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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Krise und durchbruch im verhältnis zu frankreich


1. Drama
2. Liebe



Robert Schuman und der Schumanplan r />
Kein deutscher Politiker hat sich so intensiv für den deutsch - französischen Ausgleich eingesetzt wie Konrad Adenauer. Erfolg konnte er dafür jedoch erst spät ernten, in den letzten Jahren seiner Amtszeit, als er in de Gaulle den wirklichen Partner fand. In den Jahrzehnten zwischen 1918 und 1958 ist er mit diesem Bemühen wiederholt auf zähen Widerstand gestoßen. Er mußte mehr Rückschläge einstecken als Erfolge.
Wenn auch seine Methoden fragwürdig waren und es ihm nicht gelang, den Franzosen sein Anliegen überzeugend darzulegen, weil bei ihnen das Mißtrauen gegenüber allem Deutschen überwog, so bleibt doch sein Bemühen bemerkenswert, den deutsch - französischen Gegensatz zu überwinden und dabei dem Rheinland eine herausragende Stellung zu verschaffen. Das Rheinland, vor allem sein nördlicher Teil, stellte zwar nie eine Brücke zwischen Deutschland und Frankreich dar, aber er wollte es halt so sehen und fühlte sich von dieser Perspektive auch zum Handeln herausgefordert.
Im Jahre 1945, als alles staatliche Leben in Deutschland erloschen schien, hatte er seine Bemühungen, einen Rheinstaat mit französischer Hilfe aufzubauen, wiederaufgenommen. Unabhängig davon, was mit dem übrigen Deutschland geschehen würde. Aus seiner Sicht bedeutete dies nicht, daß er willentlich und mit voller Absicht die Zerstörung des Reiches akzeptiert hätte. Er erstrebte nur in dieser Situation des allgemeinen Chaos eine für das Rheinland zukunftsweisende Lösung, die in einer ganz engen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Frankreich und den Benelux - Ländern liegen sollte.
Zum ersten Mal hatte er 1945 französische Gesprächspartner getroffen, die sich seine Vorschläge nicht nur höflich anhörten, sondern sie auch voll akzeptierten und Adenauer als Mann von Format respektierten. Die damals ihm gegenüber bezeugte Bereitschaft zur Zusammenarbeit und Partnerschaft hatte ihn tief beeindruckt, und in der Tat entsprach die Haltung der französischen Offiziere, die ihn wiederholt aufsuchten, nicht einer mehr zufälligen persönlichen Konstellation, sondern sie handelten im Auftrag de Gaulles (siehe Bild 2), der im Rheinland nach Politikern wie Adenauer Ausschau hielt, mit denen er seine Rheinpolitik verwirklichen konnte. Doch Adenauer wurde gerade wegen dieser Kontakte gejagt, und de Gaulle trat wenig später zurück, so daß die kaum angebahnte Verbindung wieder abriß.
Die Nachfolger des Generals zeigten keinerlei Neigung, mit Adenauer in Kontakt zu treten. Dafür schien um so weniger Anlaß geboten, nachdem Adenauer mit seiner Blitzaktion im Januar 1946 die führende Position der CDU in der britischen Zone errungen hatte und damit für die Administratoren der französischen Zone aus dem Blickfeld verschwunden war. Etwas anderes kam hinzu. Er stand Frankreich im Grunde fremd gegenüber, trotz aller Bestrebungen zur Zusammenarbeit, denn weder Sprache noch Kultur waren ihm vertraut, ganz zu schweigen von den religiösen und moralischen Standards, die den gebildeten Franzosen damals prägten.
Als Ansprechpartner und zugleich als Hoffnungsträger betrachtete Adenauer den seit Juli 1948 am Quai d´Orsay amtierenden Robert Schuman. Mit der Person Schumans verknüpft sich die Legende vom "großen Europäer", von dem Lothringer, der, im Kaiserreich aufgewachsen, an deutschen Universitäten studiert und so die einzigartige Fähigkeit erworben habe, "partnerschaftliche Beziehungen zu ihren Nachbarn einen besonders hohen Stellenwert zuzuweisen (aus Schwarz, Hans-Peter, "Adenauer I", Seite 561 f)." Allerdings kann man bei Grenzbewohnern auch den gegenteiligen Effekt, nämlich übertriebenen Nationalismus beobachten.
In den deutschlandpolitischen Vorstellungen, die Schuman vertrat, zeigte er kein Entgegenkommen. Die Londoner Empfehlungen vom Juni 1948, die Bidault noch ausgehandelt und die wegen ihrer Härte Adenauers Entsetzen hervorgerufen hatten, trafen auch bei ihm auf Kritik. Wegen zu großer Milde Deutschland gegenüber. Die Zukunft Westdeutschlands sah er, auch hierin dem Mehrheitstrend der französischen Politik folgend, in der Form eines faktischen Staatenbundes. In einer Rede in Poitiers erklärte er am 18. April 1948, daß es "mehrere Allemagnes" gäbe und daß man diesen Gelegenheit bieten sollte, "sich in autonomen Staaten zu organisieren. Diese Staaten könnten sich dann untereinander verbinden in bezug auf gemeinsame und begrenzte Aufgaben(aus "L´Année politique 1948", Seite 329-331)."
Vergleicht man diese Vorstellungen Schumans mit den Äußerungen Adenauers über die politische Bedeutung der Länder "als völkerrechtliche Staatspersönlichkeiten" noch aus dem Jahre 1947, so ist der Unterschied gar nicht so gravierend. Das war auch nicht der Fall, als sich beide Politiker im Oktober 1948 in Bassenheim bei Koblenz trafen.
Die Zusammenkunft war geheim. Schuman hatte die französische Zone bereist, so daß das Treffen unbemerkt arrangiert werden konnte. Das genaue Datum steht nicht fest. Die in Bonn am 12. Oktober herausgegebene Presseerklärung bietet den Anhaltspunkt dafür, daß die beiden Politiker kurz zuvor zusammengetroffen waren.
Diese Vereinbarung für die Presse verdient besonderes Interesse. Sie verkaufte ein Märchen, das fortan in der Propaganda über die zwei großen Freunde und Europäer immer wieder Verwendung finden sollte. Das Kommuniqué behauptete nämlich, daß die beiden "seit der Zeit vor 1933 befreundet seien. Diese freundschaftlichen Beziehungen waren der Anlaß dafür, daß die Gestapo während ihrer Tätigkeit in Frankreich Herrn Schuman besondere Schwierigkeiten bereitete. Herr Schuman benützte seinen Aufenthalt in der französischen Zone, um die Freundschaft mit Dr. Adenauer zu erneuern (aus Adenauer, Konrad: "Briefe 1947-1949", Seite 604)." Das war pure Erfindung. Adenauer glaubte später halbwegs selbst daran und stellte nach zwei Jahren die Sache so dar, daß er Schuman 1938 einmal begegnet sei, "aber keine Erinnerung daran behalten" habe.
Für Adenauer hatte das Treffen eine außerordentlich hohe Bedeutung, konnte er doch dem Leiter der französischen Außenpolitik seine Gedanken in voller Offenheit darlegen.
Über die konkreten Gesprächsthemen läßt sich nicht viel sagen, eine Aufzeichnung gibt es nicht. Auch bei späteren Treffen mit Schuman verzichtete Adenauer auf jede Begleitung und damit auf jeden Zeugen. Von zwei Themen war aber mit Sicherheit die Rede. Da ging es einmal um den mehr oder weniger föderalistischen Charakter der künftigen deutschen Verfassung. Das zweite Thema war die Saar. Adenauer berichtete Robert Murphy, dem politischen Berater Clays, wenige Wochen später, daß Schuman sich für eine Teilung der Westzonen in drei Staaten ausgesprochen habe, ganz wie Adenauer es gegenüber de Gaulle im Jahre 1945 getan hatte. Ob das tatsächlich der Fall war, muß allerdings offenbleiben. Der britische Verbindungsoffizier in Bonn wußte zu berichten, Adenauer sei in ständigem Kontakt mit Schuman, sicher ein vom Präsidenten des Parlamentarischen Rates bewußt in die Welt gesetztes Gerücht.
Adenauer sah in Schuman einen Verbündeten. Schuman wollte dies aber zu keinem Zeitpunkt sein, da er angesichts der in Frankreich herrschenden Vorstellungen politisch überleben wollte.
Mitte Januar hatte Schuman ursprünglich beabsichtigt, die französische Zone zu bereisen und anschließend mit dem Sonderzug nach Berlin weiterzufahren, um auch dem französischen Sektor ministerielle Aufmerksamkeit zu erweisen. Dazwischen war nur ein Höflichkeitsbesuch beim Bundespräsidenten in Bonn eingeplant gewesen, mehr nicht. Als Adenauer davon erfuhr, hatte er sich der Sache sofort energisch angenommen. Das ganze Verhalten Schumans in Bonn, der immer nur das zugab, was er nicht mehr ableugnen konnte, wird dazu beigetragen haben, daß Adenauer rückblickend erklären konnte, er sei gegen ihn außerordentlich aufgebracht gewesen. Es sei allerdings hinzugekommen, daß ihn Bidault ausdrücklich vor Schuman und dessen Unwahrhaftigkeit habe warnen lassen.
Jedenfalls hatte das Gespräch kein positives Ergebnis. Schuman war auch dem Vorschlag ausgewichen, eine Lösung zu dritt, also mit der Saarbrücker Regierung, für die Saar zu finden.
Auch in der engsten Umgebung Schumans wurde der französische Standpunkt noch viel drastischer dargelegt. Sein Kabinettschef, der das volle Vertrauen des Ministers besaß, gab Blankenhorn zu verstehen, "nach seiner Auffassung haben die Deutschen an der Saar nichts zu suchen".
Adenauer nahm Privat einen Anlauf, um Schuman umzustimmen. In seinem Nachlaß befindet sich der handschriftliche Entwurf eines Schreibens an den Außenminister, daß aber sehr wahrscheinlich seinen Empfänger nicht erreicht hat. Es verdient jedoch erhebliches Interesse, weil es einen intimen Einblick in das Denken Adenauers vermittelt. Es beginnt in einem ganz persönlichen, geradezu beschwörenden Ton :"Ich möchte mich so unmittelbar an sie wenden, weil ich glaube, daß sie und vielleicht von Gott dazu berufen sind, in einer entscheidenden Situation für unsere gemeinsamen Ideale Wertvolles zu leisten(aus Adenauer, Konrad: "Briefe 1949-1951", Seite 155-157)." Dann nahm er auf das Treffen in Bassenheim Bezug, das für ihn eine ganz besondere Bedeutung gehabt haben muß. " Als wir uns im Oktober 1948 in Bassenheim so vertrauensvoll und offen miteinander aussprachen, war ich glücklich, ihre Ansichten, die mit meinen weitgehend übereinstimmten, kennenzulernen. Ihre Ausführungen über die Lösung der Saarfrage, daß Frankreich keine politischen Absichten habe, daß sie die Rückkehr der Saar zu Deutschland als im Bereich des Möglichen sähen, Frankreich wolle nur Sicherung seiner wirtschaftlichen Interessen, haben mich über diesen neuralgischen Punkt in den französisch-deutschen Beziehungen besonders beruhigt."
Der entscheidende Gesichtspunkt in dem Plan von Monnet, wie er am 9. Mai präsentiert wurde, bestand darin, daß er die Eigentumsverhältnisse in der Industrie nicht veränderte. Das Neue bestand in der Schaffung der Hohen Behörde, die jenseits der Nationalen Souveränität errichtet werden sollte mit der Aufgabe, die Industrien der Mitgliedsländer zu kontrollieren. Wenn die Hohe Behörde laufend über den Produktionsstand der jeweiligen Industriezweige informiert wurde und ausreichende Kontrollrechte besaß, konnte in Frankreich gar nicht erst der Verdacht entstehen, die Deutschen produzieren in irgendeinem Betrieb statt Weißblech Panzerplatten. Zugleich bot der Plan von Monnet mit der Einladung an die übrigen westeuropäischen Länder den konkreten Ansatz zur westeuropäischen Einigung. Er eröffnete weite Perspektiven und regte die Phantasie an. Er entwickelte die Vision eines Aufbruchs zu neuen Ufern, die Hoffnung, daß mit der Errichtung der Hohen Behörde, einer vergleichsweise unkomplizierten Einrichtung, ein Aufbauwerk in Gang gesetzt würde, das Europa von Grund auf zu verändern in der Lage sei. Der Schumanplan stellte keineswegs ein hauptsächlich europapolitisches Projekt dar, sondern vertrat handfeste nationale wirtschaftliche Ziele. Entscheidend daran aber war, daß der Plan verhandlungsfähig war und schließlich eine Kompromißlösung gefunden wurde.
Im Mai 1950 waren aber die Möglichkeiten, die sich plötzlich auftaten, wichtiger als das schließliche Ergebnis. Das traf besonders für Adenauer zu, der durch diesen Vorschlag von einer sehr unangenehmen innenpolitischen Auseinandersetzung verschont wurde, die mit dem Beitritt zum Europarat verbunden gewesen wäre. Plötzlich hatte er wieder politische Bewegungsfreiheit und konnte sich mit dem Hinweis, er habe das alles schon vor mehr als 25 Jahren selbst vorgeschlagen, ins rechte Licht setzen.
Für Adenauer stand die politische Bedeutung des Plans stets im Vordergrund. Die wirtschaftliche Seite zu erörtern, vermied er nach Möglichkeit. Am 24. Mai suchte Jean Monnet ihn auf, um ihm sein Konzept vorzutragen und zugleich die nächsten schritte zu besprechen.
Adenauers Verhältnis zu Schuman blieb weiterhin distanziert. Die seit 1952 zunehmenden Schwierigkeiten mit der Saar trugen das ihre dazu bei, der herzliche Ton der Beziehung, wie er am Anfang in Bassenheim bestanden hatte, kam nicht wieder. Eher gab es Ausschläge zur Gegenseite hin. So äußerte Adenauer am 23. Mai 1951, daß er über Schumans Verhalten so verärgert sei, daß er sich am liebsten allein betrinken wolle( Lenz, Otto, "Im Zentrum der Macht. Das Tagebuch des Staatssekräters Otto Lenz 1951-1953", Seite 85). Während er selbst an Autorität gewann und seine politische Stellung ständig festigte, konstatierte er den Machtverfall seines Mit- und Gegenspielers am Quai d´Orsay. Als Schuman dann stürzte, fiel das Schreiben Adenauers vom 9. Januar 1953 anläßlich seines Rücktritts eher unpersönlich aus.
Versucht man das Verhältnis von Adenauer und Schuman auf einen Begriff zu bringen, kann man nur zu einem Ergebnis kommen, daß es durch Mißverständnisse geprägt war. Die Last der jüngsten Vergangenheit erwies sich noch als stärker als die Herausforderung der Zukunft.
Der Schumanplan hielt jedoch nicht, was Adenauer sich von ihm versprochen hatte. Vor allem die wirtschaftliche Integration kam nicht voran. Schon frühzeitig wurden Klagen laut über Wettbewerbsverzerrungen, vor allem von französischer Seite gezahlte Subventionen, die von der Hohen Behörde nicht unterbunden wurden. Aber das starke Wachstum der westeuropäischen Stahlindustrie in den fünfziger Jahren insgesamt ließ über solche Abweichungen vom Pfade der marktwirtschaftlichen Tugend hinwegsehen.
Wichtiger als die Vorläuferfunktion für die zwischen 1955 und 1957 entwickelte Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war für Adenauer im Mai 1950 die politische Wirkung, daß eine tatsächliche Öffnung der Europapolitik zu erfolgen schien. Eine weit stärkere Veränderung der politischen Situation erfolgte dann wenige Wochen später mit dem Ausbruch des Koreakriegs. Damit rückte die Bundesrepublik in den Blickpunkt des politischen Interesses, und ihr Kanzler fühlte sich zu Initiativen auf dem Gebiet der Wiederbewaffnung veranlaßte, die bei den Alliierten für einige Aufregung sorgten, aber wenig Erfolg hatten.

 
 




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