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biologie artikel (Interpretation und charakterisierung)

Die wiederkehr der zwei kulturen



Der ökologische Diskurs ist heutzutage oft gespalten. Auf der einen, von den Naturwissenschaftlern vertretenen Seite wird die Umweltkrise als quantitative Differenz zwischen natürlichen und künstlichen Wechselwirkungen im Mensch-Natur-System dargestellt, während sie von den Geisteswissenschaftlern andererseits als Folge einer \"historisch spezifischen Konstellation von wirtschaftlicher Dynamik, sozialer Macht und kulturellen Mentalitäten\" (S.24) gesehen wird. Trotz zahlreicher Verbindungslinien dieser beiden Ansichtspole unterscheiden sich die Ausgangspunkte, Denkfiguren und politischen Zielrichtungen zwischen ihnen überdeutlich. Der quantitative Ansatz konzentriert sich nach einer Ursachenforschung darauf, technische Umwandlungssysteme ressourcensparender zu betreiben und verbrauchsmindernde Umstrukturierungen in Organisation und Technologie vorzuschlagen. Eine möglichst effiziente Verwaltung der ökologischen Mittel soll verwirklicht werden, um die Nutzungsrate mit der Regenerationsrate der Natur in Einklang zu bringen, wobei gesellschaftliche Ziele - Interessen, Werte, Bedürfnisse - eine nur untergeordnete Rolle spielen. Diesen Weg könnte man als eine Ökologie der Mittel bezeichnen. Anders verhält es sich mit dem historisch-qualitativen Ansatz, der unter Berücksichtigung von Lebensformen und Wertewandel nach einer Entschärfung und Eindämmung des menschlichen (ergo naturverbrauchenden) Expansionsdruckes trachtet, dabei jedoch oft wenig über die Mittel sagt und deshalb nicht selten als \"utopisch\" abgewertet wird. Dieser Weg der \"Ökologie der Ziele\" (S.25) bezeichnet eine Gesellschaft mit vergleichsweise tieferen Selbstverständlichkeiten, die nicht in der endlosen Spirale einer Nicht-Sättigung gefangen ist, wie sie von den Naturwissenschaften als gegeben hingenommen wird.
So scheint es, daß sich auch die Umweltwissenschaften inzwischen in die zwei Bereiche der Natur- und Geisteswissenschaften aufspalten, wobei erstere eindeutig mit mehr Mitteln und Unterstützung ausgestattet sind. Problematisch ist dabei nur, daß eine Überwindung der Umweltkrise ohne eine subjektiven Wahrnehmung nicht zu realisieren ist, denn eine objektive Ausarbeitung der Realität im Sinne der Naturwissenschaften liefert aufgrund fehlender Ideale, Weisheit, Utopien oder Interessen nicht den Stoff, aus dem sich ein zivilisatorischer Wandel der Gesellschaft herleiten läßt. Um einen solchen zu bewerkstelligen, müssen Sinnfragen neu gestellt, eingeschlagene Wege neu ausgelegt, Bedeutungszusammenhänge neu erklärt werden. \"Wem es auf technischen Erfolg ankommt, der kann sich mit der Darlegung objektiver Fakten begnügen; wer allerdings auf Einsicht aus ist, der wird von der gelebten und erlebten Wahrheit der Menschen her argumentieren müssen.\" (S.25). Die Geistes- und Kulturwissenschaften tragen dazu bei, das Objektive als integriertes Teil der Lebenswelt zu verstehen und in den gesellschaftlichen Bereichen zu definieren. Dadurch kann verhindert werden, daß die zunehmend statistisch-objektive Beschreibung der Welt das Individuum seiner Subjektiviät beraubt, indem diese Weltdarstellung letzgültige Realität wird, moralische und ästhetische Ansichten ausdünnt bis zur Unkenntlichkeit und den Menschen verinstrumentalisiert. Gerade die Ökologie sollte sich diesbezüglich auf ihre Wurzeln zurückbesinnen und nicht vergessen, daß sie gerade aus diesem Widerstand der technischen Ausbeutung von Umwelt und Natur heraus entstand. Keine ihrer beiden wissenschaftlichen Richtungen kommt ohne die andere aus, will nicht jede den utopischen Versuch unternehmen, sich ohne die Hilfe der anderen - wie einst Münchhausen an seinem eigenen Schopfe - mit ihren eigenen Methoden aus dem Dilemma der Umweltproblematik ziehen.

 
 

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