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deutsch artikel (Interpretation und charakterisierung)

Der richter und sein henker -


1. Drama
2. Liebe

1.Kapitel: Am 3. November 1948 findet der Polizist des Schweizer Dorfes Twann am Rande der Landstraße in einem blauen Mercedes eine männliche Leiche. Die Schläfen des Mannes sind durchschossen. Er trägt unter seinem dunkelgrauen Mantel einen eleganten Abendanzug. Man hat ihn nicht ausgeraubt, und so läßt sich die Identität an Hand der mitgeführten Papiere feststellen: es handelt sich um Ulrich Schmied, Polizeileutnant im Dienste der Stadt Bern. Der Polizist schiebt den Toten auf den Beifahrersitz, setzt sich ans Steuer und bringt ihn in die nächstgelegene Stadt.
In Bern informiert man den Vorgesetzten des Ermordeten, den bejahrten Kommissär Bärlach.Dieser braucht seine ganze Autorität, um die Angelegenheit während der nächsten Tage als geheim behandeln zu lassen. Er trifft bei diesem Begehren vor allem auf den Widerstand seines Vorgesetzten, des Untersuchungsrichters Dr. Lucius Lutz.
Noch am gleichen Tag begibt sich Bärlach zu Schmieds Wohnung, der bei Familie Schönler untergemietet hatte. unter dem Vorwand, Schmied halte sich im Ausland auf,
und er müsse ihm etwas nachsenden nimmt er eine Mappe mit Akten mit.
2.Kapitel:
Bei seiner Mittagsmahlzeit blättert und liest Bärlach darin. Im Bureau hört Bärlach, der Leichnam sei inzwischen nach Bern gelangt. Aber er mag den Toten nicht sehen. Statt ihn aufzusuchen, begibt er sich - ebenfalls höchst ungern, aber ohne dem aus dem Wge gehen zu können - in das Bureau des Untersuchungsrichters Dr. Lutz. Es liegen keine neuen Erkenntnisse vor. Lutz nimmt dies einmal mehr zum Anlaß, die Fähigleiten der Schweizer Dorfpolizei in Zweifel zu ziehen. Bärlach widerspricht, gibt zu, einen bestimmten Verdacht zu haben, ist aber noch nicht bereit, darüber zu reden. Lutz mahnt zum Eifer und verweist auf seine in Amerika gesammelten Erfahrungen.
Bärlach nutzt die Gelegenheit und ersucht unter Hinweis auf seine ständigen Magenbeschwerden um die Beiordnung des Kriminalbeamten Tschanz als Stellvertreter. Lutz stimmt dem zu.
Noch am Nachmittag fährt Bärlach zum Tatort. Der Dorfpolizist, der Schmied nach Biel geschafft hat, ist eines Rüffels gewärtig. Aber zu seiner Verwunderung lobt der Kommissär die bewiesenen Eigeninitiative.
In Twann - so ist festgestellt worden - hat man nächtlicherweile wohl den laufenden Motor des Mercedes gehört, aber keine Schüsse.
Durch Zufall findet Bärlach am Tatort eine Revolverkugel.


3.Kapitel:
Nach einer mit Magenbeschwerden verbrachte Nacht empfängt Bärlach seinen neuen Assistenten Tschanz. In der äußeren Erscheinung erinnert dieser sehr an den ermordeten Schmied, so daß der Kommissär im ersten Augenblick regelrecht erschrocken ist.
Schmieds Lob aus dem Munde Bärlachs vernimmt Tschanz mit augenscheinlicher Zurückhaltung. Man bespricht den Stand der Ermittlungen, allerdings gibt es da nicht viel zu besprechen. Einzig die Revolverkugel vom Tatort ist da. Über Schmieds Reisegrund ist nichts bekannt.
Immerhin trägt Tschanz eine glaubhafte Theorie vor, die sich auf konkrete Tatsachen stützt: Schmied muß den Mörder gekannt haben, die rechte Wagentür geöffnet haben, um ihn aufzunehmen und ist ohne Ahnung gewesen, daß er sich in Gefahr befand. Erst jetzt, aus dem Munde von Tschanz hört Bärlach, daß der Tote Gesellschaftskleidung getragen hat. Der Assistent sieht darin einen Ansatzpunkt, den Grund für Schmieds Reise herauszufinden, zumal für den fraglichen Tag und eine Reihe weiterer in dessen Notizbuch ein G notiert ist. Er bittet Bärlach vergeblich, dieser möge seien Verdacht präzisieren. Dem fehlen, wie erklärt, die nötigen Indizien.
Tschanz will die vermutliche Fahrstecke von Schmied abfahren, weil für den Tag dieses Gesprächs ebenfalls ein G notiert ist. Bärlach wird ihn begleiten. Man verabredet sich für die gleiche Zeit, zu der auch Schmied aufzubrechen pflegte.


4.Kapitel:
Um sieben Uhr abends ersheint Tschanz bei Bärlach. Die Tür ist unverschlossen. Bärlach trägt schon den Mantel, scheint aber noch ein Schläfchen auf dem Divan seiner Bibliothek zu halten.
Auf dem Schreibtisch liegt ein als Schlange geformtes Messer, das Bärlach einst aus der Türkei mitgebracht hat. Er erzählt, man habe ihn damit einmal töten wollen.
Unterwegs ist die Rede von der Art, wie der tote Schmied den blauen Mercedes chauffiert; sogar einen Namen aus der Mythologie hatte er ihm gegeben: der blaue Charon.
Nach eben diesem Namen erkundigt sich Tschanz bei den Tankwarten am Wege. Nach etlichen Versuchen, die vergeblich bleiben, erinnert sich einer: am Montagabend sei so ein Kunde dagewesen. Der Beweis ist erbracht, meint Tschanz, daß Schmied diesen Weg gefahren sei. Bärlach muß ihm das zugestehen, scheint aber den Nutzen dieser Erkenntnis nicht recht einzusehen.
Tschanz fragt einen Passanten nach dem Lamboinger Abzweig. Zwanzig vor acht ist man an Ort und Stelle. Tschanz schaltet das Licht aus. Der Wagen hält an der Straße von Twann nach Lamboing.

5.Kapitel:
Als nichts geschieht, will Bärlach wissen, was Tschanz vorhat. Dieser setzt darauf, daß man einen Frack nur dort trägt, wo eine größere Gesellschaft zusammenkommt. Also müßten wohl Gäste über die von Schmied benutzte Autostraße herbei fahren. Bärlach gibt sich skeptisch, muß sich aber bald eines Besseren belehren lassen, denn tatsächlich fahren meherere vollbesetzte Limousinen in Richtung Lamboing an ihnen vorüber. Tschanz folgt ihnen nach bis zu einem großen, einsam stehenden Haus, das von einer niedriegen Mauer umfriedet ist. Das Türschild zeigt nur ein großes G.
Tschanz weiß es zu deuten. Er hat im Telefonbuch nachgeschlagen. Der Besitzer heißt Gastmann. Es gibt nur noch ein weiteres G im Lamboinger Teilnehmerverzeichnis, nämlich die Gendarmerie!

6.Kapitel:
Verwundert darüber, daß die ortsansässige Polizei nicht auf diesen Gastmann gekommen sei, dessen Haus doch so auffällig im offenen Felde liege, trennen sich die beiden Beobachter, um in verschiedenen Richtungen um das Grundstück herumzugehen.
Im Hause spielt jemand Bach auf dem Flügel.
Plötzlich wird Bärlach von einem riesigen Hund angegriffen, der sich in den schützend vor seiner Kehle gehaltenen linken Arm verbeißt. Ein Schuß aus Tschanz Revolver macht dem Tier den Garaus. Mühsam, aber unverletzt erhebt sich der alte Mann. Bärlach ist selten bewaffnet.
Im Haus hat man den Schuß gehört. Die Musik ist verstummt. An den Fenstern stehen die Damen und Herren der Gesellschaft, ihre Neugier dem Geschehen zugewandt. Bärlach und Tschanz gehen zum Eingangstor zurück. Dort werden sie von Nationalrat und zugleich Oberst von Schwendi, seines Zeichens Gastmann Advokat, erwartet. Offensichtlich angetrunken, behandelt er sie zunächst hocherfahren, beinahe verächtlich. Erst der Hinweis auf den Polizeistatus der nächtlichen Besucher kühlt den Nationalrat etwas ab. Gastmann ist für sie nicht zu sprechen, aber von Schwendi sichert für den nächsten Tag sein Erscheinen bei der Polizei zu. Mit Gastmann will er vorher sprechen. Er läßt sich ein Bild von Schmied geben und verschwindet im Haus.
Bevor sie die Rückfahrt antreten, wird Tschanz mit dem Lamboinger Polizisten über Gastmann reden, Bärlach aber in einem Gasthaus am Anfang der Schlucht eine kleine Stärkung zu sich nehmen. Sein Magen bereitet ihm wieder Kummer.
Tschanz erfährt von seinem Kollegen nur, daß man noch immer keine Spur habe von einer Gesellschaft. Ein Herr Gastmann habe zwar dergleichen Gesellschaften gegeben, aber er hatte nicht einmal den Namen Schmied gekannt. Ein Besuch Schmieds bei Gastmann sei einfach nicht möglich gewesen.
Tschanz rät, noch weitere Gäste von Gastmann zu befragen. Das sei geschehen, wird ihm versichert. Zum Beispiel einen Schriftsteller. Auch der hätte nichts von Schmied gewußt.
Der Polizist beschreibt Gastmann als einen wohlhabenen Nichtstuer, der sich ungeteilter Beliebtheit erfreut, da er die Steuern für das ganze Dorf Lamboing bezahlt.

7.Kapitel:
Ehe Tschanz zum Restaurant fährt, um Bärlach abzuholen, macht er noch einmal bei Gastmanns Haus halt. Das Fet scheint anzudauern. Jedoch den toten Tierkörper hat in der Zwischenzeit jemand beseitigt. Bärlach ist schon gegangen. Kaum fünf Minuten habe er sich aufgehalten, versichert die Wirtin, um dann zu Fuß in Richtung Twann aufzubrechen.
Tschanz setzt die Fahrt fort. Ungefähr am Tatort gibt ihm eine dunkle Gestalt plötzlich das Haltezeichen. Als er anhält und die rechte Wagentür öffnet, wird er sich plötzlich bewußt, daß Schmied bei der gleichen Handlung ums Leben gekommen ist. Entsetzten packt ihn, und es verläßt ihn auch dann nicht, als er in dem Anhalter Bärlach entdeckt.
Von diesem Augenblick an dutzt Bärlach Tschanz!
Nach längerem Schweigen erkundigt sich der Kommissär nach den Auskünften, die in Lamboing zu erhalten waren. Den Schriftsteller, meint er dann, werde er noch selber sprechen.
Vor seinem Haus angekommen, steigt Bärlach aus. Noch einmal stellt er beim Abschied fest, Tschanz habe ihm das Leben gerettet.
Doch dann geschieht Merkwürdiges. In der Halle mit den Büchern nimmt er aus der Manteltasche einen schweren Revolver. Und unter dem Wintermantel hatte er den linken Arm mit dicken Tüchern umwickelt, wie es Scheintäter bei der Hundeabrichtung vorsorglich zu tun pflegen.

8.Kapitel:
Am anderen Morgen erscheint von Schwendi im Bureau von Dr. Lutz, dem diese Intervention - noch dazu von einem beziehungsreichen Parteifreund vorgebracht - ausgesprochen unangenehm ist.
Von Schwendi geht es gar nicht um den getöteten Hund sondern vielmehr um die Frage, wieso Schmied unter falschem Namen in Gastmanns Haus Ermittlungen geführt habe.
Lutz ist gänzlich ahnungslos. Er hat nie davon gehört, daß Schmied als vorgeblicher Privatdozent Dr. Pranti tätig geworden ist. Es kann sich also nur um ein rein persönlich motiviertes Unternehmen gehandelt haben. Von Schwendi liefert jetzt seinerseits eine Deutung der Geschehnisse und beschuldigt den Ermordeten, für eine fremde Macht spioniert zu haben. Er fordert rundweg, die Polizei möge die Finger von seinem Klienten Gastmann lassen. Dr. Lutz hält dem entgegen, Gastmann sei durch die Ermordung Schmieds in den Kreis derer geraten, die einvernommen werden müssen, es sei denn, der Anwalt könnte völlig einwandfrei erklären, warum Schmied im Haus e Gastmann unter fremden Namen aufgetreten sei. Von Schwendi legt jetzt eine Gästeliste vor.
Im Auftrag der Industriellen ist von Schwendi gekommen, um die Polizei von dem hochpolitischen Charakter der Vorgänge um den getöteten Schmied in Kenntnis zu setzen.

9.Kapitel:
Als Dr. Lutz erkennt, wo er da hineingeraten ist, fühlt er sich völlig hilflos. Der Nationalrat hat jetzt leichtes Spiel mit ihm. Zwar versucht Lutz noch einmal, die ganze Sache zu bagatellisieren: Selbstverständlich hätten die Industriellen das Recht zu privaten Verhandlungen. Die Polizei mische sich da nicht ein. Schmied sei privat bei Gastmann gewesen und überdies ja nicht allein, sondern neben einer Reihe von Künstlern.
Von Schwendi läßt dies nicht gelten. Die Künstler seien nur zur Tarnung dagewesen für die eigentlichen Verhandlungen. Aber ein Polizist, der dabeisitzt, könne alles erfahren. Für die Schweiz sei es daher ehrevoller, Schmied gelte als Spion und nicht als Polizeispitzel.
Gastmanns Rolle erklärt der Advokat so: Als jahrelanger Gesandter Argentiniens in China besäße es das Vertrauen der fremden Macht, als ehemaliger Verwaltungspräsident des Blechtrusts dasjenige der Industriellen. Überdies läge sein Haus in dem unbekannten Nest Lamboing besonders unauffällig. Man möge ihn daher mit polizeilichen Maßnahmen in Ruhe lassen.
Dr. Lutz verspricht das. Auch eine Hausdurchuntersuchung wird es nicht geben. Sollte ein Gespräch tatsächlich unvermeidlich sein, wird es den Charakter einer Plauderei über Kunst tragen. Eine eventuell unvermeidliche Frage zur Sache würde dem Anwalt vorher zur Kenntnis gebracht. Von Schwendi ist es zufrieden. Er weist nochmals darauf hin, das es um Millionen geht. Seine Gästeliste zurücklassend, trennt er sich von dem konsternierten Untersuchungsrichter.

10.Kapitel:
Bärlach kommt, um den Auftrag zu einem Besuch bei Gastmann zu holen. Lutz verweist ihn auf den Nachmittag, weil mittlerweile die Stunde der Beerdigung Schmieds herangerückt ist. Sie fahren im Auto zum Friedhof. Es regnet in Strömen. Bärlach hat wieder Magenbeschwerden.
Als sie auf dem Friedhof ankommen, ist die Trauerfeier für Schmied schon in vollem Gange. Die Vermieterin Schönler ist da, Tschanz, neben sich ein blondes Mädchen namens Anna, eine Menge Polizisten in Zivil.
Gerade als Lutz ein paar ehrende Worte des Gedenkens sprechen will, ertönt grölender Gesang. Zwei Betrunkene, riesenhafte unangenehme Erscheinungen, wanken über den Friedhof, zwischen sich einen großen Lorbeerkranz, den sie über den Sarg werfen. Weitergrölend entfernen sie sich. Auf der Kranzschleife steht: \"Unserem lieben Doktor Prantl.\" Da in diesem Augenblick der Regen zum Wolkenbruch sich steigert, flieht alles vom offenen Grab weg.


11.Kapitel:
Bärlach deutet den Kranz als eine Warnung. Er läßt sich zu seinem Haus fahren. Als er in die Wohnhalle tritt, findet er hinter seinem Schreibtisch einen Mann, der Schmieds Mappe durchzublättern im Begriff ist: Gastmann.
Es zeigt sich, daß die beiden einander seit langem kennen. Daß sich der ungebetene Gast jetzt Gastmann nennt, hat Bärlach seit längerer Zeit gewußt. Auf sein Geheiß ist Schmied als Doktor Prantl bei den Gesellschaften gewesen. Aus dem Munde seines Gegners muß Bärlach hören, daß ihm die Ärzte höchstens noch ein Jahr zu leben geben, vorausgesetzt er läßt sich unverzüglich operieren. Aber gerade dafür hat er jetzt nicht die Zeit, ist doch für ihn die letzte Gelegenheit gekommen, ein vor viezig Jahren begonnenes Vorhaben zu vollenden: den, der sich jetzt Gastmann nennt, der Verbrechen zu überführen, die seinen Lebensweg säumen.
Folgende Vorgeschichte enthüllt sich: Vor über vierzig Jahren haben sich die beiden Männer in einer gemeinsam durchzechten Nacht in einer Judenschenke am Bosporus kennengelernt, Bärlach als junger Polizeifachmann vertritt die These, Verbrechen seien Dummheiten, weil Zufälle sie zwangsläufig zumeist an den Tag brächten. Die Gegenthese des Abenteurers: Gerade die Verworrenheit menschlicher Beziehungen mache Verbrechen begehbar, die meisten würden nicht einmal entdeckt. In der Betrunkenheit kommt es zu einer Wette. Vor Bärlachs Augen soll ein Verbrechen geschehen, daß der Kriminalist seinem Wettpartner nicht würde nachweisen können. Drei Tage später stößt dieser einen deutschen Kaufmann von der Mahmudbrücke. Bärlach muß halbertrunken seinen Rettungsversuch aufgeben. Der Mörder kommt ungeschoren davon. Von da an bleibt beider Leben auf merkwürdige Weise - in einer Art Gegenläufigkeit - miteinader verbunden. Bärlach wird ein immer besserer Kriminalist, der andere ein immer kühnerer Verbrecher, der wieder und wieder die Wege seines Verfolgers kreuzt, ohne daß diesem die Überführung in irgendeinem Falle gelungen wäre. Jetzt sind beide an ihre Ausgangsorte zurückgekehrt. Bärlach nach Bern, der andere nach Lamboing, wo er als Dreizehnjähriger aus dem Elternhaus davongelaufen war.
Gastmann nimmt Schmieds Mappe mit sich. Spöttisch erkundigt er sich, ob Bärlach ihn nicht mit dem auf dem Schreibtisch liegenden Revolver hindern wolle, dies zu tun. \"Du hast die Munition herausgenommen\" vermutet der Kommissär. Ein Irrtum, wie sich dann zeigt. Allein geblieben, erleidet Bärlach einen furchtbaren Schmerzanfall.


12.Kapitel:
Einige Zeit später, wieder schmerzfrei, betritt er das Büro von Dr. Lutz. Zu dessen Erleichterung erhebt Bärlach keinerlei Einwände gegen die von Schwendi gegebenen Zusicherungen. Geduldig hört der Kommisär zu, als Lutz Gastmanns Loblied singt und den Vorfall auf dem Friedhof zu einer Art schlechten Scherz herunterspielt. Er stimmt sogar zu. Nur als Lutz plötzlich Schmied in Verdacht zieht, bleibt Bärlach stumm.
Schon zum Gehen gewandt, bittet er um eine Woche Krankheitsunrlaub. Dr. Lutz ist einverstanden.
In Bärlachs Zimmer wartet Tschanz. Der Kommissär will zu dem Schriftsteller gefahren werden. Wie sich zeigt, hat Tschanz das Auto des toten Leutnants Schmied auf Abzahlung gekauft. Unterwegs fragt er nach dem Inhalt der Mappe aus Schmieds Zimmer. Bärlach beschwichtigt ihn: \"Nichts Amtliches, Tschanz, nur Privatsache.\"

13.Kapitel:
Der Schriftsteller empfängt die Gäste nicht sonderlich höflich. Er vermutet, sein Alibi soll überprüpft werden. Bärlach gibt zu, dies sei längst geschehen und beginnt, nach Gastmann zu fragen. Man kommt auf dessen Kochkunst zu sprechen, ein Thema, das auch den Alten höchst interessiert. Als sie endlich innehalten, fragt Tschanz in die Gesprächspause hinein: \"Hat Gastmann den Schmied getötet?\" DerSchriftsteller kann das mit Sicherheit ausschließen, denn er war zur ungefähren Tatzeit noch mit dem Verdächtigen beisammen. Über den Verbleib der Diener zu diesem Zeitpunkt vermag er nichts zu sagen. Tschanz fragt ungeniert weiter, was für eine Art von Mensch Gastmann sei. Im weiteren Verlauf des Gesprächs, in dem Bärlach wieder die Initiative übernimmt, kommt ein Bild Gastmanns zustande, das von folgenden Zügen geprägt ist: Er ist fähig zu jedem Verbrechen, obwohl nicht der Mörder Schmieds; ein Nihilist reinsten Wasseres, der sich im Gutem wie im Bösen vom Zufall bestimmen läßt. Er interessiert den Schriftsteller als Typ, als Beobachtungsgegenstand, als Anregung zum Nachdenken über den Menschen.
Bärlach verweist auf sein Geschäft. Er hat es nicht mit einem durch die philosophische Brille gesehenen \"Bild\" von Gastmann zu tun, sondern mit dem wirklichen Gastmann, dessen Geselschaft seinem Leutnant Schmied das Leben gekostet hat. Die Aufgaben eines Schriftstellers gleichen eben doch nicht denen der Polizei.

14.Kapitel:
Tschanz vermutet, man führe nun zu Gastmann. Doch Bärlach verneint. Er verweist auf die Anordnung von Dr. Lutz. Tschanz beharrt auf seiner Meinung, Gastmann müsse man verhören, ihn und seine Diener. In der Zusage des Dr. Lutz an von Schwendi erblickt Tschanz nichts anderes, als daß man ihm eine Chance hinaufzukommen, endgültig verderben will. Er fleht Kommisär Bärlach förmlich an, noch einmal mit Lutz zu reden.
Bärlach lehnt kategorisch ab. Er sei krank und alt, brauche seine Ruhe. Tschanz müsse sich selber helfen. Überdies werde er eine Woche Krankenurlaub in Grindelwald verbringen.Tschanz hat seine Selbstbeherrschung nur mit Mühe wiedergefunden.

15.Kapitel:
Noch am selben Abend konsultiert Bärlach den Arzt Doktor Hungertobel, mit dem zusammen er auf dem Gymnasium gewesen war. Es bestätigt sich: Bei Hungertobel ist einmal eingebrochen worden, offenkundig mit dem Ziel, Bärlachs Krankenakte einzusehen. Der Arzt bekräftigt Gastmanns höhnische Prophezeiung. Ein Jahr hat Bärlach noch zu leben, aber nur, wenn er sich innerhalb der nächsten drei Tage operieren lassen wird. Nur zwei Tage hat Bärlach noch, seine Aufgabe zu vollenden.


16.Kapitel:
Mitten in der Nacht schreckt Bärlach aus dem Schlaf. Ein Eindringling ist im Haus. Der Kommisär macht Licht und nimmt seinen Revolver. Durch einen absichtlich herbeigeführten Kurzschluß sorgt der Fremde für Dunkelheit. Die beiden Gegner belauern einander. Bärlach weiß, daß der Mörder für ihn das Schlangenmesser bereit hält. Er muß jetzt etwas tun, um die Gefahr abzuwenden. Drei Schüsse durchs Fenster erreichen die beabsichtigte Wirkung. In der Nachbarschaft wird Licht eingeschaltet. Zwar hat der Mörder das Schlangenmesser noch nach Bärlach geworfen, dann aber die Flucht ergriffen.

17.Kapitel:
Eine halbe Stunde läßt der Alte noch vergehen. Dann telefoniert er nach Tschanz. Der kommt bald. Er trägt noch den Pyjama unter dem Wintermantel. Nachdem die Spuren des nächtlichen Kampfes besichtigt sind, will er wissen, ob Bärlach den Einbrecher gesehen hat. Der Kommisär verneint. Aber er weiß genau, wer es gewesen ist. Tschanz bietet an, bei ihm wachen zu wollen. Das wird abgelehnt. Er verläßt das Haus, scheint es sich dann aber anders zu überlegen. Doch bei seiner Rückkehr ist - zum ersten Male - die Haustüre verschlossen.
Am anderen Morgen erhebt sich Bärlach, ohne geschlafen zu haben. Das telefonisch herbeigerufene Taxi zum Bahnhof erweist sich, nachdem Bärlach eingestiegen ist, als eine Falle, die Gastmann ihm gestellt hat. Gastmann droht dem Alten und fordert ihn auf, das Spiel aufzugeben. Er habe Schmied nicht getötet! Bärlach gibt zu, das zu wissen. Aber er will Gastmann dieses unbegangenen Verbrechens überführen, nachdem es ihm nie gelungen ist, ihn der begangenen Verbrechen wegen vor Gericht zu bekommen.
Gastmann droht, ihn bei der nächsten Begegnung zu töten. Doch Bärlach bleibt unerschrocken: Gastmann werde diesen Tag nicht überleben. Der Henker, den er für ihn ausgesucht habe, wird noch am gleichen Tag sein Werk verrichten und das Urteil vollstrecken, versichert der Kommissär auf dem Bahnhofsvorplatz stehend.


18.Kapitel:
An der Kirche wartet Tschanz auf Anna, Schmieds ehemalige Verlobte. Er verspricht ihr, noch am gleichen Tag, \"Ulrichs Mörder\" zu stellen, und er erhält dafür das Versprechen des Mädchens, sich mit ihm verloben zu wollen.
Mit dem Auto fährt Tschanz nach Ligerz, wo er den Wagen stehen läßt. Zu Fuß wandert er nach Lamboing zu Gastmanns Haus. Er betritt es durch die offenstehende Haustüre und findet den Hausherren wie seine beiden ungeschlachteten Diener reisefertig. Gastmann meint bei dem Anblick von Tschanz, das also sei der Sinn von Bärlachs Drohung.
Einer der Diener schießt auf Tschanz und trifft ihn an der Schulter. Tschanz erschießt alle drei Widersacher mit der bereitgehaltenen Waffe.

19.Kapitel:
Die polizeiliche Aufnahme des Tatbestandes ergibt, daß jeder der drei Getöteten noch geschossen hat.Eine zweite Verwundung hat Tschanz am linken Unterarm. Man wird ihm die Notwehr glauben. Am Morgen danach zeigt Lutz dem Obersten von Schwendi die Leichen der Getöteten. In der Nacht hat er Gastmanns Tagebücher gelesen. Plötzlich erscheint alles anders: Gastmann ist als Eindringling in die gehobenen Kreise entlarvt. Schmied erscheint als ein ehrgeiziger junger Polizist, der aus Karrieregründen auf eigene Faust Jagd auf Gastmann gemacht hat. Hier liegt auch das Motiv für Schmieds Ermordung, dies um so eher, als man in der Faust eines Gastmannschen Diener die Mordwaffe gefunden hat. Als Bärlach hinzutritt, schlägt ihm Dr. Lutz vor, ihren alten Streit über moderne Kriminalistik zu beenden. Sie hätten beide nicht recht behalten. Der Fall Schmied sei abgeschlossen.
Der Alte schweigt dazu beharrlich. Das macht Dr. Lutz verlegen. Mit den Toten allein geblieben, deckt Bärlach Gastmanns Bahre auf. Er nimtt gleichsam Abschied als Jäger von seinem Wild, das er ein Leben lang gejagt hat.

20.Kapitel:
Für den gleichen Abend acht Uhr ist Tschanz zu Bärlach bestellt. Er findet einen festlich gedeckten Tisch. Mit Erstaunen erlebt er, wie der Alte von einem vielgängigem Mahl jeweils gigantische Portionen verschlingt. Daß er nun endlich Schmieds Mörder gestellt hat, soll gefeiert werden. Tschanz begreift, er ist dem Alten in die Falle gegangen.
Im Verlaufe dieses grotesken Mahles enthüllt sich: Tschanz hat Schmied getötet. Bärlach besitzt den Beweis - die Kugel aus dem getöteten Hund. Er hat auch die Komödie mit dem \"blauen Charon\" durchschaut. Ein paar einfache Telefongespräche haben bestätigt, daß Schmied am Abend seines Todes den anderen Weg genommen hatte. Für die Vorbereitung seines Täuschungsmanövers hat Tschanz den blauen Mercedes der Pension Eiger aus Grindelwald benutz. Das Motiv war Eifersucht auf den Erfolgreichen, sein Auto, sein Mädchen, seinen Rang.
Weil Schmied Bärlachs letzte Hoffnung verkörperte, Gastmann doch noch zu stellen, hat der Alte nach Schmieds Tod den Mörder Tschanz zum Vollstrecker seines Willens gemacht, er als Richter, Tschanz als Henker.
Für einen Augenblick will Tschanz nach seiner Waffe greifen, aber auch er sieht, das hätte keinen Sinn.
Bärlach befielht ihm zu gehen. Er will keinen mehr richten. Tschanz fährt davon.


21.Kapitel:
Bei Tagesanbruch stürtzt Dr. Lutz ins Zimmer. Er berichtet, man habe Tschanz in seinem Wagen tot aufgefunden, von einem Eisenbahnzug erfaßt.
Bärlach fühlt sich totkrank. Es ist Dienstag. Hungertobel wird benachrichtigt, damit er
ihm zu einem letzten Jahr Leben verhelfe.

Die wohlkomponierte Handlung scheint zu beweisen, daß der Autor nach einem Plan gearbeitet, daß er dieses Erzählwerk vom Endeffekt her aufgebaut, dann erst Fortsetzung für Fortsetzung geschrieben hat. Dürrenmatt, war der Plan erst einmal gemacht,muß Freude an der Ausarbeitung gemacht haben. Stellenweise übertreibt er sehr stark, daß der Leser nicht mehr weiß, ob das noch ernst gemeint ist. Natürlich nicht. Während er einen Krimi schreibt, parodiert er dieses Genre zugleich. Die Handlung spielt in Bern, wo Dürrenmatt wohnte. Er tritt auch selbst auf, in seinem Arbeitszimmer in Ligerz, jedoch nur schattenhaft, er hockt im Gegenlicht einer winzigen Fensternische, wenn Bärlach und Tschanz ihn vehören.
Die Handlungszeit umfaßt etwa fümf oder sechs Tage im November 1948.
Die Romankomposition wird bestimmt von der Zweisträngigkeit der Handlung (Mord an Schmied / Hintergrundhandlung, die in jener Wette vierzig Jahre von den hier geschilderten Ereignissen ihren Ursprung findet - Gastmann).
Man kann das Buch auch als Satire lesen. Dürrenmatt verspottet mit Lust und Liebe - nun, man kann sagen, die ganze Schweiz, die Spießer, Künstler, Polizisten, Politiker und Gangster.
Personen:
*.) Kommissär Hans Bärlach
Er ist ein kauziger, bejahrter, totkranker, im Pensionsalter stehender Mann der partout nicht in das gängige Detektivbild passen will. ein Jahrzehnt hat er in den Diensten der Türkei gestanden und von Konstantinopel aus die Kriminalpolizei reformiert. Später war er in der Weimarer Republik Chef der Kriminalpolizei von frankfurt am Main. Doch aus der deutschen Karriere wurde nichts, da er 1933 einen hohen Beamten ( einen arrivierten Nazi) kurzerhand geohrfeigt hat. Er muß daher nach Bern zurück - einem Deutschen hätte es wohl den Kopf gekostet.
Ein knorriger Einzelgänger ist aus ihm geworden mot absonderlichen gewohnheiten, schwer zu behandlen von Vorgesetzten, fortschrittsskeptisch und mißtrauisch gegenüber der wachenden Technisierung. Sein Haus bleibt ständig unverschlossen und hat keine klingel. Autos fahren für seinen Geschmack viel zu schnell und der ärztestand genießt sein Vertrauen ebenfalls nicht.
Man ist geneigt, ihn zu unterschätzen, dabei erweist er sich als kühler Rechner, der auch Situationen, die dazu führen könnten, daß man den Kopf verliert, mit verstandeskraft meistert.

*.) Polizist Tschanz
Er ist ein Mann, der sich bemüht kriminalistisch auf der Höhe zu bleiben. Tschanz bewundert und haßt gleichzeitig den jungen Schmied. Seine ehrgeizige Eifersucht steigert sich zu paranoiden Erscheinungsformen und wird schließlich zum Mordmotiv. Nach und nach schlüpft nach vollzogener Tat Tschanz in die Persönlichkeit seines Opfers Schmied. Er kleidet sich á la Schmied, so daß Bärlach regelrecht erschrickt, als er seiner ansichtig wird.
Im Ansatz leidet die literarische Figur Tschanz an einer Art Blutleere. Es scheint sich um diejenige zu handeln, welche häufiger dann auftritt, wenn Autoren im dienste ihrer Pointen und Effekte die Lebenswahrscheinlichkeit aus dem Blick verlieren. Als Figur nach Bärlachs Willen fremdbestimmt über das Spielfeld geführt, bleibt Tschanz selbst dort, wo er Mannesmut beweist, in erster Linie dümmlich.
*.) Der Verbrecher Gastmann
Man sieht in ihm einen steinreichen, vornehmen, noblen \"Philosophen\", was als Umschreibung für \"Nichtstuer\" zu gelten hat. Gesandter Argentiniens in China und Verwaltungspräsident des Blechtrusts soll er in früheren Jahren gewesen sein. Als Mann von wissenschaftlichen Verdiensten trägt er das Kreuz der Ehrenlegion und soll in die Französiche Akademie gewählt worden sein. Als unabhängiger Geist habe er diese Würdigung freilich ausgeschlagen. Gebürtig - so Dr. Lutz - sei Gastmann aus Prockau in Sachsen. Zunächsst sei er nach Südamerika ausgewandert und dort Argentinier geworden. Später habe er die französische Staatsbürgerschsft erworben. Die Wahrheit kennt im Grunde nur Bärlach. Der sich jetzt Gastmann nennt, stammt in Wirklichkeit aus Lamboing. Als Dreizehnjähriger ist er seiner ungeliebten Mutter davongelaufen, um die Karriere der Gesetzlosigkeit einzuschlagen.
Auch die Gastmann Figur gewinnt die Aufmerksamkeit des lesers dank ihrer Widersprüchlichkeit. Der Konflikt Bärlach - Gastmann reduziert sich auf die Auseinadersetzung zwischen der Philosophie der Rechts und einer Utopie der Freiheit.

Auch in Dürrenmatts zweitem Kriminalroman \"Der Verdacht\", den er 1952 schrieb, spielt die Hauptrolle Kommissär Bärlach.

 
 
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