, störten die Konzertvorbereitungen erheblich und schlugen auf kleine unschuldige Onkelz-Fans ein. Eine traurige Sache! Maßen sie sich doch das Monopol von Gehirn und Toleranz an.

    ......

    . Im Nachfeld kam es jedoch noch zu einem glücklichen Verlauf des Konzertes. Nur die Anlage war die größte Scheiße auf Erden. Eine ausrangierte PA (Beschaltungsanlage) aus alten DDR Tagen. Jedes Wort wäre zuviel. Man wechselte die Plattenfirma und ging zu \"Bellaphon\".

     Ein gewaltiger Schritt sollte sich vollziehen. Man nahm den Longplayer \"Wir ham\' noch lange nicht genug\" auf. Ein qualitativer Sprung und ein Prädikat, das man beruhigt \"Besonders Wertvoll\" nennen darf. Besonders wertvoll war auch ein Live-Konzert in Wien im Dezember 1991. Man schnitt das Konzert als CD und Video mit. Das Video wurde das am zweit- meisten verkaufte Video in Deutschland.

     1992 erschien die CD \"Heilige Lieder\", ein Knaller für die Nation. 250.000 verkaufte Exemplare! Seit drei Jahren können sich die Onkelz voll und ganz auf die Band konzentrieren und müssen für den Broterwerb ausschließlich musizieren. Es folgte erstmalig eine Tour! Restlos ausverkaufte Hallen sollten die Belohnung für die Onkelz sein. Doch viel negativer Schatten (der Ruf aus der Skinhead Vergangenheit) sollte ein Ausbau der Tour im Dezember \'92 verhindern. Rechtsradikale hatten Brandanschläge mit Todesopfern gefordert.

     Eine unglückliche Verbindung. Man suchte Schuldige, und man fand sie.....

    .. Es gab Talk-Shows und Interviews. Die Onkelz nahmen Stellung, denn das war zuviel. Hatte man jahrelang auf die Scheiße der Medien einen Furz gelassen, konnte man jetzt nicht mehr mit Gleichgültigkeit über diese Vorfälle reagieren. Es gab Konzerte mit dem Motto \"Rock gegen Rechts\".

     Die Onkelz kommunizierten mit Kulturministern und Ausländerbeauftragen, um gegen diesen Mißstand anzutreten. Die Onkelz füllten bis dato 5000er Hallen. Im Sommer 1993 kam es dann zu den Konzeptalben \"Schwarz\" und \"Weiß\" Zwei Giganten auf dem deutsch- sprachigen Musikmarkt und auch, wie die \"Heilige Lieder\" CD (Platz 5), hoch in den Charts in Deutschland, Schweiz und Österreich vertreten. Höchste Platzierung für die \"Schwarze\" und die \"Weiße\": Platz 10 und 11 in Deutschland...

    ..... DAS Glaubensbekenntnis =) Ich glaube an die Böhsen Onkelz, an Stephan den Allmächtigen, den Schöpfer der Heiligen Lieder und an Kevin, Pe und Gonzo, seine besten Freunde, unsre Idole.

     Empfangen durch die Plattenfirma Rock-o-Rama, geboren in einem Keller bei Hösbach. Gehasst von der Presse, verdammt von ihren Feinden, vergöttert von ihren Fans, angefangen am Rande der Hölle, nach Jahren auferstanden zu Göttern und an Kevin, Pe und Gonzo, aufgefahren in das Reich der Sieger. Sie sitzen zur rechten Gottes, von dort werden sie kommen, zu richten die Blinden und Tauben. Ich glaube an die Böhsen Onkelz, die Heiligen Lieder, Gemeinschaft der Fans, Vergebung der alten Zeiten, Abrechnung mit den Medien, und nicht ist für die Ewigkeit. So Soll es sein. Der Tod von Trimmi Text stammt aus dem Buch Danke für Nichts.

    Trimmi war der bester Freund von der Band wie sie es schon in einigen Konzerten gesagt haben und so widmeten sie das auch Lied \"Nur die Besten sterben jung\" für Trimmi.Am 15 Juni 1990 lief alles ganz gut. Jedenfalls für die Deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Italien. Es war Pe's 26ster Geburtstag. Stephan und Pia luden ihn zu sich nach Kelkheim ein. Dort wollten sie für ihn Kochen und das Spiel der Deutschen gegen die Arabischen Emirate anschauen.

     Später nach dem Essen und nach dem Spiel wollten sie nach Frankfurt fahren, um sich mit Kevin und Trimmi in Sachsenhausen zu treffen. Ein fulminanter Abend würde es werden, das wussten sie spätestens, als Rudi Völler zum 5:1 Köpfte und daraufhin in der 28 die Bierdosen aus dem Fenster flogen. Juni, wie der Juni nicht schöner sein konnte. Laue 25 Grad, noch am abends um halb ef. Moni war stocksauer auf Kevin und Trimmi. Sie wollte am nächsten Morgen mit ihrer Mutter Gisela nach Lanzarote fliegen, in einen kurzen Urlaub, für den sie lange gespart hatte.

     Sie hatte Kevin und Trimmi zum Essen eingeladen und wartet nun darauf, das sie endlich kämen. Das war typisch für Kevin. Er hatte sie schon so oft enttäuscht und jedes Mal war er anschliessend mit der dümmsten Ausreden dahergekommen. Um zwei Uhr morgens gab sie das Warten auf und legte sich schlafen. Gegen drei rief Kevin an, brüllte \"Trimmi ist tot\" in den Hörer und legte keischend auf. Moni kochte vor Wut.

     Kevin begann ihr Angst zu machen. Manchmal hatte er wirklich nicht alle Tassen im Schrank. Früh am nächsten Morgen flog sie ab, ohne sich von ihm zu verabschieden. Stephan und Pe hatten sich am Abend nach dem Spiel festgesoffen. Es war so angenehm ruhig da draußen am Waldrand, dass es niemanden von ihnen in die Stadt trieb. Gegen elf rief Stephan in der 28 an und sagte die Party ab.

     Pe fuhr kurz darauf nach Hause und legte sich schlafen. Die 28 war während des überlegen Spiels der Deutschen Mannschaft gut ins Brüllen geraten. Fußballspiele, ob während der Weltmeisterschaft in Italien oder anderswo, wurden in der Weberstraße schon immer begeistert verfolgt und lauthals kommentiert. Nach Stephans Anruf hielt es sie nicht länger in der Wohnung. Auge, Trimmi und Kevin bestellen einen der verängstigten Taxifahrer vor die Haustür und ließen sich geradewegs nach sachsenhausen ins \"Speak Easy\" chauffieren. Moni und ihre Lasgne wurden kaltblütig vergessen.

     Pe Geburtstag war um 24:00 Uhr schon vorbei. Im Speak Easy konnte im Moment sowieso niemand mehr daran denken, weil Trimmi schon wieder offenen Hemd dastand, bereit den ganzen Laden einzuladen. Das tat er oft, wenn er etwas Geld in der Tasche hatte und guter Laune war. An diesen Abend war er besonders guter Laune. Zwischen all dem Gejöhle, dem Gesaufe und Geschiebe musste Trimmi irgendwann einmal die Toilette aufsuchen. Auf dem Klo traf er Auge, vollbärtig und angetrunken.

     Nebeneinander standen sie an der Rinne und lachten über Witze, die sie sich kurz zuvor an der Theke erzählt hatten. Aus einer der Toilettenkabinen kamen Geräusche,die sich verdächtig danach anhörten, als wenn sich dort zwei Typen gerade eine Nase Koks reinziehen würden. Auge war als erster fertig und verließ auch als erster das Klo. Nicht ohne sich auf halbem Wege zu Bar noch mal umzudrehen. Durch die offene Klotür mußte er eine Szene beobachten, die so kurz und so irreal war, daß die ganze Welt um ihn herum zu gefrieren schien. Alles was sich zwischen Auge und dieser Szene befand, erstarrte in der Bewegung.

     Die zwei Typen, die aus dem Klo gekommen waren, hatten Trimmi in ihrer Mitte stehen. Trimmi mit einem Bierglas in der Hand, sah aus, als wenn er dringend Hilfe benötigte. Die Situation schrie nach einem Eingriff, aber Auge konnte sich nicht bewegen. Seine Füße waren wie einzementiert. Einer der zwei Männer hatte ein Messer in der Hand und stach es Trimmi in die Brust. Einfach so.

     Trimmi stürzte daraufhin panisch aus der Toilette, durch den Flur und genau in Auges Arme. Er stammelte etwas davon, daß er gestochen worden war, und er schrie Auge an, daß er etwas unternehmen sollte. Dann riß er sich los und flog auf Kevin zu, der ungläubig auf Trimmi\'s blutende Brust starrte und dann nach Auge schielte. Auge hatte endlich seine Fassung wiedergefunden und brach krachend durch die Klotür. Der Täter der nicht größer war, als er selber und auf den ersten Blick absolut ungefährlich aussah, stach sofort mit seinem Messer auf Auge ein. Auge hatte ein paar Schwinger landen können, blutete aber stark aus mehreren Wunden.

     Keine 5 Sekunden später lag Auge am Boden und fürchtete selbst um sein Leben. Im Speak Easy war die Party Laune verschwunden und viele machten sich aus dem Staub. Kevin hockte draußen auf der Straße und hielt den schwer blutenden Trimmi in seinen Armen. Trimmi war kreidebleich und keuchte. Der Schweiß tropfte ihm von der Stirn. Die nackte Panik sprach aus seinen Augen.

     Mit einer Hand hielt er sich an Kevins Kragen fest, die andere hielt er auf die Wunde gepresst. Sprechen konnten sie beide nicht. Auge wehrte sich mit Händen und Füßen, während der Typ mit dem Messer immer noch auf ihn einhackte. Stefan Winter, das Tier, das damals Kevin im Klapperkahn, gleich um die Ecke, beinahe totgeschlagen hatte, war mit einem Garderobenständer in die Herrentoilette eingefallen und schlug nun den Messerstecher damit nieder. Gott im Himmel, wie haben Auge und Winter diese Typen zusammengetreten. Dem einem hatten sie ein Ohr abgehauen, daß später wieder angenäht werden mußte.

     In all dem Blut sind dann Auge und Winter nach draußen gelaufen. Sie mußten unbedingt herausfinden was mit Trimmi passiert war. Auf der Straße hatte sich eine große Menschenmenge versammelt. Ein Notarztwagen stand dort in der schmalen Gasse, und von überall waren Polizeisierenen zu hören, die sich allesamt den Tatort näherten. Schnell waren Paradiesgasse und Dreieicherstrasse von der Polizei abgeriegelt. Das Messer lag noch am Boden, die Täter aber waren in dem Chaos geflüchtet.

     Winter machte sich schwere Vorwürfe, daß er sie nicht gleich totgeschlagen hatte. Auge der ebenfalls stark blutete, lief panisch die Gassen rauf und runter, um die zwei Jungs vielleicht doch noch zu erwischen. Im Notarztwagen, vor dem Speak Easy, sah Auge seinen Freund Trimmi liegen, dessen Körper sich unter den Stromstößen noch einmal aufbäumte und dann liegen blieb. Trimmi, zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt, war schon nach 3 Minuten, noch bevor der Krankenwagen in die Große Rittergasse eingebogen war, in Kevins Armen verblutet. Der Tod verließ die Szene gegen 00:40 kopfnickend. Bis hierher war alles Spaß gewesen.

     Sie hatten zwar weh getan, die Jahre als Punks und Skins und Kneipenterroristen, all die Schlägereien und die Komatösen Wochenenden, aber es war dennoch Spaß gewesen. Sogar die ausgeschlagende Schneide Zähne von Kevin, Gonzo und Stephan. Die harten Nächte in der 28 und die Tragödien zwischen Moni und Kevin, nichts von alldem glich dem Schmerz, den sie jetzt fühlten. Immer hatte es jemanden gegeben, der die schlimmste Situation noch irgendwie in eine lustige hatte verwandeln können. Und wie oft war es gerade Trimmi gewesen, der in der ausweglosesten Tripperei, wenn sie dachten, dass sie gleich explodieren würden, die drohende Niederlage durch witzige Sprüche doch noch in einen Sieg verwandelt hatte? Trimmi war ein solcher Individualist gewesen. Ein Orginal, so unersetzbar und so einzigartig.

     Seine Späße, die Nummer mit den Vogelspinnen und seine ansteckende gute Laune, selbst wenn es haarig wurde, das alles war jetzt zum Teufel. Kevin stand blutverschmiert hinter dem offenen Notarztwagen und sah blicklos auf die Instrumente. Dort lag Trimmi unter einem weißen Tuch und bewegte sich nicht mehr. Kevin wusste nichts über den Tod, nichts über diese Art von Tod. Seine Welt, weit weg wie sie ohnehin schon war, verschwand nun vollends hinter einer dicken Milchglasscheibe. Gegen drei rief er Moni an und brüllte ihr ins Ohr.

     Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur. Um 3:30 klingelte das Telefon in Kelkheim. Noch bevor Stephan überhaup ein Wort sagen konnte, keuchte Kevin ein paar hektische Befehle in den Hörer: \"Komm sofort in die 28. Es ist etwas passiert. Beeil Dich!\" Kevin mochte ein Chaot gewesen sein, der ständig irgendwelche Aussetzer hatte, aber niemals hatte er sich so ernst angehört, wie in diesen fünf Sekunden. Als Stephan in die 28 eintraf, bot sich ihm ein Bild der Verzweiflung.

     Ein Paar zerstörte Rocker fand er vor einen schluchzenden Russell, der schäumend vor Wut und Schmerz seinen Kopf gegen die Wand schlug. Stephan wollte es nicht glauben. Er wurde nervöser und nervöser und kämpfte mit Tränen. In dieser Nacht konnten sie nicht mehr tun, als miteinander zu trauern. Niemals wieder erlebte die 28 eine dunklere Nacht, in der sich die Gespräche immer wieder auf Rache und Vergeltung reduzierten.

 
 




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