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Der langsame verfall der udssr





Trotz gelegentlicher Änderungen in der Taktik der sowjetischen Politik unter den einzelnen Generalsekretären der KPdSU, wie Stalin, Breschnew oder Chruschtschow, wurde die UdSSR stets von einer einzigen Partei regiert und verfolgte die zentrale Planwirtschaft. Die konservative Führung im Kreml war dem revolutionären Wandel zu tiefst abgeneigt und sicherte in der DDR durch Militärpräsenz und psychologischem Druck die Macht der SED. Es bestand mehr als vierzig Jahre lang eine stille Übereinstimmung, daß die Stationierung von über 380 000 sowjetischen Soldaten der DDR Stabilität und Sicherheit bringen sollte. Die Rote Armee wurde dazu eingesetzt, den Widerstand niederzuschlagen und die Disziplin der DDR zu garantieren. Solange Moskau und Berlin diese Sache betreffend einer Meinung waren, waren weder das Gleichgewicht noch das sowjetische Imperium gefährdet.
Alles änderte sich mit dem Amtsantritt Michael Gorbatschows am 10. März 1985. Der neue Generalsekretär der kommunistischen Partei besaß zwar noch kein endgültiges Gesamtkonzept für seine Politik, jedoch waren seinen Absichten dem Stil und den Denkweisen seiner Vorgänger den Rücken zuzukehren offensichtlich. Dabei ging es im Kern nicht um eine Beseitigung sondern um eine Stärkung des Sozialismus. Die russische Industrie war veraltet und den hohen Standards des Westens weit zurück und mußte dringend erneuert werden, um Massengüter produzieren zu können. An der Schwelle zur einer modernen Kommunikationsgesellschaft waren jedoch neue Anforderungen entstanden, denen das träge sowjetische System kaum gewachsen war. Die neue Welt basierte auf Computern, der Vernetzung der einzelnen Betriebe sowie auf Kreativität in allen Bereichen der Industrie. Da die Sowjetunion diesen Anforderungen kaum gewachsen War veranlaßte Gorbatschow die Verwirklichung von \"Glasnost\" im Sinne von Öffnung, Offenheit und Transparenz. \"Perestroika\" (Umgestaltung) sollte das gesamte System durch Umbau und Ausbildung der Arbeitskräfte reformieren und flexibilisieren. Durch eine totalitäre Regierung, die Militär, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft bestimmte, wäre das auf keinen Fall möglich gewesen. Ein \"neues Denken\" war angesagt, welches eine Demokratisierung von Staat und Gesellschaft im Blick hatte.
Gorbatschows Ansicht nach sollten diese Reformen nicht nur Rußland sondern den gesamten sowjetischen Einflußbereich erfassen und dem Sozialismus überall zum Aufschwung verhelfen., was besonders für die SED eine große Gefahr darstellte. In den ersten zwei Jahren nach Amtsantritt zeigte sich die Politik Gorbatschows noch widersprüchlich, ständig wechselnd zwischen dem Verlangen nach nationaler Selbständigkeit und Aufrechterhaltung der Einheit. Am 10. April 1987 änderte er jedoch sein Position. In einer Rede in Prag erklärte er, daß jede einzelne Nation des Warschauer Paktes für die inneren politischen Angelegenheiten selbst verantwortlich sei. Außerdem kritisierte er die Uneigenständigkeit der Parteien und forderte eine Eigenständigkeit für diese Länder, selbst entscheiden zu können und die Probleme individuell zu lösen.
Nach einer weiteren Rede vor dem Europarat in Straßburg wurde den Satelliten Staaten durch die Herausgabe des \"Sinatra Doktrins\" Unabhängigkeit gewährt. Der Name spielt offensichtlich auf den amerikanischen Sänger Frank Sinatra und dessen weltberühmtes Lied \"My Way\" an. Damit konnten die sowjetischen Staaten Reformen einleiten ohne eine Intervention befürchten zu müssen.

 
 

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