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philosophie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Leben

Individualisierung und selbstbestimmtheit als moderner lebensstil



(Baacke / Becher) Jugend ist zur Aufgrund ihrer Zahl und ihrer Kaufkraft Modemacht geworden. Sie ist auch Trendsetter: was Töchter und Söhne tragen, regt oft Mütter und Väter an, führt sie zur Nachahmung. In der Mode ist der Vorgang retroaktiver Sozalisation (nicht: Ältere führen jüngere in die Welt ein, sondern umgekehrt) besonders Aktiv und vehement. Weiter: Jugendmode ist ein Spielfeld für Orgiginalität für alle.
Stil und Mode hängen zusammen. Ihre gemeinsame Leistung ist die Entdeckung und Förderung der Individualität. Heranwachsende suchen sich einen Lebensstil, der zu ihrer Persönlichkeit passt. Da die Persönlichkei erst im Begriff ist, sich zu festigen, ist die Wahl eines Lebensstils nicht unbedingt eine Entscheidung für längere Zeit. Zu unterstreichen ist aber, daß so eben gerade Jugenliche ihren eigenen, persönlichen Lebensstil wählen, bzw. zumindest suchen.
Dieses selbstständige suchen und ausprobieren von verschiedenen Lebensstilen oder auch Trends oder Moden war bis in die 68er der Jugend oder Künstlern vorbehalten. Bis in die fünfziger- sechziger Jahre hinein war der neue Wohlstand und der damit verbundene Konsum ein hohes Ziel, für das es sich lohnte seine ganze Arbeitskraft in seinen Dienst zu stellen. Schon vor 1968 fragten sich nicht nur Studenten ob es nicht wichtiger wäre ein erfülltes Leben, persönliche Entfaltung und solidarische Tugenden anzustreben. Erfülltes Leben - das hieß für die meisten Menschen: ein selbstbestimmtes Leben. Wichtiger als religiöse Orientierung aber auch berufliche Motive ist der Bereich der Freizeit und des Privatlebens geworden, welcher am ehesten nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden kann. Für junge Menschen unvorstellbar ist wohl auch die Zunahme der Selbstbestimmung der Frauen. Berufstätigkeit und veränderte Wertvorstellungen der Gesellschaft ermöglichen die Unabhängigkeit und bei Bedarf die Trennung vom Mann. Aber auch die Selbstbestimmtheit der Männer nahm zu, immer mehr konnten sich Kinder gegen die Erwartungen und Vorstellungen ihrer Elten durchsetzen; dies nicht zuletzt deshalb, weil Einkommenssicherung im Alter voll und ganz vom Staat übernommen wurde.

Früher legte der \"Erfolgsmensch\" seine Jugendlichkeit ab. Es zählte ein fester Lebenspartner und die zugehörige glückliche Familie. Der Beruf (des Mannes) mußte Verantwortung und Geltung mit sich bringen und finanzielle Sicherheit schaffen. Ein Ausscheiden aus dem Beruf war nur aufgrund eigenem, groben Versagen denkbar. Kurzum: Es zählt die Seriosität.

Heute nimmt der \"Erfolsmensch\" familiäre Bindungen weniger wichtig. Die Partnerwahl erfolgt nicht mehr unbedingt für das ganze Leben, wenn eine feste Beziehung nicht sowieso generell in Frage gestellt wird. Weiter wird die Enttabuisierung des Sexualverhaltens und Formen der Zärtlichkeit von Jugendlichen übernommen. Der Arbeitsplatz ist auch bei erfolgreicher Erfüllung der Position nicht mehr sicher. Die geforderte Tugend lautet: Mobilität und Flexibilität.
Die fortschreitende Technisierung des Alltags fordert eine weitere jugendliche Eigenschaft von allen Mitgliedern der Gesellschaft ein: Die Fähigkeit und der Wille ständig zu lernen und sich auf einmal gelerntes nicht zu verlassen. Als Beispiel sei nicht nur der Computer auf dem Schreibtisch, sondern auch moderne Fahrkartenautomaten, Viedeorecorder und Automobile genannt.

Die sogenannte O68er-Generation, mit ihren im Vergleich zur Vorher-Generation auffällig anderen Werten, wuchs mit den Jahren zu einer starken Bevölkerungs- und auch Konsumentenschicht heran. Damit bilden sie eine wertebildende Gruppe in der Gesamtgesellschaft. Sie werden nicht mehr unbedingt als die Nachfolge-Generation wahrgenommen, weil sie entweder keine Jugendlichen mehr sind oder weil sie als Konsumenten genauso umworben und ernst genommen werden, wie die Erwachsenen. Der Wertewandel der (ehemals) Jugendlichen wächst zum allgemeinen Wertewandel heran. Auch so kann jugendlicher Lebensstil oder zumindest jugendliche Wertvorstellungen vom sogenannten modernen Lebensstil übernommen werden. Durch das \"In-Sein\" von Jugendlichkeit wird diese Übernahme natürlich gefördert.

 
 

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