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wirtschaft artikel (Interpretation und charakterisierung)

Über die zehn finger hinaus





Keine andere Art konnte Fakten so gut erinnern oder assoziieren wie der Mensch. Deshalb konnte nur der Mensch solche Tätigkeiten wie das Zähmen des Feuers oder die Entwicklung raffinierter Werkzeuge ausführen - das Schlüsselwort hierbei ist raffiniert; denn einfache Werkzeuge werden beispielsweise auch von Schimpansen benutzt. So nehmen diese Affen Zweige, um mit ihnen Insekten in Erdlöchern aufzustöbern. Sogar Vögel lassen Steine auf die Eier anderer Vögel fallen, um an das nahrhafte Innere zu gelangen-



Um es anders zu formulieren, die Menschen konnten ihr großes Hirn dazu nutzen, sich selbst auszudehnen, eine Verlängerung über sich selbst zu entwickeln. Wo unsere Hände und Arme zu kurz sind, können wir kontrollierte Greifer bauen. Autos und Flugzeuge sind Verstärker unserer Beine; denn sie tragen uns an Orte, die wir allein mit unserer Muskelkraft nie erreichen würden. Mit Hilfe ihrer Zusätze konnte der Mensch bald die Rolle des reinen Räubers aufgeben. Er entwickelte ein Leben, das auf landwirtschaftlich Arbeit basiert und das wir heute Zivilisation nennen.



Insgesamt gesehen war die Zivilisation ein Segen. Sie ermöglichte uns diverse Spezialisierungen. Nun gab es Bauern, Schmiede, Ärzte usw. Andererseits brachte die Zivilisation auch Probleme mit sich. Mit fortschreitender Entwicklung mußten die Menschen exakter als vorher ihr Eigentum bestimmen. Die Bauern am Nil kämpften beispielsweise um jeden Quadratzentimeter Nutzland und kannten ihre Grenzen genau, weil sie ihre und des Nachbarn Produktivität kannten. Händler wußten bis auf das letzte Gramm über ihr Inventar Bescheid. Bankiers waren gut beraten, sich über ihre Geldvorräte im klaren zu sein, wenn sie nicht Geld verlieren wollten. Auf etwas andere Ebene lief vergleichbares bei den Priestern ab: Sie waren nur dann in der Lage, aus den Gestirnen Voraussagen abzulesen, wenn sie feststellen konnten, welche Strecke der Mars oder der Mond in einer bestimmten Zeiteinheit zurückgelegt hatte. Geistige Anstrengungen solcherart war sehr viel mehr als der menschliche Verstand bis dahin hatte leisten müssen. Für einen Cro-Magnon-Menschen war vermutlich alles über zehn einfach "viele". (Noch heute gibt es in Südamerika Stämme, die für Zahlen über fünf keine Worte haben.) Und viele Jahrhunderte lang reichte diese simple Arithmetik völlig aus.



Eine zivilisierte Gesellschaft aber benötigt eine weit raffiniertere Methode, mit Zahlen umzugehen. Daher mußten die Menschen nicht ihren Körper verändern (um 123 mal 453 zu rechnen bräuchte man einfach zu viele Finger) bzw. den veränderten Gegebenheiten anpassen, sondern ihren Verstand. Die Kräfte zur Informationsverarbeitung mußten gestärkt werden! So wurden die ersten Computer entwickelt, um die begrenzten Möglichkeiten unseres Gehirns zu erweitern. Mehrere Zivilisationen operierten schon früh mit einfachen Rechengeräten, das bekannteste ist wohl der berühmte Abakus, ein Rechenbrett, das lange Zeit an Schnelligkeit und Genauigkeit unübertroffen war, wenn es ein geübter Meister bediente.



Gleichwohl blieb Rechnen eine zeitraubende Angelegenheit. Außerdem erhöhte sich mit der Länge und Schwierigkeit des Rechenschritts die Wahrscheinlichkeit, daß sich ein Fehler einschlich. Der Bedarf an einer schnelleren Rechenweise war also vorhanden, besonders die Mathematiker sehnten sich nach Gerätschaften, die die einfachen Rechenvorgänge erledigten, da sich ihre Wissenschaft schneller weiterentwickelte als die Technik der Zahlenbeherrschung. In der Renaissance wurde das Problem durch die Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Algebra, Geometrie und Zahlentheorie akut. Gab es denn nicht vielleicht einen Weg, die lästigen Qualen der Rechenarbeit zu umgehen? Es war eine Lösung in Sicht; denn die Renaissance war auch das Zeitalter der Maschinen. Und so wurden immer kompliziertere Maschinen entwickelt die dem Menschen das Rechnen abnahmen. Die Geschichte geht vom dampfgetriebenen Monster über Vakuumröhrenrechner bis zu heutigen Taschenrechnern und Computern.

Es scheint, als folge der Fortschritt in der Computertechnologie von den ersten Anfängen seit Pascal und Schickard bis zu ENIAC einem bestimmten Muster: Computer haben sich nach dem Lamarckschen[1] Prinzip entwickelt. Ohne daß man damals auch nur im entferntesten an Computer dachte, ist mit dem Lamarckismus unbewußt ein Modell der Computerevolution entwickelt worden: Jede neue Generation von Computern hat eine Reihe erworbener Züge der Vorgeneration übernommen. Natürlich tun Computer dies nicht bewußt, aber ansonsten paßt das Lamarksche Modell hervorragend. Und diese Entwicklung markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.



Bis heute haben sich unser Geist und Körper in dem von Darwin beschriebenen Muster weiterentwickelt: ein langer, langsamer Prozeß voller überraschender Ereignisse, die sich nicht sonderlich systematisch aneinanderreihen. Es braucht eine lange Zeit, ehe bei einer Art Variationen auf natürliche Weise erscheinen, und noch länger dauert es, bis sich herausstellt, ob diese Variationen zum Vorteil oder Nachteil der Art ausfallen. Heute aber entwickelt sich ein Teil von uns - der Hirnfortsatz, den wir uns geschaffen haben, auch Computer genannt - viel schneller und weniger zufällig als bisher.



An diesem Punkt gehen wir davon aus, daß die Evolution der Computer Teil unserer eigenen Evolution als Tierart ist. Nicht alle Biologen und Anthropologen würden damit übereinstimmen. Natürlich kann man dieser These entgegenhalten, daß die Weiterentwicklung eines Werkzeugs etwas anderes ist als die Weiterentwicklung des Tiers, das dieses Werkzeug benutzt - ebenso wie ein Hammer eben kein Mensch ist. Aber im gleichen Atemzug sprechen Wissenschaftler von Evolutionsschritten, wenn niedere Arten der Primaten mit Werkzeugen entdeckt werden. Wie schon erwähnt, haben Schimpansen Zweige vom Baum abgebrochen, um damit Insekten aus Verstecken herauszustochern. Würde morgen ein Schimpanse auftauchen, der mit einem selbstgefertigten Steinhammer daherkäme, dann würde wohl die gesamte wissenschaftliche Gemeinde die Entwicklung dieses Hammers als ein Zeichen der Weiterentwicklung des Schimpansen selbst verstehen.





6 Zusammenfassung & Ausblicke



Trotz vielfacher Versuche des Menschen, seine eigene intellektuelle Leistungsfähigkeit zu definieren, gibt es heute weder ein Schema noch ein Naturgesetz, nach dessen Regeln Intelligenz gemessen werden kann. Der Begriff Intelligenz ist schwer (er)faßbar und läßt sich nicht einfach nach bestimmten Normen und Werten festlegen. In den meisten Fällen wird er im Kontext von rein subjektiv empfundenen Verhaltensmustern verwendet.



Vor diesem Hintergrund schickt sich eine Wissenschaft an, Intelligenz mit Hilfe von Computern zu simulieren - Künstliche Intelligenz (KI).



Wenn wir im täglichen Leben jemanden als intelligent bezeichnen, so umschreiben wir damit Eigenschaften wie

... hat eine gute bzw. schnelle Auffassungsgabe,

... weiß sich bestimmten Gelegenheiten schnell anzupassen,

... findet sich in jeder Situation zurecht oder

... erkennt Zusammenhänge und weiß sie zu deuten.



Intuition, Bildungsgrad sowie eine gewisse Begabung spielen für solche Fähigkeiten sicherlich eine Rolle. Jedoch beruhen sie letztlich alle auf dem Vorhandensein von Wissen, welches es dem Betreffenden erlaubt, Eindrücke gezielt zu interpretieren. Auf der Basis eines breiten und fundierten Wissenstandes läßt sich für den Menschen eine Liste von Attributen angeben, welche Intelligenz voraussetzen:



Geistige Grundhaltungen (Glauben, Wünsche, Absichten);
Fähigkeiten, komplexe Probleme in überschaubare Aufgaben zu zerlegen;
Erkennen von Zusammenhängen und Ableiten neuer Fakten;
Verstehen von unvollständigen und mehrdeutigen Sachverhalten;
Vorhersagen von erwarteten Aktionen;
Bewertendes Vergleichen von Alternativen;
Bewußtsein über die eigenen Grenzen;
Fähigkeit zu Generalisierung und Abstraktion;
Wahrnehmen und Verifizieren von visuellen Sinneseindrücken;
Wissensaufnahme und -bereicherung (Lernen);
Fähigkeit zur Kommunikation (Sprache, Gestik, Mimik usw.).


Die KI schickt sich nun dazu an, dies durch Computer zu simulieren. Dazu muß Intelligenz als etwas Abstraktes gesehen werden, losgelöst vom menschlichen Gehirn und biochemischen Reaktionen.



Das Thema, Intelligenz im Allgemeinen und Künstliche Intelligenz im Speziellen, ist eine faszinierende Angelegenheit; denn es verbindet so viele Gebiete wie Paläontologie, Anthropologie, Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, Informatik und Philosophie und stellt eigentlich auch nur einen Versuch dar, die Frage "Woher kommen wir - wohin gehen wir?" zu beantworten.



Heute ist also der siebte Tag, um wieder zur Schöpfungsgeschichte zurückzukehren, und Gott ruht sich von seiner Arbeit aus. Ich bin nun wirklich auf die nächste Woche gespannt.

 
 





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