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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Alexander s. neill - lebenslauf


1. Drama
2. Liebe

Alexander S. Neill Wer war Alexander Sutherland Neill? \"Einer der radikalsten Erziehungswissenschafter des 20. Jahrhunderts\" 1, \"ein genialer Erzieher\"2 oder \"ein Idylliker aus der pädagogischen Provinz\"3?

Neill schreibt über sich selbst: \"Ich bin in meinen Augen kein Lehrer, kein berühmter Erzieher und weit davon entfernt, ein gescheiter Philosoph zu sein. Ich sehe mich gern als einfachen Zeitgenossen, ... der eine gewisse Begabung darin hat, Wesentliches zu erkennen, ... und der so sehr an das Leben glaubt, daß für ihn, für mich jeder Versuch, es durch moralische Grundsätze, durch Regeln und Disziplin zu verändern, ein Verbrechen gegen die Natur des Kindes ist.\"4



Foto 11: A. S. Neill (36 kB)


3.1. Kindheit und Jugend

Neill stammt aus einer sehr rigiden schottischen Familie. Er wurde am 17. Oktober 1883 in Forfar, einer schottischen Bezirkshauptstadt, als viertes von acht Kindern geboren. Seine Eltern waren Lehrer, seine Mutter allerdings gab den Beruf auf, um sich ganz der Familie zu widmen. Sein Vater war Schulleiter im 2 km entfernten Kingsmuir.

Neills Mutter war darauf bedacht, daß ihre Kinder immer gestärkte, weiße Krägen trugen. Am Sonntag durften sie nicht wie andere Kinder im Dorf spielen gehen, sondern höchstens einen Rundgang in der Sonntagskleidung machen, und das erst, nachdem sie bestimmte \"Verse eines Psalms .... auswendig gelernt hatten.\"5 Während der Woche war der Vater darauf bedacht, daß seine Kinder Hausaufgaben machten, denn aus ihnen sollten Akademiker werden. Kinder, die Holzhacker werden sollten, bekamen vom Lehrer keine Hausaufgaben. Das Spiel der Neill-Kinder mit den Dorfkindern wurde jeden Abend durch die Pfeife des Vaters unterbrochen, um sie z.B. zum Lernen der lateinische Grammatik anzuhalten. Neill war das viele Lernenmüssen verhaßt. Es gelang ihm auch nicht, sich zu konzentrieren und etwas aufzunehmen. Sein Vater war überzeugt davon, daß aus ihm nichts werden würde.

Auch Neills Großmutter mütterlicherseits wohnte bis zu ihrem Tod bei der Familie. Damals war Neill 14 Jahre alt. Sie war sehr fromm, und wenn Neill ein Schimpfwort gebrauchte, ließ sie ihn niederknien und \"Gott um Vergebung bitten\"6. Neill schreibt dazu: \"Die frühe Angst vor der Hölle muß von ihr gekommen sein\" 7. Einige Seiten weiter äußert er sich über sein Verhältnis zu Glaube, Religion und Sexualität: \"Wir kannten die Meilensteine auf dem ëWeg ins Verderbení, ohne daß man sie uns erst nennen mußte: Sex, Stehlen, Lügen, Fluchen und Entheiligung des Tag des Herrn. (Letzteres umfaßte so gut wie alles, was Spaß machte.)\"8

Ein einschneidendes Erlebnis dazu hatte Neill im Alter von 6 Jahren, als er mit seiner um ein Jahr jüngeren Schwester Doktorspiele machte. Sie untersuchten einander und wurden von der Mutter erwischt, die beide schlug und niederknien ließ, um Gott um Vergebung zu bitten. Der später heimkommende Vater schlug sie noch einmal und sperrte Neill in ein dunkles Zimmer. \"So lernte ich, daß Sex von allen Sünden die abscheulichste war.\"9


3. 2. Studium und Beruf

Mit 14 Jahren wurde Alexander Sutherland Neill Buchhaltungsgehilfe in einer Gasometerfabrik in Edinburgh. Sein Vater hatte beschlossen, ihn in die Arbeitswelt hinauszuschicken, und so arbeitete Alexander in einem \"dunklen, übelriechenden Loch von Büro mitten in der Fabrik.\"10 Er schrieb bittere Briefe nach Hause, daß er lieber für die Beamtenprüfung lernen wolle, als länger inmitten dieses \"Gestanks von Lötblei, Farbe und Gas\"11 zu arbeiten.

Zu Hause klappte es aber mit dem Lernen wieder nicht, und so beschloß der Vater, daß Neill Tuchhändler werden sollte. Seine Hauptaufgabe hier bestand darin, von 7 Uhr 30 früh bis 8 Uhr abends Päckchen auszutragen. Er bekam große Probleme mit seinen Füßen und mußte auch diesen Beruf aufgeben. Er sollte nun noch einmal versuchen, sich auf die Aufnahme im Verwaltungsdienst vorzubereiten. Seine Konzentrationsfähigkeit war aber genauso schlecht wie früher, und sein Vater gab es auf, ihm etwas beibringen zu wollen.

Schließlich stellte ihn sein Vater an seiner Schule an, da Neill für nichts Besseres geeignet schien. Neill erinnert sich dazu: \"ëEs ist hoffnungslos mit dem Jungení, sagte mein Vater düster. ëDann soll er Lehrer werdení, schlug Mutter vor. ëDafür könnte es genügení, sagte Vater grimmig und ohne zu lächeln.\"12

Neill wurde also als 15-jähriger Lehrer-Praktikant an der Schule seines Vaters in Kingsmuir. Nach zwei Jahren Lehrzeit mußte er eine Prüfung beim Schulrat ablegen. Im Prüfungsbericht des Schulrats stand: \"Der Kandidat sei hiermit gewarnt, seine Arbeit ist rundherum schwach.\"13 Nach Beendigung der 4-jährigen Lehrzeit war noch einmal eine Prüfung zu absolvieren. Neill war unter den Prüflingen einer der schlechtesten. Er wurde nicht ins Lehrerausbildungs-College aufgenommen, sondern mußte als \"Ex-Praktikant\" noch zwei weitere Prüfungen bestehen. Dann konnte er ein Lehrerdiplom bekommen und als Hilfslehrer anerkannt werden.

Als Ex-Praktikant unterrichtete Neill an verschiedenen Schulen. Mit Widerwillen spielte er den \"strengen Zuchtmeister\"14. Nachdem er das Abschlußexamen bestanden hatte, war er als Hilfslehrer tätig und fest entschlossen, noch ein Universitätsstudium zu absolvieren.

Die Hürde der Aufnahmeprüfungen schaffte er nach mehreren Anläufen und 1908, im Alter von 25 Jahren, begann er das Universitätsstudium in Edinburgh. Er studierte zunächst ein Jahr Agrarwissenschaft, schließlich Anglistik. Nach 4 Jahren, am 5. Juli 1912, schloß er mit M. A. (Master of Arts) sein Studium ab, wohl wissend, daß er auf keinen Fall Lehrer werden wollte. \"Der Gedanke, ich sollte mein Leben als Englisch-Pauker an irgendeiner zweitrangigen Provinzoberschule oder Akademie hinbringen, machte mich schaudern. Nein, das Lehramt würde meine letzte Zuflucht sein. ... Meine Zukunft lag im Journalismus\"15. Während seines Studiums war er Herausgeber des Studentenmagazins \"The Student\". In dieser Zeit entwickelte Neill das erstemal auch Interesse für Politik, soziale Fragen und die Werke einiger damals moderner Schriftsteller. Drei dieser Schriftsteller waren mitbestimmend für seine Einstellung zum Sozialismus und hatten auch großen Einfluß auf seine Lebensphilosophie: H. G. WELLS16, G. B. SHAW17 und H. IBSEN18. Als Jugendlicher las Neill einige von WELLS Kurzgeschichten. Während Neills Studienzeit publizierte WELLS \"Ann Veronica\", eine Novelle, die sich mit der Freiheit der Frauen beschäftigte. Besonders interessierten Neill die mehr autobiographischen Werke von WELLS, wie z.B. \"The history of Mr. Polly and Kipps\". Inhalte dieser Geschichten erinnern an Neills Kindheit und Jugend. Mehr als WELLS Ideen über freie Liebe, Religion oder Politik fanden dessen scharf ironische Bemerkungen über die schäbige vornehme Handelswelt bei Neill Anklang19.

Bernhard SHAW attackierte in seinen Werken die meisten etablierten Institutionen der englischen Gesellschaft: Kirche, Familie, Schule etc. SHAWS Kritik artikulierte Neills noch konfuse, aber zutiefst gefühlte Antipathie gegenüber den konventionellen gesellschaftlichen Werten. Shaws Werke brachten Neills Sozialkritik an die Oberfläche. Eines seiner Medien, um soziale Übel aufzuzeigen, war das Drama. Aber es war das Drama bei Ibsen, das Neill begeisterte. Für den Studenten Neill waren Ibsens Werke von viel größerem Interesse als die klassischen Dramen, die er für seine Prüfungen studieren mußte. In einem seiner Artikel im \"Student\" wagte er die Behauptung, Shakespeare könnte durch das Studium von Ibsens Werke lernen. Sein Professor war ziemlich wütend darüber und warnte ihn, derartiges noch einmal zu publizieren20.

Nach Beendigung des Studiums arbeitete Neill ein Jahr als Redakteur an einer Enzyklopädie mit und ging schließlich nach London, um sich im Journalismus weiter zu versuchen. Er bekam eine Stelle als künstlerischer Assistent einer neuen Zeitung, des \"Piccadilly\", wo er Kurzgeschichten zu lesen und die besten für die Zeitung auszuwählen hatte. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges führte zur Schließung des \"Picadilly\" und Neill ging zurück nach Kingsmuir in Schottland. Er hatte, wie bereits erwähnt, gesundheitliche Probleme mit seinen Füßen, die plötzlich wieder schlimmer wurden. Daher war er nicht wehrfähig. Neill bezeichnete die Probleme mit seinen Füßen als \"psychologisch bedingten Zustand\"21, um sich vor dem Eintritt in die Armee zu schützen, da er im Grunde Angst davor hatte. Er bewarb sich um eine Stelle als stellvertretender Leiter der Gretna Green Schule, da der Leiter dieser Schule zum Militär mußte. Am 15. Oktober 1914 trat er diese Stelle an.

Seine Zeit in Gretna Green, seine Erfahrungen dort, waren für ihn ein intellektueller Wendepunkt. Früher war er noch bereit, sich innerhalb des Schulsystems anzupassen und auch ein strenger Lehrer zu sein. Er gibt zu, seine Schüler auch geschlagen zu haben. Doch zurück von London machte er sich Gedanken über Erziehungsfragen, entwickelte neue Ideen und erprobte sie in Gretna Green. \"Es klingt absurd, daß ein Mann, der später als pädagogischer Ketzer bekannt wurde, die Laufbahn des Lehrers einschlug, weil er im Journalismus scheiterte und fürs Militär nicht genügend Mut hatte. Trotzdem machte ich mir in Gretna Green zum erstenmal Gedanken über Erziehungsfragen.\"22

In dieser kleinen, intimen Schule am Land mit 150 Schülern hatte er gute Möglichkeiten, mit seinen neuen Ideen von der Freiheit des Kindes zu experimentieren. \"Es wäre töricht, zu behaupten, ich hätte, wenn ich gewollt hätte, auch als klassischer Pauker weiterarbeiten können, denn das hätte ich niemals fertig gebracht. Nach und nach merkten die Kinder, daß meine Disziplin der reinste Bluff war und daß es mir nicht das geringste ausmachte, ob sie etwas lernten oder nicht. Aus der stillen Schule wurde ein Gartenlokal voll Lärm und Gelächter. Aber wir hielten die üblichen Unterrichtsstunden ab, und sie lernten vermutlich nicht weniger, als wenn sie Angst vor mir gehabt hätten.\"23

Seine Zeit als Schulleiter in Gretna Green beschreibt er in seinem ersten Buch \"A Dominieís Log\", das 1915 erschien. Es enthüllt die wichtigsten Punkte seines Zugangs zu Kindern in einfacher und humorvoller Weise. Dieses Buch verkaufte sich sehr gut. Es war der Beginn seiner Karriere, sowohl als Schriftsteller als auch als Kämpfer für die Freiheit der Kinder.

Seine Einflußnahme auf die Schule nach einjähriger Tätigkeit als Direktor beschreibt Neill folgendermaßen: \"I have converted a hard-working school into a playground. And I rejoice. These bairns have had a year of happiness and liberty. They have done what they liked; they have sung their songs while they were working at graphs, they have eaten their sweets while they read their books. They have hung on my arms as we rambled along in search of artistic corners.\"24

Bereits zu dieser Zeit erfuhr Neill durch einen Zeitungsartikel von der Jaques Dalcroze Schule in Hellerau bei Dresden, an der er selbst 1921 seine erste eigene Schule starten sollte.



3. 3. Militärdienst

Vom Militär wurde Neill seiner Füße wegen zunächst als untauglich erklärt, mußte aber 1916 doch in ein Ausbildungslager, wo er wie alle anderen Soldaten von den Vorgesetzten schikaniert wurde. Als bekannt wurde, daß er ein M. A. (Master of Arts) sei, änderte sich das. Er wurde schließlich zum Kompaniechef geholt, weil Männer mit mathematischen Kenntnissen als Offiziere für die Artillerie gebraucht wurden. So begann seine Offizierslaufbahn, seine Ausbildung in verschiedenen Lagern im Kartenlesen, Schußlinienberechnen u.a. Nach der Abschlußprüfung kam er zu einem Offiziersverband und wartete darauf, nach Frankreich geschickt zu werden. Sein Name stand aber nie auf der Liste. Schließlich kam es im Lager zu einer Grippeepidemie, die ihn schlimm erwischte und Nervenzusammenbruch, Schlaflosigkeit und Alpträume zur Folge hatte. Damit endete seine Karriere als Soldat.


3. 4. Neill und Homer LANE

Neill wußte nun nicht recht, was er weiter machen sollte. Von einer Leserin seines ersten Buches \"A Dominies`s Log\" erfuhr er von Homer LANE und John RUSSEL. LANE25 war Begründer des \"Little Commonwealth\", einer Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter. RUSSEL war der Rektor der King Alfred School26, die als eine der fortschrittlichsten Schulen galt. Es gab dort keine Noten und keine körperliche Züchtigung.

Neill besuchte LANE noch während seiner Militärausbildung im Little Commonwealth und wurde dort Zeuge einer Heimversammlung. \"Dieses Wochenende war vielleicht der bedeutendste Meilenstein in meinem Leben. LANE berichtete mir bis zum frühen Morgen von seinen Fällen. Ich wußte das eine oder andere über Erziehungsideen, aber ich hatte keine Ahnung von Psychologie.\"27

LANE kam 1913 aus den Vereinigten Staaten nach England und hatte schon früher mit \"Selbstregierung\" (self-government) experimentiert. Im \"Little Commonwealth\" gab es ein sogenanntes \"Selbstregierungstreffen\", bei dem die Jugendlichen ihre Meinung äußern und auch mitbestimmen durften. Es waren etwa 40 bis 50 Kinder (Kleinkinder bis 18-jährige), die vom Jugendamt oder von den Eltern geschickt wurden. Viele von ihnen hatten Bewährungsstrafen abzuleisten. LANE glaubte an die angeborene Güte der Kinder und hatte beachtliche Erfolge im \"Little Commonwealth\". Seine therapeutischen Maßnahmen waren psychoanalytisch motivierte \"paradoxe Sanktionen\", die auch Neill später verwendete, wenn er zum Beispiel Schüler zum Einschlagen von Fensterscheiben ermutigte, oder Diebe belohnte. Nach Beendigung seiner Militärzeit wollte Neill dort mitarbeiten. Als es dann soweit war, erfuhr er, daß das Little Commonwealth inzwischen geschlossen worden war und LANE in London lebte.

Da seine Mitarbeit bei LANE nicht möglich war, bewarb er sich bei John RUSSEL und wurde Lehrer an der King Alfred School. Bald jedoch merkte er, daß die Schule weit davon entfernt war, eine \"freie\" zu sein, sondern von moralischen Normen dominiert war. \"Irgend etwas war abgestorben in den Schülern, wirkte tot. Es fehlte ihnen die rechte Lebensfreude\"28. Neill schlug vor, die Selbstverwaltung einzuführen, durfte es auch in seinem Bereich versuchen, endete aber damit, daß die Schüler in seiner Stunde die Möglichkeit sahen, \"Dampf abzulassen\", und RUSSEL ihm schließlich sagte: \"Einer von uns beiden muß gehen\"29. Somit war er wieder stellenlos.

Seine literarischen Aktivitäten schienen erfolgreicher zu sein als seine erzieherischen. Er hatte bereits zwei \"Dominie\"-Bücher geschrieben, die viel Interesse fanden. \"A Dominieís Log\" (191630), erzählt über seine Zeit als Schulleiter in Gretna Green. \"A Dominie Dismissed\" (191731), berichtet über seine weitere Geschichte als Dorflehrer.

Neill erhielt 1920 von BEATRIX ENSOR das Angebot, bei der Herausgabe der \"New Era\", einer internationalen Zeitschrift, in London mitzuarbeiten. Doch schon bald wußte er, daß er diese Aufgabe nicht lange machen würde. Er hatte für sich beschlossen, eine eigene Schule aufzubauen, und war neben seiner Arbeit immer auf der Suche nach einem geeigneten Platz dafür. 1921 war er als Reporter der \"New Era\" in Europa unterwegs. In Deutschland besuchte er in Hellerau die Familie Neustätter, die Eltern eines seiner früheren Schüler an der King Alfred School. Neill blieb in Deutschland und gründete 1921 mit Christine Bear und Lilian Neustätter die \"Internationale Schule\" in Hellerau. Dies war gleichzeitig der Beginn von Summerhill, obwohl die Schule erst später (1924) so benannt wurde. (vgl. dazu Kapitel 4)

Neill schrieb 19 Bücher (siehe dazu die Literaturliste) und hielt viel Vorträge auf der ganzen Welt (von Amerika bis Südafrika). In seinem Erziehungs-denken war er nicht von Pädagogen beeinflußt, sondern von Psychologen wie REICH, FREUD, SHEKEL und Homer LANE. Durch LANE kam Neill eigentlich erst zur Psychologie. Vorher wußte er nichts von FREUD und hatte nichts von Kinderpsychologie gehört. LANE öffnete ihm eine neue Welt. Nachdem das \"Little Commonwealth\" geschlossen worden war, ließ sich LANE als Analytiker in London nieder und bot Neill an, ihn zu analysieren. Er hatte täglich eine Sitzung. Neill schrieb über LANE: \"Was er über Freiheit sagte, war das Evangelium, nach dem ich gesucht hatte\"32. Neill verdankte LANE nicht nur die Erkenntnisse aus der Analyse, sondern auch die Art des Umgangs mit Kindern. \"Sein Grundsatz war: ëMan muß auf der Seite des Kindes seiní\"33.

Neill hatte bereits zwei Bücher geschrieben, bevor er LANE kennenlernte. Es waren, wie er in seiner Autobiographie schreibt, \"tastende Versuche auf der Suche nach Freiheit. ...Lane wies mir den Weg, und ich habe das immer dankbar anerkannt.\"34 LANE starb 1925 vier Jahre, nachdem Neill Summerhill gegründet hatte.



3. 5. Neill und Wilhelm REICH

Ein anderer wichtiger Mann in Neills Leben war Wilhelm REICH, den er 1937 kennenlernte, als er in Oslo an der Universität eine Vorlesung hielt und REICH unter den Zuhörern saß. Neill wurde Reichs Schüler und fuhr zwei Jahre lang dreimal jährlich in den Ferien nach Oslo, wo er sich Reichs vegetativer Therapie unterzog. Das sah so aus, daß Neill nackt auf einem Sofa lag und Reich seine Muskel bearbeitete. Neill dazu: \"Das war eine anstrengende und oft auch schmerzhafte Therapie, aber innerhalb weniger Wochen fand ich mehr emotionelle Befreiung, als ich je bei LANE, Maurice NICOLL oder STEKEL gefunden habe\"35. REICH \"vertiefte meine Selbsterkenntnis; er merzte die Überbleibsel schottisch-calvinistischer Anschauung über Sex bei mir aus ... \"36

Auf die Schule hatte REICH keinen unmittelbaren Einfluß. Diese leitenden Neill und seine Frau bereits 16 Jahre, als er REICH kennenlernte. Als 1939 der Krieg ausbrach, flüchtete REICH in die USA. Er und Neill schrieben einander viele Jahre. Ein Teil dieser Korrespondenz wurde im Buch \"Zeugnisse einer Freundschaft; Der Briefwechsel zwischen Reich und A. S. Neill 1936 -1957\" veröffentlicht.

Neill reiste zweimal in die USA (1947, 1948) um dort Vorträge zu halten, an Seminaren teilzunehmen und seinen Freund W. REICH zu besuchen. Nachdem Neill und seine Frau Ena wegen der finanziellen Notlage der Schule und der nervlichen Belastungen einer angesagten Schulinspektion einen gesundheitllichen Zusammenbruch erlitten hatten, bot ihnen REICH an, die Schule in die USA zu verlegen und sie seinem Forschungszentrum \"Organon\" anzugliedern. Neill lehnte dankend ab.37

Als Neill 1950 wieder zu W. REICH reisen wollte, wurde ihm das Visum verweigert, vermutlich, weil er in seinen Veröffentlichungen seine Sympathie für die Russische Oktoberrevolution und für sozialistische Erziehungsexperimente bekundete38. Neill kritisierte aber auch die Erziehung in der Sowjetunion, weswegen ihm 1937 das Visum für Rußland versagt wurde. \"Ich bin vielleicht der einzige Mann, dem sowohl von Amerika wie von Rußland ein Visum verweigert wurde.\"39

 
 

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