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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Theodor fontane - effi briest kapitelintepretation / inhaltsangabe (24. - 36.)


1. Drama
2. Liebe



1. Einleitung Unsere Hausarbeit war über den Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane, dessen Inhalt auf einer wahren Begebenheit beruht. Die zentrale Thematik des Buches ist ein Ehebruch, durch den letzten Endes die ganze Familie zerbricht. Das Thema meiner Hausarbeit waren die Interpretationen der Kapitel 24 bis 36. Am Anfang war ich von diesem Thema überhaupt nicht begeistert, doch ich muss sagen, dass es mir, je mehr ich mich damit beschäftigt habe, immes besser gefallen hat und ich auch mehr Ideen hatte, wie ich meine Hausarbeit aufbauen und gestalten kann. Theodor Fontane "Effi Briest" 2.

     Inhaltsangabe Theodor Fontane hat seinen Roman Effi Briest nach dem Vorbild einer wahren Geschichte geschrieben. Sein Werk ist die Geschichte eines Ehedramas. Die Hauptperson, Effi Briest, wird im Alter von 17 Jahren mit Baron von Innstetten verheiratet, einem Mann, der deutlich älter ist als sie und zudem ein früherer Verehrer ihrer Mutter. Er ist Landrat, hat somit beruflich eine gute Stellung, was ihn nach Meinung der Eltern zu einer guten Partie für ihre Tochter macht. Sein Ehrgeiz und sein Streben nach beruflicher Anerkennung machen ihn zu einem kompletten Gegensatz zu Effi, der im Leben andere Dinge wichtiger sind. Dies übersieht Innstetten allerdings, da für ihn die Karriere an erster Stelle steht.

     Zunächst leben sie zusammen in Kessin, doch Effi fühlt sich dort überhaupt nicht wohl, da sie kaum Kontakt zur Kessiner Gesellschaft hat. Ihre Ehe wird für kurze Zeit besser, als Effi ein Mädchen zur Welt bringt, da sie sich durch das Kind nicht mehr so einsam und allein fühlt, außerdem hat sie eine neue, erfüllende Aufgabe. Doch als ihr Major Crampas den Hof macht, sich ganz als echter Gentleman gibt, und sich um sie bemüht, wird sie schwach und lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein. Dann wird Geert von Innstetten aus beruflichen Gründen nach Berlin versetzt und es scheint sich alles zum Guten zu wenden. Effi hat in Berlin mehr Freude am Leben, sie langweilt sich nicht mehr so sehr und hat mehr Kontakte. Doch dann kommt die Wende, als Annie eines Tages stürzt und sich dabei verletzt; später findet Innstetten auf der Suche nach Verbandszeug alte Briefe in einem Nähtisch und das Bild von einer intakten Familie zerbricht, denn die Briefe sind von Major Crampas an Effi.

     Innstetten spricht noch mit einem Freund über dieses Ereignis, lässt aber, wie es zu dieser Zeit üblich war, eine Duellforderung an den Liebhaber seiner Frau überbringen, um seine Ehre zu retten. In diesem Duell tötet er Crampas. Die Ehe wird geschieden. Effi, die zu diesem Zeitpunkt auf Kur ist, erfährt aus einem Brief von ihren Eltern aus Hohen-Cremmen, was vorgefallen ist. Als geschiedene Frau bekommt sie von ihren Eltern finanzielle Unterstützung und lebt zunächst in einem kleinen Pensionat, später allein in einer kleinen Wohnung in Berlin. Dann kommt Roswitha, eine ehemalige Angestellte, zu ihr, um ihr im Haushalt zu helfen und ihr Gesellschaft zu leisten.

     Sie unterstützt Effi auch im Kampf um ein Besuchsrecht für deren Tochter Annie. Auf Rat des Arztes nehmen die Eltern Effi wieder daheim, in Hohen-Cremmen, auf. Der Besuch ihrer Tochter wird für Effi zu einer Katastrophe und es geht ihr immer schlechter. Sie wird schließlich krank und stirbt am Ende, mit allen versöhnt, in ihrem einzigen wirklichen Zuhause Hohen-Cremmen. 24. Kapitel Der Neuanfang Das 24.

     Kapitel von Theodor Fontane`s "Effi Briest" ist das längste im ganzen Roman. Es kann in drei Teile gegliedert werden und beschreibt Effis Leben nach der Zeit in Kessin. Zunächst wird kurz der Neuanfang in Berlin beschrieben, anschließend von der Urlaubsreise nach Rügen und Dänemark und schließlich von dem Resturlaub in Hohen-Cremmen, wo Effi ein bisschen länger bleibt als ihr Mann Innstetten. Innstetten kommt einige Tage später als seine Frau in Berlin an. Effi, ihre Mutter und ihr Vetter holen ihn vom Bahnhof ab und besichtigen daraufhin die neue Wohnung. Innstetten und Effi unterhalten sich beim Abendessen über die Kessiner Zeit, die Gesellschaft und die Stadt.

     In der neuen Wohnung haben sie weniger Luxus. Die Wohnung ist kleiner und von dem Personal sind nur Johanna und Roswitha mit nach Berlin gekommen. Effi fühlt sich in Berlin allgemein wohler und ist glücklicher, als zu der Zeit in Kessin. Dann planen sie einen Urlaub und lernen auf der Reise die Familie von Penz kennen, von denen sie später auch eine Einladung zu einem Besuch erhalten werden, die sie auch annehmen. Auf der Heimreise verbringen sie noch ein paar Tage in Hohen-Cremmen und fahren erst dann wieder nach Berlin zurück. Die Eltern machen sich Sorgen um ihre Tochter und Effi quält ein schlechtes Gewissen.

     Dann gehen sie gemeinsam in die "neue (...) Wohnung in der Keithstraße" (S.202/Z.5ff.

    ). Innstetten lobt Effi und spricht "seine Freude darüber aus" (S.202/Z.15f.). Mit dem Einwand "kein Haifisch, kein Krokodil und hoffentlich auch kein Spuk" (S.

    202/Z.7f.) will er andeuten, dass nun eine neue Zeit anbricht. Effi reagiert darauf mit einer zuversichtlichen Antwort: "Nein. Geert, damit ist es nun vorbei. (.

    ..) ich fürchte mich nicht mehr und will auch besser sein als früher und dir mehr zu Willen leben" (S.202/Z.8ff.).

     So scheint sich doch noch alles zum Guten zu wenden, als sie auch beim Abendessen mit einem "Glas Wein (...) auf glückliche Tage" (S.202/Z.26f.

    ) anstoßen. Es wird der Eindruck vermittelt, als habe sie ihre Vergangenheit hinter sich gelassen. Sie zeigt sich viel unbeschwerter und fröhlicher. Bei einem Spaziergang gehen sie an einem Gartenhäuschen vorbei; nach Innstettens Meinung gibt es aber auch in diesem Gartenhäuschen "Belvedere" (S.206/Z.24) einen Spuk, was ihn dazu bringt, von dem Chinesen aus Kessiner Zeit zu erzählen.

     So berichtet er dann seiner Frau von dem Chinesenbildchen, das Johanna, die neben Roswitha vom Kessiner Hausstand mit nach Berlin gekommen ist, mitgebracht hat. Dadurch werden wieder alte Erinnerungen an die Kessiner Zeit und den Spul wach und ein Stückchen Vergangenheit kommt schon jetzt wieder zurück. Als sich Innstetten und Effi über die Leute in Kessin unterhalten, erzählt ihr Innstetten von "Frau Paddens Bemerkungen über sie"1, die bei ihr Betroffenheit auslösen, da sie sich darüber im Klaren ist, kein "Lämmchen weiß wie schnee" (S.203/Z.18) zu sein. Durch dieses Zitat wird Effi erneut als Opfer dargestellt, "denn das Lamm ist das biblische Opfertier"2 schlechthin "und daher das Sinnbild Christi"3.

     Außerdem stellt Effi "eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Nero und Titus" (S.206/Z.15f.), "einem der moralischsten und einem der moralisch korruptesten römischen Kaiser"4, fest und das auch noch an einer "eminenten Stätte preußischer Tradition, dem Charlottenburger Schloß"5. Das soll vermutlich auch Effi`s Zwiespalt symbolisieren: Auf der einen Seite will sie ihre Aufgabe und die damit an sie gestellten Erwartungen der Gesellschaft erfüllen, eine treue Ehefrau und fürsorgliche Mutter sein, auf der anderen Seite ist für sie jedoch der Reiz des Verbotenen, das Bedürfnis nach einer Flucht aus der Eintönigkeit des Alltags und vor allen Dingen ist in ihr, wahrscheinlich als Hauptgrund, die Suche nach Zärtlichkeit und Leidenschaft, die sie so vermisst, denn Innstetten "hatte so was Fremdes und fremd war er auch in seiner Zärtlichkeit" (S.215/Z.

    1f.). Effi muss sogar zugeben, dass es "Zeiten gegeben [hat], wo sie [sich]davor fürchtete" (S.215/Z.2). Dann kommt ein Zeitsprung und der Leser erfährt von der vierwöchigen Reise des Paares in den Norden.

     Während der Reise des Paares bleibt die gemeinsame Tochter Annie mit der Angestellten Roswitha in Hohen-Cremmen zurück. Zuerst fahren Innstetten und Effi Mitte August nach Rügen und später nach Dänemark. Das erste Ziel der Reise ist somit Rügen, weil man die Pläne zu den Oberammergauer Spielen zu verwerfen musste, da Innstetten aus beruflichen Gründen den geplanten Termin nicht einhalten konnte und es dann zu spät war, um rechtzeitig zu den Spielen anzukommen. Die erste Hochzeitsreise in den sinnlichen Süden "wurde (...

    ) damals für Effi (...) durch Innstettens Trockenheit und Nüchternheit zu einer Qual, so 1 Grawe Christian, GRUNDLAGEN UND GEDANKEN ZUM VERSTÄNDNIS ERZÄHLENDER LITERATUR, Diesterweg, 7. Auflage 1998, S. 852 ders.

    , S. 85 3 ders., S.85 4 ders., S. 85 5 ders.

    , S. 85 glaubt sie nun im nüchternen Norden den Süden zu finden"6. Dies wird mit ihrem Ausruf: "Ach, Geert, das ist ja Capri, das ist ja Sorrent" (S.208/Z.14) deutlich. So ist also für Effi diese Reise so etwas wie die zweiten Flitterwochen.

     Für sie scheint die Zeit rückwärts zu laufen und mit dem Neuanfang in Berlin auch die Ehe noch einmal neu anzufangen. Damit gibt sie sich selbst eine zweite Chance nun ihr Ideal von der treuen Ehefrau zu verkörpern und so ihr Gewissen zu beruhigen. Dass eine Flucht vor der Vergangenheit allerdings unmöglich ist, wird ihr wieder bewusst, als sie auf der Suche nach einer Wohnung in einem Hotel am Ende eines Weges, "der schluchtartig auf das Meer zulief" (S.208/Z.28), auf ein Dörfchen mit dem Namen "Crampas" (S.209/Z.

    13) stößt. "Effi glaubt[]nicht recht gehört zu haben" (S.209/Z.14), sie ist darüber so erschrocken und beunruhigt, dass sie ihrem Mann den Namen des Ortes verschweigt, ihm stattdessen nur sagt, dass keine Wohnung mehr zu finden sei und darauf drängt weiter nach Dänemark zu reisen. Diese Stelle erinnert auch an eine Szene aus der Kessiner Zeit, in der "ein schmaler Fußsteig auf die Dünen und das am Strand gelegene Hotel zulief" (S.107/Z.

    6f.). Effi hat dort "ein Glas Sherry" (S.107/Z.29f.) getrunken und ihr sind Jahnkes Worte über den Norden in den Sinn gekommen.

     "Und im selben Augenblicke erfasste sie eine Sehnsucht das alles zu sehen" (S.107/Z.29f.), obwohl sie weiß, "dass dort das Stockholmer Blutbad stattgefunden hat"7. Sie ist nun also auf dem Weg dorthin, trinkt wieder Sherry, aber anstatt die erfüllte Sehnsucht genießen zu können, wird sie an ihren Ehebruch erinnert. Noch am selben Tag gehen sie dann zu der heidnischen Opferstätte am Herthasee, wo auch ein Blutbad stattgefunden hat, woran "die Opfersteine"(S.

    210/Z.31ff.) erinnern. Diese Szene ist ein weiterer Mosaikstein im Puzzle des Opfermotivs. Innstetten ist zwar "ohne Wissen und Ahnung dessen, was in ihr vor[geht], [sieht aber]doch deutlich, dass es ihr an aller Lust und Freude gebrach"(S.210/Z.

    31ff.). Effi will weiter, weil sie sich "nach etwas Vergnüglichem" (S.211/Z.19f.) sehnt.

     Innstetten ist einverstanden und stimmt ihr zu, denn "es war wirklich alles schwermütig, so schön es war" (S.211/Z.24f.). Also reisen sie weiter nach Kopenhagen. Auf dem Weg dorthin lernen sie Familie von Penz kennen, von deren "bildschöne[r]Tochter, Thora von Penz" (S.

    211/Z.33f.), die Innstettens beeindruckt sind. Auf der Rückreise wollen sie noch einmal nach Hohen-Cremmen und nehmen auch die Einladung der Familie von Penz an. In Hohen-Cremmen bleibt Effi dann mit Roswitha und Annie noch ein paar Tage länger, während Innstetten schon wieder zurück nach Berlin reist. Doch auch dort kommt 6 Grawe, a.

    a.O., S. 85 7 Grawe, a.a.O.

    , S. 85 Effi nicht zur Ruhe "darauf deuten schon die Bilder in ihrem Zimmer, die preußische Siege verherrlichen, hin"8. Neben diesen symbolischen Zeichen "gibt Fontane nun zum ersten Mal einen direkten Einblick"9 in Effis Seele. Sie ist beunruhigt, weil sie die Affäre nicht wirklich bereut, sonden sich stattdessen mehr dafür schämt, dass sie den anderen etwas vorspielt und Angst hat, dass doch noch alles auffliegen könnte. Es wird auch deutlich, "dass die gesellschaftliche Verpflichtung keine moralische Kraft hat"10, denn sie hat mehr Angst vor den Konsequenzen, davor, dass die Komödie auffliegen könnte, als dass sie ein schlechtes Gewissen quält. In ihrem Monolog setzt sie sich mit der Aufgabe und Stellung der Frau auseinander, die typisch für das ausklingende 19.

     Jahrhundert dargestellt wird, "sie verdrängt die Sexualität und verbindet sie mit dem Teufel, macht also ein moralisches Problem daraus"11. Zu keinem anderen Zeitpunkt des Buches wird Effis Streben und Verlangen den Wünschen und Maßstäben der Gesellschaft zu entsprechen gleichzeitig so deutlich als "Unterdrücken des natürlichen Menschen", als Verzichten auf ihre eigenen Bedürfnisse, das Verwirklichen ihrer eigenen Träume und Pläne und das Streben nach ihren eigenen Zielen beschrieben, wie an dieser Stelle. Dass sie das Natürliche nicht einfach unterdrücken oder ignorieren kann, "zeigt sich in den Stimmen, die Effi in der Natur hört"12. Ihr ist es, "wie wenn es regnete" (S.219/Z.4), und sie könnte dabei nass werden; das ist eine "Variante des Sündenmotivs"13.

     Es sind aber nur die Platanen, die im Garten von Vater Briest rauschen, sie deuten Effis Tod voraus und sind ein weiteres Symbol für Effis Gefühle. "Die verführerischen Stimmen der Natur haben sich zu Rufen aus dem Jenseits gewandelt"14. In diesem Kapitel findet auch das längste Gespräch zwischen Effis Eltern statt. Sie sprechen über Effi und benutzen dabei die Symbolik des Wassers, um ihre Tochter zu beschreiben: "Sie lässt sich gern treiben, und wenn die Welle gut ist, dann ist sie auch selber gut" (S.215/Z.23f.

    ). Sie machen sich Gedanken darüber, ob Effi Innstetten wirklich liebe und sich wohl fühle, ob es ihr gut gehe, denn "sie hat doch Mann und Kind (...), aber dabei tut sie, als wäre Hohen-Cremmen immer noch die Hauptsache für sie" (S.213/Z.

    25ff.). Briest "ängstigt [das] ein bisschen" (S.213/Z.28f.), daran sieht man, dass er sich Sorgen macht, als er sagt: "Sie ist eine prächtige Tochter, aber sie ist es mir zu sehr" (S.

    213/Z.28f.). Er befürchtet möglicherweise, dass Effi noch zu sehr Kind ist, um Ehefrau und Mutter zu sein und eine solche 8 Grawe, a.a.O.

    , S. 85 9 Grawe, a.a.O., S. 8510 Grawe, a.

    a.O., S.85 11 Grawe, a.a.O.

    , S.86 12 Grawe, a.a.O., S. 86 13 Grawe, a.

    a.O., S.86 14 Grawe, a.a.O.

    , S.86 Verantwortung zu übernehmen. Er denkt, dass sie sich damit überfordert und sich in Berlin auch nicht wie zu Hause fühlt, außerdem zweifelt er an ihrer Liebe zu Innstetten, "von Anfang an war [ihm] so, als ob sie ihn mehr schätze als liebe" (S.213/Z.34f.).

     Er zweifelt auch an der Beständigkeit der Beziehung, denn "Liebe hält auch nicht immer vor, aber Schätzung gewiss nicht" (S.213/Z.36f.). Briest befürchtet, Effi könnte sich "dann langweilen" (S.214/Z.

    2). Auch Frau von Briest räumt ein, dass es für Effi auch "Zeiten gegeben [hat], wo [sie sich] vor Zärtlichkeiten [von Innstetten] fürchtete" (S.215/Z.3), doch sie will nicht weiter darüber reden, denn sie haben schon ein "dutzendmal" (S.214/Z.18) darüber gesprochen, aber "Das Eigentliche bleibt doch zurück" (S.

    214/Z.18). Sie können nur mutmaßen, wie es weitergehen wird und sich mit dem zufrieden geben, was Effi ihnen erzählt, denn alles wissen sie ohnehin nicht. Die Eltern wollen sich auch keine weiteren Gedanken mehr machen, denn sie erinnern sich an Effis Worte: "es geht jetzt besser" (S.214/Z.36).

     So glauben sie daran und hoffen, dass es wirklich so ist und ihrer Tochter mit ihrer eigenen Familie glücklich wird. Vor allem dem Dialog der Eltern kann man schon entnehmen, dass sie keineswegs das Gefühl haben, dass alles in Ordnung sei. Die Eltern lieben ihre Tochter, zudem sie das einzige Kind ist. Sie kennen Effi sehr gut, auch gut genug um zu bemerken, dass etwas nicht stimmt und sie sich nicht wirklich geborgen fühlt. Sie scheint etwas zu suchen, zu vermissen. Die Eltern sind keineswegs zu unsensibel um das zu bemerken, sie machen sich zwar ihre Gedanken und fragen sich eigentlich schon jetzt, ob die frühe Heirat richtig war.

     Man kann also sagen, dass bereits hier erste Zweifel an der Zukunft des Paares aufgekommen sind und die Eltern sich schon hier zum ersten mal indirekt die Frage stellen, ob man die Entscheidung der Hochzeit nicht etwas unterstützt hat. 25. Kapitel Bleibt Annie ein Einzelkind? Im 25. Kapitel von Theodor Fontane`s "Effi Briest" sind das gesellschaftliche Leben in Kessin und die Frage, ob Annie ein Einzelkind bleibt, die zentralen Aspekte. Das Kapitel beginnt damit, dass Innstetten, gemeinsam mit Rollo, Effi vom Bahnhof abholt, als sie an ihrem Hochzeitstag wieder zurück in Berlin ist. Nun soll für das Paar in der neuen Stadt ein neues Leben beginnen.

     Effi fühlt sich in Berlin wohler und nimmt mehr am gesellschaftlichen Leben teil. Weil Annie das einzige Kind zu bleiben scheint, wird Effi auf eine Kur geschickt. Im zweiten Abschnitt erfährt der Leser dann, dass Innstetten nun "ernsthaft gewillt [ist], auf das stille Leben, das er in seiner landrätlichen Stellung geführt [hat], ein gesellschaftlich angeregtes folgen zu lasse, um seinet- und noch mehr um Effis willen" (s.220/Z.14ff.).

     Er hat also auch bemerkt, dass sich Effi nach Abwechslung sehnt und will verhindern, dass sie sich langweilt. Statt Monotonie will er mehr Besuch empfangen, sie so mehr in das gesellschaftliche Leben einbinden und ihr mehr die Möglichkeit geben, soziale Kontakte zu knüpfen. Er bemüht sich also schon um seine Frau und will ihr nun ein schönes, sorgloses Leben bieten können, da er wusste, dass sie sich in Kessin nicht so wohl gefühlt und sich lieber für "Einsiedlertum" entschieden hat, weil ihr die Menschen dort nicht sympathisch waren. Effis "Beängstigungen" (S.221/Z.25) wegen der Vergangenheit wurden nun seltener, sie macht sich weniger Gedanken und Vorwürfe.

     Den Grund dafür konnte man "bei der Art, wie sich ihr Leben gestaltete [aber]nicht wundernehmen" (S.221/Z.26f.), denn nicht nur Innstetten bemüht sich vielmehr um Effi, "auch ferner stehende Personen begegneten" (S.221/Z.28f.

    ) ihr mit mehr Offenheit und Freundlichkeit als zu Kessiner Zeit. Effi wird von der "Kaiserin" (S.221/Z.33) sogar als "Frau Geheimrätin (...

    ) ausgewählt und in die Zahl der Ehrendamen eingereiht" (S.221/Z.4f.). Ihr gesellschaftliches Bemühen wirkt sich zudem positiv auf Innstettens Karriere aus. Auch ihre Eltern kommen nun öfter zu Besuch, doch ihre Ehe bleibt, bis auf Annie, kinderlos.

     Fontane benutzt dieses Zeichen auch in anderen Romanen dafür, dass in einer Ehe etwas nicht stimmt; z.B. geht Käthe von Sellenthin in "Irrungen, Wirrungen" aufgrund ihrer Kinderlosigkeit ebenfalls zur Kur. Mutter Briest ordnet daraufhin an, dass Doktor Rummschüttl, "der auf dem Gebiete der Gynäkologie nicht ganz ohne Ruf war" (S.222/Z.32f.

    ), Effi untersuchen soll. Er verordnet ihr auch wegen ihrer "katarrhalischen Affektionen" (S.222/Z.35) Heilbäder und eine Kur, zunächst in Bad Schwalbach, dann in Bad Ems, die sie zusammen mit Frau "Geheimrätin Zwicker" (S.223/Z.7f.

    ) antritt. Effi packt also mit Roswitha die Koffer. Diese ist die Einzige, mit der sie "frei und unbefangen" (S.223/Z.20) reden kann. Sie sprechen über Beichte, Gott und Schuldgefühle.

     Durch die Frage: "Hast du denn nie empfunden, dass es ein Glück ist, wenn man etwas auf der Seele hat, dass es runter kann?" (S.223/Z.30f.), die Effi Roswitha stellt, wird wieder deutlich, dass sie sich doch noch mit Schuldgefühlen quält und den Ehebruch nicht so einfach verdrängen kann. Mit diesem Dialog endet das 25. Kapitel und es wird wieder deutlich, dass die Eltern sich um ihre Tochter sorgen und das Gefühl haben, etwas sei nicht in Ordnung, denn die Ehe bleibt bis auf Annie ja auch kinderlos, deshalb schickt die Mutter Effi sogar zum Arzt.

     Auch Innstetten bemüht sich um seine Frau und will, dass es ihr gut geht. 26. Kapitel Annies verhängnisvoller Sturz Das 26. Kapitel des Buches "Effi Briest" von Theodor Fontane dreht sich im Wesentlichen um die Entdeckung der Affäre zwischen Effi und dem Major Crampas. In Berlin ist man mit den Vorbereitungen auf Effis Rückkehr aus der Kur beschäftigt. Dabei passiert es auch, dass Annie bei einem Wettrennen mit Roswitha vor der Treppe so unglücklich stürzt, dass sie eine blutende Wunde am Kopf davonträgt.

     Auf der Suche nach Verbandszeug, um die Wunde zu verarzten, brechen Roswitha und Johanna den Nähtisch auf, in dem das Bündel Briefe liegt, als Innstetten dann dazu kommt, bahnt sich die Katastrophe an. Effi ist am Anfang des Kapitels noch mit der Geheimrätin Zwicker auf Kur. Sie schreibt von dort aus "glückliche, beinahe übermütige Briefe" (S.224/Z.13f.) nach Hause.

     Dies zeigt die Verdrängung des Seitensprungs. Ihre Schuldgefühle scheinen in den Hintergrund zu treten; sie wird glücklicher und sieht in dem neuen Leben in Berlin auch für sich und ihre Ehe die Möglichkeit eines Neuanfangs. Sie möchte sich in ihrem neuen Leben in Berlin mehr bemühen glücklich zu werden. Die Familie freut sich bereits auf ihre Rückkehr. Annie geht mittlerweile in die Schule und Johanna und Roswitha teilen sich in einem "freundliche[n]Miteinander (..

    .)" (S.226/Z.15) die Aufgaben im Haushalt. Jede hat ihren eigenen Aufgabenbereich. Roswitha hat dabei die führende Rolle bei den Vorbereitungen zu Effi`s Heimkehr.

     Sie dekorieren gemeinsam die Wohnung und such ein Gedicht für Effi aus. Als Innstetten sich kritisch darüber äußert, beschließen sie, es der Lehrerin vorzulegen, die aber auch einverstanden ist. Als Annie von der Schule nach Hause kommt, will sie mit Roswitha ein "Wettrennen"(S.228/Z.11) machen und die Steine für die Katastrophe werden gelegt, denn Annie "geriet ins Stolpern" (S.228/Z.

    14) und stürzt auf den "Abkratzer (...) dicht an der Treppe" (S.228/Z.14), dabei verletzt sie sich und trägt eine blutende Wunde davon.

     Sie muss verarztet werden. Johanna und Roswitha brechen auf der Suche nach einem Verband den Nähtisch auf, dabei stoßen sie auf ein Bündel Briefe, das sie, ohne nachzudenken, einfach auf das Fensterbrett legen. Dann kommt Innstetten dazu, schaut sich Annie an, und stellt fest, dass es nicht so schlimm ist, lässt aber zur Sicherheit trotzdem nach Dr. Rummschüttl rufen. Innstetten tröstet Annie, gibt ihr die Anweisung auf den Arzt zu hören und sagt ihr: "so zerre nicht und rücke und drücke nicht [am Verband], dann heilt es schnell" (S.229/Z.

    27f.), das heißt, das Wunden schneller heilen, wenn man sie in Ruhe lässt und nicht noch weiter "Salz in die Wunde streut". Das kann man nun auch so sehen, dass es manchmal besser ist, Dinge nicht zu sehr zu hinterfragen, denn wenn sie schneller in Vergessenheit geraten, tun sie niemandem mehr weh, befasst man sich aber zu viel mit ihnen und denkt zu viel darüber nach, können sie nie ganz heilen. Innstetten weiß natürlich noch nicht, welche Bedeutung diese Worte in der Zukunft auf die Gesamtsituation und vor allem auf die Verletzung seiner Ehre haben werden, denn diese Worte bestätigen eigentlich die Theorie der Verjährung und dass Wunden, auch im übertragenen Sinn, die Wunden auf der Seele, mit der Zeit verheilen. So wäre möglicherweise auch die Verletzung der Familie durch Effis Seitensprung wieder geheilt, wenn Innstetten ihnen noch eine Chance gegeben hätte. Neben der Tatsache, dass es dem wirklichen Vorbild des Romans entspricht, dass die Hauptfigur, die Ehefrau, die ihren Mann betrügt, die Briefe ihres ehemaligen Liebhabers auch aufbewahrt hat, entspricht es durchaus Effis Wesen, so naiv und leichtsinnig zu sein, zu riskieren, dass die Briefe entdeckt werden, wie es dann auch tatsächlich passiert, was allerdings noch bedeutender ist als die realistische Ebene ist der Zusammenhang der Symbole.

     "Effis alte Schuld wird durch das Blut ihrer eigenen Tochter entdeckt, die mehr und mehr zur Tochterihres Vaters und damit zur Inkarnation preußischer Züge heranwächst und bezeichnenderweise den Rat ihrer Lehrerin für das Begrüßungsgedicht zur Heimkehr ihrer Mutter sucht"15. Zusammenfassend kann man sagen, dass in diesem Kapitel wieder die Schuldfrage aufgeworfen wird, denn der Leser bekommt zu bedenken, dass Effi durch ihren eigenen Leichtsinn, die Briefe nicht zu verbrennen, riskiert hat, dass Innstetten die ganze Geschichte erfährt, was schließlich auch passiert. Zudem weisen dieser jugendliche Leichtsinn und die Naivität auch darauf hin, dass sie noch nicht so erwachsen ist, möchliche Konsequenzen zu erkennen. 15 Grawe, a.a.O.

    , S.87 27. Kapitel Die Duellforderung Im 27. Kapitel von Theodor Fontanes "Effi Briest" stehen der entdeckte Ehebruch und die folgende Duellforderung, die nach einem ausführlichen Gespräch zwischen Innstetten und Wüllersdorf durch letzteren übertragen wird, im Mittelpunkt. Nachdem Dr. Rummschüttl bei Annie gewesen ist und sich ihr Zustand gebessert hat, fallen Innstetten beim Aufräumen des Nähtisches die Briefe in die Hand.

     Er erkennt sofort die Handschrift von Crampas, woraufhin er sich in sein Zimmer zurückzieht, um in Ruhe zu sehen, was es mit den Briefen auf sich hat. So erkennt er, dass Crampas die ganze Zeit mit seiner Frau in Kontakt gestanden ist und ein Verhältnis mit ihr hatte, denn in den Briefen ist sogar von Flucht die Rede. Innstetten ruft Wüllersdorf zu sich und fragt ihn um Rat, denn die beiden stehen auch privat in einem freundschaftlichen Verhältnis. So bittet Innstetten Wüllersdorf dann auch die Duellforderung zu überbringen und "in der Sache selbst [s]ein Sekundant zu sein" (S.233/Z.15f.

    ), er hofft also, dass sein Freund ihn nicht im Stich lässt, sondern ihm zur Seite steht. Wüllersdorfs naive Frage: "Muss es sein?" (S.233/Z.19f.) führt zu einer Diskussion darüber, ob ein Duell notwendig sei oder nicht. Es zeigt, dass Wüllersdorf nicht unbedingt dazu raten würde, denn schließlich liegt es schon einige Jahre zurück und könnte somit schon als Verjährung zählen.

     Doch Innstetten sieht sich dem gesellschaftlichen Druck unterworfen. Er fühlt sich diesem Ideal verpflichtet, um seiner Ehre willen zu kämpfen. Er glaubt, keine andere Wahl zu haben. Was als Grund dafür noch dazu kommt, ist nach Innstettens Meinung seine Offenbarung an Wüllersdorf, denn durch dieses Geständnis hat er die ganze Geschichte öffentlich gemacht, denn "was schwerer wiegt" (S.236/Z.13) als "mein [persönliches] Unglück ,[ist] der Fleck auf meiner Ehre" (s.

    236/Z.15f.), so sind seine Worte. Damit gibt er auch zu verstehen, eine andere Reaktion und der Verzicht auf eine Duellforderung wären unmöglich, wenn es keiner wüsste und somit seine Ehre und sein gesellschaftliches Ansehen nicht auf dem Spiel stehen würden. Dieses Streben nach Ehre geht soweit, nicht einmal seinem Freund Wüllersdorf zu vertrauen, der ihm verspricht zu schweigen. Doch Innstetten sieht seine Ehre selbst vor ihm verletzt, weil er zu bedenken gibt: "Ich bin, und dabei bleibt es, von diesem Augenblicke an ein Gegenstand ihrer Teilnahme" (S.

    236/Z.26f.), damit befürchtet er Mitleid und würde seine Ehre vor Wüllersdorf verlieren. Durch die Tatsache, sich Wüllersdorf anzuvertrauen, ihn zu seinem Mitwisser zu machen, hat er sein persönliches Problem zu einem gesellschaftlichen Problem gemacht und so muss sich natürlich auch die Lösungsstrategie, mit der man das Problem angeht, ändern. Würde man ein persönliches Problem lösen, geht man nach den eigenen Gefühlen, handelt es sich dagegen um ein gesellschaftliches Problem, so wird verlangt, dass man nach den Vorstellungen und Bedingungen der Gesellschaft handelt, es einfach so macht, "wie`s sich gehört". Der gesellschaftliche und private Bereich laufen sozusagen ineinander.

     Innstetten fängt sogar an, die Vaterschaft von Annie anzuzweifeln. Durch Innstetten`s Dialog mit Wüllersdorf und den späteren Gesprächen der beiden Männer wird Innstettens geistige Welt zeitweilig in das Zentrum des Romans gerückt und im Gegensatz zu Effi, deren Wesen und Persönlichkeit der Leser hauptsächlich aus dem symbolischen Zusammenhang erfährt, in den sie gestellt wird, "weil vor allem rational nicht zugängliche seelischen Schichten dargestellt werden müssen und sie auch gar nicht imstande wäre, sich zu artikulieren"16, sieht man Innstetten jetzt im Gegensatz dazu in einem argumentierenden Gespräch17. Innstetten ist total aufgewühlt und "unendlich glücklich" (S.234/Z.26). Er ist "gekränkt, schändlich hintergangen" (S.

    234/Z.27ff.), "aber ohne jedes Gefühl von Hass oder (...) Rache (S.

    234/Z.28f.); das und der Einwand "Ich liebe meine Frau (...) ich liebe sie noch" (S.

    234/Z.34f.) zeigen Innstettens eigentliche Haltung gegen das Duell und sein Wunsch lieber sein bisheriges Leben weiterzuführen und seiner Frau das Geschehene zu verzeihen, weil er sich darüber im Klaren ist, sein persönliches Glück zu zerstören, allerdings fragt das "tyrannisierende Gesellschafts-Etwas, (...) nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung.

     Ich habe keine Wahl. Ich muss." Diese immer kürzer werdenden Sätze in Innstettens Antwort auf Wüllersdorfs sinngemäß wiederholte Frage: "Wozu die ganze Geschichte?" (S.235/Z.9f.) bringen seine Entschlossenheit, das Duell wirklich zu fordern, zum Ausdruck.

     Er nimmt damit auch Wüllersdorfs Bedenken von möglicher Verjährung und der Liebe zu seiner Frau, den Wind aus den Segeln und entkräftigt sie so, indem er die Chance auf Vergebung gleich im Keim erstickt. Innstettens seelische Aufgewühltheit und Nervosität werden sowohl durch seine Sprache wie "Ich weiß nicht" (S.234/Z.20), als auch durch sein Verhalten "tippte voll nervöser Erregung 16 Grawe, a.a.O.

    , S. 87 17 Grawe, a.a.O., S. 87 an die Scheiben" (S.

    234/Z.22f.) deutlich. Er zeigt Unsicherheit und sucht Rat, indem er Wüllersdorf fragt: "Wie stehen Sie dazu?" (S.234/Z.11f.

    ) Und Wüllersdorf gibt nach dem Einwand "Unser Ehrenkultus ist ein Götzendienst, aber wir müssen uns ihm unterwerfen, solange der Götze gilt" eher klein bei, als dem Duell wirklich zuzustimmen. Er zeigt sich von den Argumenten von Innstetten nicht wirklich überzeugt, sondern resigniert vielmehr vor der Tatsache, dass die Gesellschaft über dem persönlichen Glück steht. Innstetten wird dabei als unsicherer Mensch gezeigt, der der strengen Anforderungen der Gesellschaft aus Pflichtgefühl und nicht aus persönlicher Überzeugung Folge leisten möchte. Innstetten verliert auf persönlicher Ebene, weil er die Affäre seiner Frau durch das Anvertrauen an Wüllersdorf von einem persönlichen zu einem gesellschaftlichen Problem gemacht hat. Innstetten gibt seiner Frau nicht einmal die Möglichkeit etwas zu ihrer Verteidigung zu sagen und er verzeiht ihr auch nicht aus Liebe. Er sieht in ihrem Ehebruch nur einen Angriff auf seine Ehre und sucht nicht nach möglichen seelischen Ursachen oder anderen Gründen.

     "Aber mit dieser Argumentation löste er im Grunde die private Sphäre auf und zeigt sich damit als typischer Vertreter seiner Zeit"18, die moralische Ehrlichkeit auf extremste Weise fordert. "Das Gesetz siegt in diesem Fall über die Liebe"19. So wird die hohe Stellung der Gesellschaft in diesem Kapitel besonders deutlich, denn Innstetten opfert selbst sein persönliches Glück für die Konventionen seiner Zeit. 18 Grawe, a.a.O.

    , S. 87 19 Grawe, a.a.O., S.87 28.

     Kapitel Das Duell Im 28. Kapitel findet das Duell zwischen den Gegenparteien Innstetten und Crampas aufgrund der Affäre zwischen dem Major und Innstettens Ehefrau Effi statt. Innstetten reist am Tag nach dem Gespräch mit Wüllersdorf nach Kessin. Am darauffolgenden Tag treffen die Gegenparteien Crampas und Innstetten aufeinander. Wüllersdorf hat in Kessin zusammen mit dem Begleiter von Crampas bereits die Vorbereitungen für das Duell getroffen. Als Ort des Duells legten sie eine Stelle zwischen den Dünen fest.

     Crampas wird bei dem Duell getötet, ohne seine letzten Worte beenden zu können. Wüllersdorf berichtet Innstetten von Crampas` Reaktion auf die Information vom Duell. Er sagt, Crampas habe auch die Nachricht zunächst "totenblaß" (S.239/Z.14), dann aber mit "wehmütige[r]Resignation" (s.239/Z.

    14) reagiert. Wüllersdorf ist auch davon überzeugt, Crampas habe das Gefühl "aus der Sache nicht heil herauszukommen, und will auch nicht" (S.239/Z.15). Er scheint nicht wirklich darum kämpfen zu wollen, vermutlich weil er sich seiner Schuld bewusst ist. Auf dem Weg zum Duell sprechen sie auch über Innstettens altes Haus, in dem er mit Effi gelebt hat.

     "Das Haus lag noch stiller da als früher" (S.240/Z.20). Es macht also einen verwahrlosten, "ziemlich vernachlässigten" (S.240/Z.21) Eindruck.

     Das Haus ist allein, so wie Innstetten es bald sein wird. Es stellt auch einen endgültigen Abschluss der gemeinsamen Vergangenheit dar, denn wenn sich keiner mehr darum kümmert, wird es immer mehr vernachlässigt, es gerät in Vergessenheit. Und "ziemlich vernachlässigt" (S.240/Z.24f.) hat sich auch Effi zur Zeit in Kessin gefühlt.

     "Und das Gefühl des Unheimlichen" (S.240/Z.22), das Effi zu Kessiner Zeit immer quälte, "überkam (...) ihn [nun] selbst" (S.

    240/Z.24f.). Das deutet seine Unsicherheit und den Zweifel an, das Richtige zu tun. Auch Wüllersdorf stellt fest, das Haus sei "öd und verlassen" (S.249/Z.

    27), dies beschreibt wiederum die Gefühle Effis in der Zeit, die sie in Kessin verbracht hat, und die zukünftigen Gefühle Innstettens, wenn er später ohne seine Familie sein wird. "Wie Innstetten auf der Urlaubsreise in den Norden Effi gegenüber vom Erfinder des Sauerstoffs berichtet, von dem das menschliche Leben abhängt, so spricht Wüllersdorf nun Innstetten gegenüber vom Stickstoff, der lebenszerstörenden Substanz für den Menschen"20. Damit will er vermutlich noch davor warnen, sein Leben durch das Duell zu zerstören, denn entweder ermordet er Crampas aus Rache und muss sich ein Leben lang mit den Schuldgefühlen quälen oder er wird verletzt und stirbt selbst im Duell, also kann er sozusagen nur verlieren und das Duell ist wie der Stickstoff, eine "lebenszerstörende Substanz"21. "Wieder wird so ein Opfer gefordert und wieder fließt Blut. Es geht um Leben und Tod, die in dem Rot und Gelb der Blumen symbolisiert sind"22. Der Tod erzwingt Crampas` Schweigen.

     Das ist wieder eine Art der falschen oder nicht funktionierenden Verständigung. Innstettens Schüsse haben den Major also tödlich getroffen und Crampas stirbt mit einem "beinah freundliche[n]Schimmer in seinem Antlitz" (S.242/Z.5f.), aber ohne seine letzten Worte "Wollen Sie ..

    ." (S.242/Z.4) vollenden zu können. Diese Frage bleibt offen und kann auf ganz unterschiedliche Weise interpretiert werden. Möglicherweise wollte Crampas Innstetten um Verzeihung bitten, denn Menschen sind eher bereit zu verzeihen und zu verstehen, wenn sie den Tod vor Augen haben.

     Doch was er eigentlich sagen wollte, erfährt der Leser nicht. Crampas nimmt es als Geheimnis mit ins Grab. In diesem Kapitel findet eigentlich die Wende statt, in der die Familie endgültig zerbricht, weil klar ist, eine Rückkehr nach Berlin zu ihrem Mann und ihrer Tochter ist für Effi unmöglich. Innstetten muss also ab jetzt auch alleine leben. Ihm bleibt zwar noch Annie, das gemeinsame Kind, aber er fühlt sich trotzdem einsam. Aber Innstetten hat den in seinen Augen einzig möglichen Weg gewählt, den Forderungen der Gesellschaft gerecht zu werden, um seine Ehre zu retten.

     20 Grawe, a.a.O., S. 87 21 Grawe, a.a.

    O., S.87 22 Grawe, a.a.O., S.

    88 29. Kapitel Innstettens Zweifel Im 29. Kapitel des Romans "Effi Briest" geht es zentral um Innstettens Bedenken, bezüglich des Duells das Richtige getan zu haben, um das Zerwürfnis der Familie und Roswithas Geschichte. Innstetten fährt nach dem Duell noch am gleichen Aben zurück nach Berlin. Als er allein in einem Zugabteil sitzt, denkt er in einem inneren Monolog noch einmal über alles nach und stellt die Richtigkeit seines Handelns in Frage. Während sich Innstetten über Wüllersdorfs Worte bezüglich der Verjährungstheorie Gedanken macht, wird ihm klar, wie nahe "Ehre" und "Unsinn" bei der Art seiner Reaktion zusammen liegen.

     Er gibt zu, nicht aus dem Gefühl der Rache oder des Hasses, also nicht aus persönlichen Gründen heraus, gehandelt zu haben, sondern vielmehr einem, von der Gesellschaft vorgegebenen Ideal "einer Vorstellung, einem Begriff zuliebe" (S.243/Z.12). Eine "halbe Komödie" war es "und diese Komödie muss ich nun fortsetzen" (S.243/Z.13f.

    ), so sind seine Gedanken: Nun "muss ich Effi wegschicken (...) und sie ruinieren und mich mit" (S.243/Z.14f.

    ). Dies zeigt, dass es ihm nicht unbedingt leicht fällt und gibt zu bedenken, ob er es eigentlich will, aber er muss die "halbe Komödie" ja "nun fortsetzen", dazu zwingt ihn sein Pflichtbewusstsein gegenüber der Gesellschaft. Vielleicht bereut er nun auch die überstürzte Duellforderung, anstatt der Verbrennung der Briefe. Das wäre die einzige Möglichkeit gewesen. Man bekommt den Eindruck, als realisiere er erst jetzt diese Alternative. Was bei dem Verbrennen der Briefe aber auch wieder zu berücksichtigen ist, ist die Tatsache, dass "die Welt (.

    ..) davon [nie]erfahren [durfte]" (S.243/Z.16), damit die Ehre erhalten bleibt. Er hätte also vorher auch nicht mit Wüllersdorf darüber sprechen dürfen.

     Als Innstetten dann wieder in Berlin ankommt, lässt er Johanna gleich wissen: "Die Frau kommt nicht wieder. Sie werden von anderen erfahren, warum nicht" (S.244/Z.26f.) und gibt ihr die Anweisung, es Annie "allmählich bei[zu]bringen, dass sie keine Mutter mehr hat" (S.244/Z.

    29f.). Die Angestellten erfahren von der Affäre zwischen Crampas und der "Rätin" (S.245/Z.37) und dem "Duell zwischen dem Ministerialrat von Innstetten (Keithstraße) und dem Major Crampas" (S.245/Z.

    34ff.) schneller als erwartet aus der Zeitung. Roswitha und Johanna machen sich gegenseitig Vorwürfe, weisen sich gegenseitig die Schuld zu, dafür verantwortlich zu sein, dass die Affäre ans Licht kommen konnte. Außerdem wird die völlig unterschiedliche Beurteilung der beiden Frauen auf Innstettens Reaktion und Vorgehensweise klar. Roswitha kann nicht begreifen "wegen solch alter Geschichten" (S.246/Z.

    17) Menschen umzubringen, wogegen Johanna Innstetten verstehen kann und in diesem Kontext an ein Geschehnis aus Roswithas Vergangenheit erinnert. Sie spielt damit auf die Geschichte an, als Roswitha ein uneheliches Kind bekommen hat und ihr Vater sie deshalb mit einem "glühenden Eisen" (S,247/Z.7) umbringen wollte. Nach dem Anblick des sterbenden Crampas ändert sich Innstettens Einstellung. Er ist kritischer gegenüber sich selbst und ihm wird nun deutlich bewusst, die Forderung der Gesellschaft "an den Menschen [sei]ein Zwang"23, der durch falsches, zu extremes Pflichtgefühl, dessen blinde Herrschaft zur Prinzipienreiterei werden kann, wenn man also gar nicht mehr versucht aus einer anderen Sicht darüber nachzudenken. So wird die Verjährungsfrage natürlich zum zentralen Punkt seines Denkens.

     "Nun wirkt sein persönlicher Verlust tiefer und nötigt ihn zu menschlichem Bedauern"24, weil er eigentlich nicht freiwillig so reagiert hat, sondern es ihm von der Gesellschaft so aufgezwungen wurde, weil es die Gesellschaft so von ihm verlangt hat. "So stehen sich durch die verschiedenen Ansichten, auf naive Weise, auch in Johanna und Roswitha Gesetz und Liebe, Altes und Neues Testament gegenüber"25. In diesem Kapitel werden wieder Innstettens Bedenken über die Richtigkeit seines Handelns deutlich. Was aus seinen Selbstzweifeln hervorgeht, ist die Überlegung, die Ansprüche und Normen der Gesellschaft machten persönliches, freies Handeln fast unmöglich. Sie waren so fordern und verpflichtend, dass man sich ihnen beugen musste. 23 Grawe, a.

    a.O., S.87 24 Grawe, a.a.O.

    , S.87 25 Grawe, a.a.O., S.88 30.

    Kapitel Der Brief aus Hohen-Cremmen Im 30. Kapitel erhält Effi einen Brief aus Hohen-Cremmen von ihren Eltern. Dem entnimmt sie Innstettens Wissen über die Affäre mit Crampas und dem darauffolgenden Duell. Effi ist noch mit der Geheimrätin Zwicker auf Kur und verbringt dort die letzte Woche in Bad Ems. Am Anfang ist jeden Tag ein Brief aus Berlin von Innstetten gekommen, doch schon seit Tagen ist keine Nachricht mehr von ihm eingetroffen. Sie macht sich deshalb schon Gedanken und ist unkonzentriert, wartet ungeduldig auf den Postboten, der dann auch kommt, aber nur einen Brief aus Hohen-Cremmen und nicht wie erwartet aus Berlin bringt.

     Effi hat auch nicht mehr wirklich Lust, sich mit der Geheimrätin zu unterhalten. Die ersten Gedanken, die sie sich macht, als kein Brief aus Berlin kommt, sind Sorgen um ihre Tochte, denn "er schreibt sonst täglich. Ob Annie krank ist? Oder er selbst?" (S.248/Z.28f.).

     Effi glaubt, er schreibe deshalb nicht, weil er sich um Annie kümmern oder selbst erst gesund werden muss. Während sie noch mit der Zwicker spricht, allerdings nicht mehr so ganz bei der Sache ist, wird ihr Gespräch durch den Eintritt des Postboten unterbrochen, auf den Effi schon die ganze Zeit gewartet hat. Die Oberflächlichkeit der Gesellschaft wird auch hier wieder deutlich, als sich Effi und die Geheimrätin Zwicker über den Postboten unterhalten. Zwicker stellt fest "Und wie ihm das Haar sitzt, ich glaube, er weiß gar nicht, was ein Scheitel ist" (S.249/Z.15f.

    ). Der Postbote hat den Namen "Böselager" (S.253/Z.2). Wie dieser Name schon befürchten lässt, bringt er auch böse und schlechte Nachrichten, nämlich den Brief mit dem "Poststempel: Hohen-Cremmen in (..

    .) der Handschrift der Mutter" (S.253/Z.13f.). Die Nervosität, Angst und Ungewissheit über den erhaltenen Brief geht auch dadurch hervor, dass sie "den ihrerseits empfangenen Brief zwischen den Fingern [dreht]" (S.

     253/Z.10f.), bevor sie ihn öffnet. Effi ist darüber schon verwundert, denn "Von Innstetten, es war der fünfte Tag, keine Zeile" (S.253/Z.15).

     Während sie den Brief liest, weicht "aus ihrem Gesicht alles Blut fort" (S.253/Z.25), sie will sich zurückziehen und läuft "tappend und suchend" (S.253/Z.35f.) in ihr Zimmer.

     Dies symbolisiert die Orientierungslosigkeit und auf der Suche wird sie auch später nach der Kur sein, wenn sie ein neues Zuhause braucht und wieder ein neues Leben beginnen muss. Schließlich bricht sie "ohnmächtig zusammen" (S.253/Z.25). In diesem Kapitel beginnt die Wende für Effi, die erst jetzt erfährt, was alles vorgefallen ist und natürlich aus allen Wolken fällt. Ihre zweite Chance, die sie sich selbst gegeben hat, und der Neuanfang in Berlin sind nun zerstört und sie hat ihren Mann und ihre Tochter verloren.

     Außerdem bleibt ihr Hohen-Cremmen, ihr eigentliches Zuhause, verschlossen und sie bekommt von ihren Eltern mitgeteilt, sie müsse sich eine neue Bleibe suchen. Und all diese bitteren Erkenntnisse, nun ganz allein und von der Gesellschaft verstoßen zu sein, erfährt Effi ganz plötzlich mit einem Schlag, der ihr Leben verändert. 31. Kapitel Aufbruch in ein neues Leben Im 31. Kapitel von "Effi Briest" ist das zentrale Thema Effis Zukunft. Sie erfährt aus dem Brief, dass ihr Hohen-Cremmen kein Zuhause mehr ist.

     Effi macht sich nun keine großen Hoffnungen mehr für die Zukunft. Sie fährt mit dem Zug zurück nach Berlin, um sich eine Wohnung zu suchen. Effi entnimmt dem Brief von den Eltern die ganze Wahrheit: Crampas ist tot, die Scheidung ist nur noch eine Frage der Zeit, eine Rückkehr sowohl nach Hohen-Cremmen wie nach Berlin zu Innstetten ist ausgeschlossen und auch das Recht, sich um die gemeinsame Tochter zu kümmern, wird sie verlieren. Die Mutter sieht für Effi Jahre der Einsamkeit voraus. Die Zwicker ist neugierig und bedrängt Effi mit lästigen Fragen. Sie will alles erfahren.

     Nach dem Ende ihrer Kur bricht Effi dann in ein neues Leben ohne ihre Familie auf. Auch Effi ist verzweifelt. Mehr als einmal stellt sie sich die Frage "Wohin?" (S.254/Z.10/16) und ein "Gefühl des Alleinseins" (S.254/Z.

    6) überkommt sie. Die Eltern entscheiden in dem Brief über Effis Zukunft und sie machen ihr indirekt den Vorwurf zu denen zu gehören, "die sich um freie Luft und lichte Sonne" (S.254/Z.33f.), also um ein schönes, sorgloses Leben "gebracht haben" (S.254/Z.

    34). Sie teilen Effi auch mit, "das elterliche Haus [wird ihr]verschlossen sein" (S.255/Z.4) und sprechen ihr Bedauern darüber aus, denn es ist "das Traurigste für [sie]" (S.255/Z.2).

     Sie begründen ihre Entscheidung und sagen ihr, es liege nicht an der Gesellschaft, sondern in dem Bedürfnis ihre "Verurteilung [ihres]Tuns [ihres](...) einzigen Kindes aussprechen [zu] wollen" (S.255/Z.12ff.

    ) Als die Zwicker ins Zimmer kommt, "setzt[][sie]sich so, dass der Tisch (...) zwischen ihr und Effi [steht]"(S.255/Z.26).

     Das zeigt die gewünschte Distanz, denn von jemandem, der die Normen der Gesellschaft verachtet, will man sich abgrenzen und distanzieren. Doch Effi ist "mit einem Male (...) vollkommen gleichgültig, was die Frau dachte; nur fort wollte sie" (S.255/Z.

    28ff.). Es ist sozusagen auch ihr Abschied von der Gesellschaft, von der sie ohnehin schon lange weg will. Frau von Padden und Frau Geheimrätin Zwicker bilden gewissermaßen zwei Gegenstücke. Die Geheimrätin verkörpert "Aufgeklärtheit und Zynismus; sie beweist einen nüchternen Realitätssinn, der menschlich nicht sympathisch berührt, aber illusionslos ist"26. Im Gegensatz zu Frau von Padden, die aufgrund eigener Fehltritte "moralisch und religiös geworden ist"27, hat sich die Zwicker durch die Affären ihres Mannes mit einer nüchternen Realität abgefunden.

     "Sie hat die Gesellschaft durchschaut, kommt aber bei ihrer Distanzierung über Klatsch und Sarkasmus nicht hinaus"28. Sie kann sich also nicht wirklich mit diesem Problem auseinandersetzen und den Dingen auf den Grund gehen. Mit Afra, dem Hausmädchen, das den Namen einer Dirne hat, dir zur Heiligen geworden ist, läuft Effi noch einmal eine moralisch einwandfreie Person über den Weg. Sie schwärmt jetzt so von den Bonner Husaren wie Effi damals, als sie jünger war, von den, ihre Kindheit bewachenden Rathenower Husaren geschwärmt hat. "Ihnen und dem Kaiser darf Effi nach der Entdeckung ihres Vergehens natürlich nicht mehr begegnen"29. Als Effi die Kur verlässt und Afra ihr zum Abschied sagt: "Nun fangen ja die schönen Tage erst an" (S.

    256/Z.21) kann diese natürlich nicht ahnen, welchen Kontrast diese Worte zu Effis jetzigen Situation darstellen und so für sie die pure Ironie sind. Am Ende dieses Kapitels schreibt die Geheimrätin Zwicker noch einen Brief an eine Freundin, in dem sie die ganzen Geschehnisse schildert. Dabei macht sie ihrem Klatschbedürfnis alle Ehre, Effi wird aber relativ gut dargestellt. Sie verurteilt nur ihre Naivität, die Briefe aufbewahrt zu haben. Nach dem Ende dieses Kapitels bricht Effi also in ihr neues Leben auf, welches sie nun ganz alleine meistern muss.

     Aber aus dem Brief aus Hohen-Cremmen wird auch wieder deutlich, wie sehr die Eltern ihre Tochter lieben. Man sieht schon hier, den Eltern fällt es nicht leicht ihre Tochter wegschicken zu müssen, doch auch hier ist die Rolle der Gesellschaft tragend. 26 Grawe, a.a.O., S.

     88 27 Grawe, a.a.O., S. 88 28 Grawe, a.a.

    O., S. 88 29 Grawe, a.a.O., S.

     88 32. Kapitel Das neue Leben Im 32. Kapitel von "Effi Briest" ist die Ehe von Effi und Innstetten bereits geschieden. Effi lebt zurückgezogen von der Gesellschaft, dabei vereinsamt sie immer mehr. Roswitha steht ihr bei, sie ist zu ihr gekommen, um ihr zu helfen. Effi lebt also nun zunächst allein in einer kleinen Wohnung in Berlin in der Königgrätzerstraße.

     Drei Jahre sind schon vergangen. Der inzwischen 70-jährige Doktor Rummschüttl kommt jetzt wieder öfter, um nach Effi zu sehen, die "seit einiger Zeit ziemlich viel kränkelte" (S.259/Z.1f.). In diesem Kapitel kommt dann ein Zeitsprung vor, ein Rückblick auf die Zeit nach dem Erhalt des Briefes, als Effi eine Zeit lang in einem "Pensionat" (S.

    260/Z.24) gelebt hat und sich über Roswithas Zurückkommen gefreut hat, die ihr Gesellschaft leisten und im Haushalt helfen möchte. Nun ist sie wenigstens nicht mehr ganz allein. Roswitha ist gekommen, um dafür zu sorgen, "dass es der gnädgen Frau wieder gut [geht]" (S.262/Z.33f.

    ). Roswitha ist erst ein bisschen später gekommen, weil sie warten wollte, bis "der gnädge Herr (...) wieder aus Glatz zurück sei" (S.262/Z.

    19f.), um sicher zu gehen, dass Annie solange gut versorgt ist. Innstetten war dort sechs Wochen wegen des Duells in Haft. Annie ist mittlerweile zehn Jahre alt und die Trennung von ihr, ihrem einzigen Kind, ist für Effi das Schlimmste. Auch ihre erste Frage an Roswitha ist: "Was macht Annie?" (S.262/Z.

    15). Daran sieht man wieder, wie wichtig ihre Tochter für sie ist, wie sehr sie sie vermisst und sich um sie sorgt. Eines Tages trifft Effi zufällig auf Annie, als sie "in einen die lange Kurfürstenstraße passierenden Pferdebahnwagen [steigt]" (S.267/Z.26f.).

     Dieses zufällige Zusammentreffen verstärkt Effis Wunsch Annie wieder zu sehen, aber diesmal länger und "nicht heimlich und verstohlen, sondern mit Wissen und Zustimmung aller Beteiligten" (S.20/Z.14f.), also auch mit dem Einverständnis von Innstetten, deshalb geht sie zur Ministerin, um diese zu bitten, ihr dabei zu helfen. Diese reagiert mit "keine[r]Spur von Überheblichkeit oder Vorwurf, nur menschlich schöne[r]Teilnahme" (S.296/Z.

    33f.), verspricht ihr zu helfen und ihr Mögliches zu geben, um ein Besuchsrecht zu erwirken. Effis Stimmung und Gefühle beim Besuch der Ministerin werden durch die Bilder im Vorzimmer dargestellt, die Hoffnung und Verzweiflung symbolisieren; denn "dort kontrastierten Guido Renis "Morgenröte" und eine Darstellung von König Lear auf der Heide, der durch die Grausamkeit seiner Töchter in den Wahnsinn getrieben wurde"30. Es wird auch extra darauf hingewiesen, "dass die Kupferstiche viel Licht und Schatten" (S.296/Z.23) zeigen.

     So wird Effis Gemütszustand zwischen Hoffen und Bangen, zwischen der Hoffnung ihre Tochter wieder zu sehen und der Angst, Innstetten könnte es ihr verweigern, widergespiegelt. Effis Einsamkeit wird auch aus der Forderung an Roswitha: "leiste mir Gesellschaft" (S.265/Z.17f.) deutlich. Sie will reden und Menschen um sich haben, will aus der Eintönigkeit des Alltags fliehen und Abwechslung.

     Da sie nicht viele Möglichkeiten dafür hat, sucht sie diese im Gespräch mit Roswitha. In diesem Kapitel wird ihr gesellschaftlicher Abstieg durch die Pensionatsszene und ihren Ausschuss aus der Gesellschaft bewusst zum Ausdruck gebracht. Die Gäste der Pension sind vorwiegend Frauen, die zumindest teilweise für Emanzipation kämpfen und "am Rande der Gesellschaft leben"31. Effi muss die Verweigerung jeglicher sozialer Aufgaben für Frauen, die ihre Männer betrogen haben, erkennen und sich damit abfinden. Da auch die Religion keinen Trost für sie ist, "bleibt ihr nur die Kunst"32. Zunächst spielt sie Klavier und später beginnt sie mit der Malerei, zwei "bezeichnenderweise stumme Tätigkeiten"33.

     30 Grawe, a.a.O., S. 89 31 Grawe, a.a.

    O., S. 89 32 Grawe, a.a.O., S.

     89 33 Grawe, a.a.O., S. 89 33. Kapitel Enttäuschte Hoffnungen Im 33.

     Kapitel von "Effi Briest" ist der völlige Zusammenbruch Effis das zentrale Thema, denn durch Innstettens Erziehung der Tochter gegen die Mutter gerät Effi in totale Verzweiflung und regt sich furchtbar auf. Die Ministerin schickt einen Brief an Effi, um ihr mitzuteilen, Innstetten habe einem Treffen zwischen Effi und Annie zugestimmt. Schon am selben Tag soll Annie zu ihr kommen. Doch das Treffen wird zu einer totalen Enttäuschung für Effi, weil sie ihrer Tochter mit anderen Erwartungen begegnet ist. Effi ist von dem Treffen so enttäuscht, weil die Tochter auf jede ihr gestellte Frage am Schluß nur noch mit einem "O gewiß, wenn ich darf" (S. 274/Z.

    2/5/8) antwortet. Sie ist darüber so wütend und gekränkt, weil sie darin Innstettens Erziehung wieder erkennt. Nachdem Annie gegangen ist, entlädt sich ihr Zorn in einem Anfall, denn sie hat zuvor soviel Hoffnung in die Begegnung mit ihrer Tochter gesetzt. Doch Innstetten hat ihre gemeinsame Tochter gegen sie, die eigene Mutter, aufgehetzt - "ein Paradox, das auch in "Cecile" die moderne bürgerliche Welt kennzeichnet. Es entspricht diesem Paradox, die Unmenschlichkeit zugleich mit dem Christentum in Verbindung zu bringen: Annies Lieblingsfach in der Schule ist Religion, und Johanna wartet vor der Christuskirche auf sie"34. Diese ganze Szene wird noch verstärkt, als Effi "Bibel und Gesangbuch" (S.

    274/Z.28) an der Stelle hinlegt, "wo Annie gestanden hatte"35 und anfängt davor zu beten, so "als wolle sie (...) Gott durch Christus oder das Alte durch das Neue Testament"36 ersetzen, eine neue Moral definieren, die Normen und Ansprüche der Gesellschaft ändern. Nimmt man die gesamten religiösen Texte und Bücher von "Effi Briest" zusammen, "dann ergibt sich ein letztes Mal die Effi feindliche Konstellation von Protestantismus und Patriotismus, von Thron und Altar"37.

     Effi ist über ihre enttäuschten 34 Grawe, a.a.O., S. 90 35 Grawe, a.a.

    O., S. 90 36 Grawe, a.a.O., S.

     90 37 Grawe, a.a.O., S. 90 Hoffnungen verzweifelt und aufgelöst. Sie macht Innstetten Vorwürfe, denn jetzt glaubt sie zu wissen, "dass er es ist, er ist klein und weil er klein ist, ist er grausam (.

    ..) Das hat er dem Kind beigebracht, ein Schulmeister war er immer (...) Ein Streber war er, weiter nichts.

     - Ehre, Ehre, Ehre ..." (S.275/Z.37).

     Doch sie erkennt auch ihre eigene Schuld und macht sich selbst Vorwürfe. Sie fleht, "du Gott im Himmel, vergib mir (...) ich war alt genug, um zu wissen, was ich tat (..

    .) Mich ekelt, was ich getan, aber was mich noch mehr ekelt, das ist eure Tugend" (S.274/Z.30ff.), damit greift Effi die Konventionen der Gesellschaft an und verurteilt sie, sieht darin einen Teil der Schuld, dass es so weit kommen konnte, denn wenn es Verjährung und Vergebung geben würde, hätten sie noch eine Chance als Familie gehabt. Am Ende ist Effi zusammengebrochen.

     Sie "lag (...) auf dem Boden, das Gesicht abgewandt, wie leblos" (S.275/Z.16f.

    ). So endet das 33. Kapitel wieder mit der Schuldfrage, mit Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfen. Man bekommt den Eindruck, als würde Effi erst jetzt begreifen, was sie eigentlich alles verloren hat, nachdem sie sieht, wie ihre eigene Tochter auf sie fast wie auf eine Fremde reagiert, und erst den Vater um Erlaubnis fragen muss, wenn Effi sie sehen will. Das Vertrauen zwischen Mutter und Tochter ist verloren gegangen. 34.

     Kapitel Effis Rückkehr Im 34. Kapitel des Romans "Effi Briest" steht Effis Rückkehr nach Hohen-Cremmen, ihrer einzigen richtigen Heimat, im Mittelpunkt. Zu Beginn des 34. Kapitels erfährt der Leser von Effis verschlechtertem Gesundheitszustand, sodass Doktor Rummschüttel vorbei kommt, um nach Effi zu sehen. Er schreibt aus eigener Initiative einen Brief an ihre Eltern, in dem er sie darum bittet, Effi wieder bei sich aufzunehmen, damit sie gesund wird. Dem stimmen die Eltern zu.

     Sie schreiben ihr ein Telegramm und Effi lebt sich wieder dabeim ein, doch sie spürt ihr Ende kommen. Doktor Rummschüttel findet Effis "Zustand nicht unbedenklich" (S.275/Z.18f.), "auch die ersten Zeichen eines Nervenleidens waren da" (S.275/Z.

    21f.). Der Arzt sorgt sich um Effi. Er erkennt die psychischen Ursachen wie beispielsweise die Einsamkeit, die sie regelrecht krank macht. So glaubt er auch nur eine wirkliche Genesung erreichen zu können, wenn Effi wieder zu ihren Eltern kann. Aus diesem Grund sieht er sich sowohl als Arzt als auch als Freund der Familie verpflichtet, hier eigentlich ungefragt, einzugreifen und einfach einen Brief an die Eltern Briest nach Hohen-Cremmen zu schreiben.

     In seinem Brief heißt es: "Es geht so nicht weiter. Ihre Tochter, wenn nicht etwas geschieht, das sie der Einsamkeit (...) entreißt, wird schnell hinsiechen" (S.276/Z.

    5ff.), damit appelliert er an Herr und Frau Briest, Effi doch wieder zu Hause aufzunehmen. Er stellt dies als einzige Heilungsmöglichkeit dar. Dieser Brief trifft bei den Eltern keineswegs auf taube Ohren, vor allem Effis Vater ist sofort dafür, denn er fragt sich schon lange: "Soll ich hier bis an mein Lebensende den Großinquisitor spielen? (...

    ), ich habe es seit langem satt" (S.277/Z.3ff.), aber dann stimmt sie Briest zu, "Effi komm" (S.277/Z.25) nach Berlin zu telegraphieren, weil die Gesellschaft zwar einen hohen Stellenwert hat, aber "Eins geht vor" (S.

    277/Z.12), die "Liebe der Eltern zu ihren Kindern" (S.277/Z.14). Nach einem Zeitsprung ist Effi "nun schon über ein halbes Jahr [wieder]in Hohen-Cremmen" (S.277/Z.

    35) "und es kamen Tage, wo sie wieder lachen konnte" (S.278/Z.7f.). Die Eltern kümmern sich liebevoll um ihre Tochter, die Mutter "wetteifert[e]mit ihrem Manne in Liebes¬und Aufmerksamkeitsbezeugungen" (S.278/Z.

    24f.). Effi hilft im Haushalt, genießt ansonsten aber ihre Ruhe und "vor allem die Beschäftigung mit den Künsten hatte sie ganz aufgegeben (...).

     Es erinnert[e] sie wohl auch zu sehr an ihre traurigen Tage" (S.279/Z.11f.), an denen sie sich nur damit die Zeit vertreiben konnte, "das tat ihr wohl und [sie]konnte (...

    ) dabei vergessen, was ihr das Leben versagt oder richtiger wohl, um was sie sich selbst gebracht hatte" (S.279/Z.19ff.), denn es hat ihr zwar Ablenkung gebracht, aber sie war sich dennoch ihrer Schuld bewusst. In Hohen-Cremmen hat sie noch mit Kantor Jahnke und mit Pastor Niemeyer, "den kirchlichen Vertretern des Ortes"38, Kontakt. Mit ihnen geht sie ab und an spazieren und unterhält sich mit ihnen.

     Mit Pastor Niemeyer philosophiert Effi auch über das Leben. Am Ende des 34. Kapitels fragt sie ihn: "Ob ich wohl [in den Himmel] (...) komme?" (S.

    281/Z.28) und der Pastor antwortet ihr "Ja, Effi, du wirst" (S.281/Z.31). Effi spricht mit ihrem Vater über Gieshübler, für den beide "eine lebhafte Vorliebe hatte[n]" (S.278/Z.

    10f.). "Aber so schön das alles war, auf Effis Gesundheit hin gesehen, war es doch alles nur Schein" (S.278/Z.28ff.).

     Der Krankheitsverlauf ging in Wirklichkeit weiter und "zehrte still [Effis]Leben auf" (S.278/Z.30f.). Es wirkt nicht nur wie eine Heimkehr nach Hohen-Cremmen, sondern dieses Symbol der Heimkehr wird auch durch die Art einer Heimkehr, aus der Kunst in die Natur, zusätzlich noch verstärkt. Der letzte Satz dieses Kapitels, Pastor Niemeyers Versprechen an Effi, sie werde in den Himmel kommen, ist schon vorausdeutend auf ihren baldigen Tod, den sie selbst zu ahnen scheint, denn sie hat dem Pfarrer die Frage gestellt, ob sie in den Himmel kommen werde und das, obwohl sie nicht besonders religiös und gläubig war, aber im Angesicht ihres bevorstehenden Todes macht sie sich Gedanken darüber, was wohl danach kommen werde.

     38 Grawe, a.a.O., S. 90 35. Kapitel Innstettens Selbstzerwürfnis Das 35.

     Kapitel des Buches handelt im Großen und Ganzen von der Erkenntnis Innstettens, mit seinem Leben nicht mehr zufrieden zu sein. Außerdem kommt in diesem Kapitel der Hund Rollo nach Hohen-Cremmen zu Effi. Effis Gesundheitszustand verschlechtert sich erneut. Der Doktor rät zu einer Kur im Süden, in Italien. Die Eltern sind auch dafür, doch Effi lehnt dies ab. Innstetten bekommt in Berlin zwei Briefe.

     Der erste beinhaltet die Beförderung zum Ministerialdirektor, der andere die Bitte von Roswitha den Hund Rollo nach Hohen-Cremmen zu schicken. Innstetten hat nun Zweifel, ob er mit der Duellforderung das Richtige getan hat. Mit der Begründung: "Ich bin so reizbar geworden, alles ärgert mich. Ich mag nicht mehr weg von Hohen-Cremmen, hier ist meine Stelle" (S.283/Z.9ff.

    ) lehnt Effi eine Kur ab, die ihr ihr Arzt empfohlen hat. Da wird auch wieder deutlich, wie sehr Effi an ihrem Zuhause hängt. Hier fühlt sie sich wohl, hier fehlt es ihr an nichts und hier möchte sie bleiben. Effi mach statt der Kur im Süden in Hohen-Cremmen lange Spaziergänge, bei denen sie sich erholt. Die Mutter sorgt sich dabei aber, ihr wäre es lieber, wenn Effi nicht so allein gehen würde. "Unter unseren Leuten bist du sicher; aber es schleicht auch so viel fremdes Gesindel umher" (S.

    284/Z.1ff.). "Das machte doch Eindruck auf Effi, die [wie immer] an Gefahr nie gedacht hatte" (S.284/Z.4f.

    ). So äußert Effi im Gespräch mit Roswitha den Wunsch wieder einen Hund, am liebsten natürlich Rollo, mit dem sie schon glückliche Tage erlebt hat, zu haben. Wieder tritt ein Zeitsprung mit Ortswechsel in diesem Kapitel auf und der Leser erfährt jetzt von Innstettens Erhalt der beiden Briefe in Berlin. Bei dem ersten "erkannte [er]an der Handschrift, dass [er]vom Minister war" (S.284/Z.29f.

    ) und er beinhaltet die Beförderung zum Ministerialdirektor. Allerdings kann sich Innstetten nicht wirklich darüber freuen, "denn was das Höherhinaufklimmen auf der Leiter anging, so war er seit dem Morgen in Kessin (...) kritisch gegen derlei Dinge geworden. Er maß seitdem mit anderem Maße, sah alles anders an" (S.

    285/Z.6ff.). Er erklärt Wüllersdorf, der ihm zum Aufstieg gratulieren will, "wie leer und öde (...

    ) alles [ist]" (S.286/Z.19). Das sind fast die gleichen Worte, mit denen er auch schon das alte Haus in Kessin beschrieben hat, als sie auf dem Weg zum Duell vorbeigefahren sind. Er beschreibt auch den Gemütszustand von Effi, als sie einsam und allein war; ihr Leben "leer und öde" war. Und als er den zweiten Brief in die Hand nahm "empfand [er]schmerzlich, dass es ein Glück gebe, dass er es gehabt, aber dass er es nicht mehr habe und nicht mehr haben könne" (S.

    286/Z.2ff.). Er sieht, dass der Brief aus Hohen-Cremmen von Roswitha ist und entnimmt ihm die Bitte der "gnädige[n] Frau" (S.286/Z.37) Rollo zu schicken.

     Nach Roswithas Brief gibt Innstetten gegenüber Wüllersdorf endlich zu: "Mein Leben ist verpfuscht" (S.287/Z.21). Er quält sich mit Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen und hat Depressionen, denn er kann sich nicht einmal richtig über seine Beförderung freuen, auf die der "Streber" (S.275/Z.6), wie Effi ihn einmal genannt hat, so lange hingearbeitet hat.

     Eigentlich hat er also sein Ziel erreicht, aber er misst jetzt mit anderen Maßstäben und "nichts gefällt [ihm]mehr" (S.287/Z.19f.). Er scheint zu bereuen, sich damals für das Duell und somit gegen seine Familie entschieden zu haben. Nun ist auch er allein und es "quält [ihn]seit Jahr und Tag (.

    ..) und [er]möchte aus dieser ganzen Geschichte heraus" (S.287/Z.18ff.).

     Innstetten kritisiert sogar sein eigenes "Schulmeistertum, was ja wohl [sein]Eigentliches ist" (S.287/Z.24). Sogar Fluchtgedanken beschäftigen Innstetten. Er will "hier, weg und hin unter lauter pechschwarze Kerle, die von Kultur und Ehre nichts wissen" (S.288/Z.

    12f.). "Kultur und Ehre" (S.288/Z.12f.) sind auch hierbei die Schlüsselwörter, weil sie die Gründe für das Duell, der Forderung der Gesellschaft, waren.

     Wüllersdorf hält von einer Flucht jedoch überhaupt nichts, "das sind Launen, Einfälle" (S.288/Z.19). Für ihn ist das "Im-Urwald-Umherkriechen" eine "Torheit" (S.288/Z.31ff.

    ). Wüllersdorf selbst hat die gesellschaftlichen Konventionen zwar auch satt, aber eine andere Methode dies zu zeigen. Er sucht sich lieber Abwechslung und Ablenkung bei Besuchen im Ballett. In diesem Kapitel kommt Innstettens späte Reue zum Ausdruck. Erst als er jetzt merkt, zwar sein Ziel vom Aufstieg erreicht zu haben, um das er die ganze Zeit gekämpft hat, wird ihm bewusst, eigentlich keinen mehr zu haben, mit dem er sich darüber freuen kann und das dann alles nichts wert ist. Er fühlt sich auch allein und ist nicht glücklich mit dieser Situation.

     Außerdem bekommt der Leser den Eindruck, als würde Innstetten erst jetzt klar werden, neben dem Duell noch die Alternative, das Verbrennen der Briefe, gehabt zu haben. Sein gesellschaftliches Ansehen und seine Ehre wären dann überhaupt nicht verletzt worden, denn es hätte niemand von den Briefen erfahren und das Problem wäre ein persönliches Problem geblieben und nicht zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Doch er ist sich auch darüber im Klaren, dass diese Einsicht zu spät kam und es jetzt kein Zurück mehr gibt. 36. Kapitel Effis Tod Im letzten Kapitel des Romans stirbt Effi schließlich mit allen versöhnt in ihrem eigentlichen Zuhause Hohen-Cremmen. Innstetten überlässt Effi den Hund und Rollo wird ihr ständiger Begleiter.

     Sie gehen viel gemeinsam spazieren und Effi ist glücklicher. Sie fühlt sich Zuhause wohl und ihre Mutter schmiedet schon Pläne für die Zukunft. Doch dann verschlechtert sich Effis Zustand dramatisch ¬sie liegt im Sterben. Ihre Mutter spricht noch einmal mit ihr. In diesem Gespräch vergibt Effi allen und schließt mit ihrem Leben ab. "Wie schön dieser Sommer! Dass ich noch so glücklich sein könnte, (.

    ..) vor einem Jahr hätte ich`s nie gedacht" (S.291/Z.25f.).

     So sind ihre Worte an die Mutter. Sie will mit ihr verreisen; möchte "dann das blaue Meer und weiße Segel und die Felsen" (S.292/Z.9f.) sehen. Aber dann geht es Effi wieder schlechter.

     Sie hat "nur die Sehnsucht" (S.292/Z.20), macht sich Gedanken, "ob wir doch vielleicht von da oben stammen und (...) in unsere himmlische Heimat zurückkehren zu den Sternen" (S.

    292/Z.16ff.). Vielleicht ahnt sie auch schon ihren baldigen Tod. Der Arzt Wiesike bestätigt gegenüber Briest auch: "wird nichts mehr; machen Sie sich auf ein baldiges Ende gefasst" (S.292/Z.

    25f.). "Und wenige Tage danach" (S.292/Z.33), deshalb holt auch die Mutter Briest an Effis Bett. Effi hat keine Angst vor dem Tod, sie ist "ganz ruhig" (S.

    293/Z.14) und spürt ihr nahes Ende. Ihrer Mutter antwortet sie auf die Frage, ob sie Angst vor dem Tod habe, "es hat nicht viel zu bedeuten, wenn man von der Tafel etwas früher abgerufen wird, [weil man eigentlich nichts versäumt]" (S.293/Z.31ff.).

     Effi vergibt noch allen, bevor sie tot ist. Sie stirbt "mit Gott und Menschen versöhnt, auch versöhnt mit ihm" (S.294/Z.5f.). Mit "ihm" (S.

    294/Z.6) ist Innstetten gemeint, sie gibt zu ihm Vorwürfe gemacht zu haben, "den Spieß umgekehrt" (S.294/Z.13) zu haben "und [sich]ganz ernsthaft in den Gedanken hineingelebt [zu haben], er sei schuld" (S.294/Z.5f.

    ). Doch jetzt zeigt Effi Verständnis für sein Handeln und will auch, dass er das weiß, "er hat (...) Recht gehabt. Lass ihn das wissen" (S.

    294/Z.26), bittet sie ihre Mutter. Effi fühlt dann ihren nahe bevorstehenden Tod und "setzt[]sich an das offene Fenster um noch einmal die kühle Nachtluft einzusaugen. (...

    ) Ein Gefühl der Befreiung überkam sie Ruhe, Ruhe" (S.294/Z.34f./S.295/Z.1f.

    ). Die Mutter ist zu diesem Zeitpunkt schon aus dem Zimmer gegangen, weil sie "sah, dass Effi erschöpft war (...) und schlafen wollte" (S.294/Z.

    31f.). Wieder kommt ein Zeitsprung. Effi ist nun tot und mit ihrem alten Namen "Effi Briest" (S.295/Z.10) zu Hause in Hohen-Cremmen "auf dem Rondell (.

    ..) an der Stelle, wo [die Sonnenuhr] gestanden hatte, [unt

 
 




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