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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Das werk: die judenbuche


1. Drama
2. Liebe

Der Erstdruck der »Judenbuche« erschien in 16 Teilen vom 22. April bis 10. Mai 1842 in Cottas »Morgenblatt für gebildete Leser« (Nr. 96-111). Die Druckvorlage ist nicht erhalten. Der Erstdruck wurde jedoch von der Dichterin als ihrem Willen entsprechend bestätigt. Am 26. Mai 1842 schrieb sie an Levin Schücking (1814-83):

Im Museum war ich seit einigen Tagen nicht, bis dahin war meine
>Judenbuche< beendigt, von der ich nur das im vorigen Briefe Ge-
sagte wiederholen kann, nämlich: daß ich den Effekt fand, wo ich ihn
nicht suchte, und umgekehrt, das Ganze aber sich gut macht. Es ist
mir eine Lehre für die Zukunft und mir viel wert, die Wirkung des
Drucks kennengelernt zu haben. Gestrichen hat man mir nur einmal
ein paar Zeilen, nämlich das zweite Verhör ein wenig abgekürzt;
wenn Du es nicht schon getan hattest, worüber ich ungewiß bin.
Zuerst war ich zürnig, grimmig wie eine wilde Katze, und brauste im
Sturmschritt nach Deisendorf; auf dem Rückwege war ich aber schon
abgekühlt und gab dem Operateur - Hauff, Dir oder gar mir selbst -
recht; sonst ist Wort für Wort abgedruckt.«

Für den Abdruck im »Morgenblatt« erfand der Redakteur Hermann Hauff den Titel »Die Judenbuche«. Nach Erhalt der Druckvorlage schrieb er am 4. April 1842 an Schücking:

Verehrtester Herr, Die mir gütigst mitgetheilte Erzählung behalte ich
mit Vergnügen, obgleich dieselbe etwa zwei Bogen unseres Formats
füllen wird. Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Besuch und erinnere
Sie an das Versprechen, dem Journal, an dessen Leitung ich Theil
nehme, auch ferner Ihre schätzbare Theilnahme schenken zu wollen.
Ich bin hochachtungsvoll Ihr ergebenster H. Hauff.
Der Erzählung wird ein Titel zu schöpfen seyn. Vielleicht fällt Ihnen
einer ein und Sie hinterlassen mir denselben schriftlich. Wo nicht, so
übernehme ich das Geschäft. Daß die jetzige Überschrift daneben
stehen bleibt, versteht sich.«

Mit der von Hauff genannten »jetzigen Überschrift« ist offensichtlich der heutige Untertitel »Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen« gemeint. Es dürfte sich dabei also um den von der Droste formulierten Titel handeln. Möglicherweise hat sie selbst die Vorläufigkeit und zu große Allgemeinheit dieses Titels, der übrigens den Titelgebräuchen des »Morgenblattes« entspricht, empfunden. Zu der von Hauff vorgeschlagenen Wahl eines neuen Titels durch Schücking kam es nicht. Dieser schrieb am 12. April 1842 an die Droste:

»Ihre Erzählung, gnädiges Fräulein, habe ich Hauff gelassen [. . .]. Ich
hatte nicht die Zeit, einen Titel zu erfinden und habe es ihm überlas-
sen müssen.«

Hauff erfand nach dem dreimal in der Erzählung vorkommenden Begriff den Titel »Die Judenbuche«. Am 4. Mai 1842 noch während des Erscheinens der »Judenbuche« schrieb die Droste an Schücking:

». . . und dann füttert es [das >Morgenblatt<] seit 10-12 Tagen sein
Publikum so unbarmherzig mit meiner Erzählung, von Hauff >Die
Judenbuche< getauft, daß alle Dichter, die sich gedruckt sehen möch-
ten, mich verwünschen müssen; denn ich und noch ein anderer Prosa-
ist haben vorläufig das Blatt unter uns geteilt und werden wohl in die-
sem ganzen Monat auch nicht ein fremdes Hälmchen aufkommen las-
sen.«

Dem Abdruck der »Judenbuche« folgt im »Morgenblatt« ein Aufsatz von Kohl mit dem Titel »Die Judenstadt in Prag«. Die Droste erkannte, wie sie am 26. Mai 1842 an Schücking schrieb, darin einen ihrer Novelle angereihten Bericht:

Unmittelbar hinterdrein erschien >Die Judenstadt in Prag< von Kohl.
Ich erschrak und dachte, es sei eine gute Erzählung, mit der man die
Leser für meine schlechte entschädigen wolle; statt dessen war es
aber ein meiner Geschichte gleichsam angereihter Aufsatz über die
Stellung der Juden überall und namentlich in Prag. Jetzt schien mir
eher etwas Günstiges darin zu liegen, als ob man das Interesse der
Leser durch meine Judenbuche für diesen Gegenstand angeregt

glaube [. . .]«

Die Formulierung »meine Judenbuche« erlaubt die Annahme, daß die Titelwahl Hauffs die volle Billigung der Droste gefunden hatte.

Die Geschichte spielt um die Mitte des 18. Jahrhunderts in einem westfälischen Dorf, das \"inmitten tiefer und stolzer Waldeinsamkeit\" liegt und in dem Holz- und Jagdfrevel an der Tagesordnung sind. Den begangenen Rechtsverletzungen begegnet man jedoch \"weniger auf gesetzlichem Wege, als in stets erneuten Versuchen, Gewalt und List mit gleichen Waffen zu überbieten\". So ist Friedrich Mergel bereits durch seine Herkunft für seinen späteren Lebensweg geprägt. In seinem Elternhaus herrscht \"viel Unordnung und böse Wirtschaft\"; sein Vater ist ein chronischer Säufer und wird zu den \"gänzlich verkommenen Subjekten\" gezählt. Nachdem ihm seine erste Frau weggelaufen ist, heiratet er die stolze und fromme Margret Semmler. Es dauert nicht lange, bis auch das gesunde Kind in das Unheil, das der Vater verbreitet, hineingezogen wird. Als Friedrich neun Jahre alt ist, kommt der Vater in einer \"rauhen, stürmischen Winternacht\" nicht nach Hause; man findet ihn tot im Brederholz. Nach diesem schauerlichen Ereignis haftet dem scheuen und verträumten Jungen in den Augen seiner Altersgenossen etwas Unheimliches an. Er gerät auch wirklich mehr und mehr in den Bannkreis verhängnisvoller Mächte, die in dem \"unheimlichen Gesellen\" Simon Semmler, der Bruder Margerts, Gewalt über ihn gewinnen. Unter dem Einfluß seines Onkels verschafft sich der häufig verspottete und gering geachtete Junge einen \"bedeutenden Ruf\" im Dorf: Wegen seiner Tapferkeit und seines \"Hangs zum Großtun\" wird er bewundert und zugleich gefürchtet. Sein ständiger Begleiter, Johannes Niemand verkörpert gleichsam sein abgelegtes Ich, er ist \"sein verkümmertes Spiegelbild\". Friedrich wird, ohne daß man ihm vor Gericht etwas nachweisen kann, mitschuldig an dem Tod des Oberförsters Brandes, der von den Blaukitteln, einer besonders listigen Holzfrevlerbande, im Brederholz erschlagen wird, und begeht schließlich aus verletztem Ehrgefühl einen Mord an dem Juden Aaron, nachdem dieser ihn wegen einer Restschuld von zehn Talern öffentlich bloßgestellt hat.
Da Friedrich jedoch mit seinem Schützling Johannes Niemand flieht, kann er des Mordes nicht überführt werden. Nach 28 Jahren - der Mord ist längst verjährt - kehrt Mergel als alter, \"armseliger Krüppel\" aus türkischer Gefangenschaft zurück. Er gibt sich als Johannes Niemand aus und verdient sich sein Gnadenbrot mit leichten Botengängen. Das Brederholz meidend und doch unwiderstehlich von ihm angezogen, erhängt er sich schließlich an der sogenannten Judenbuche. In seinem Selbstmord erfüllt sich der an den Judenmord mahnenden Spruch, den die Glaubensgenossen Aarons zu seiner Rache in den Stamm eingehauen hatten: \"Wenn du dich diesem Orte nahest, so wird es dir ergehen, wie du mir getan hast!\"

 
 

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